Archäologie

Ur-Nordsee soll im Wal-Museum wieder lebendig werden

Wolfgang Höpfner (links) und Andreas Malchow gehören zum Grabungsteam. Hier arbeiten sie daran, einen fossilen Wal freizulegen.

Wolfgang Höpfner (links) und Andreas Malchow gehören zum Grabungsteam. Hier arbeiten sie daran, einen fossilen Wal freizulegen.

Foto: Timo Jann

Groß Pampau. Für die elf Millionen Jahre alten Fossilien aus der Ur-Nordsee bei Groß Pampau soll in Lübeck ein eigenes Museum entstehen.

Groß Pampau/Lübeck.  Wenn Gerhard Höpfner davon erzählt, wie ein Museum für die fossilen Funde aus der Ur-Nordsee gestaltet werden könnte, dann gerät er ins Schwärmen. „Wir können die Ur-Nordsee wieder lebendig machen, denn wir wissen mittlerweile, wie das Leben in dem Meer damals aussah“, erzählt Höpfner.

Er leitet das Grabungsteam in der Kiesgrube bei Groß Pampau im Auftrag des Lübecker Museums für Natur und Umwelt. Zusammen mit seinem Bruder Wolfgang, Andreas Malchow, Uwe Havekost, Martin Kupsch und Svenja Warnke hat er in den vergangenen Jahren tonnenweise Ton bewegt und dabei Knochen elf Millionen Jahre alter Lebewesen freigelegt. Einige Arten wurden bisher nur in Groß Pampau entdeckt. Es fand sich anhand spezieller Knochen auch der Beweis dafür, dass Wale früher an Land laufen konnten.

Ur-Nordsee reichte einstbis hinter Berlin

Schon lange träumt das Team davon, dass die weltweit einzigartige Grabungsstelle eine angemessene Präsentation in einem modernen Museum erhält. „Es gibt so tolle Museen, in denen man viel mit Erlebnispädagogik machen kann. Wir könnten den Besuchern zeigen, wie es hier vor elf Millionen Jahren war“, schwärmt Malchow.

Die Ur-Nordsee reichte bis hinter Berlin, war bei Groß Pampau gut 40 Meter tief. Noch heute entdecken die Mitglieder des Grabungsteams immer wieder Splitter von Knochen oder Wirbeln. Grubenbesitzer Wolfgang Ohle unterstützt die Paläontologen, indem er den Ton bei einem Fund an anderer Stelle abbauen lässt. So kann das Grabungsteam systematisch arbeiten. Fast jede freie Minute verbringen die Ehrenamtlichen in der Tongrube.

Museum reicht für Funde nicht aus

Im Lübecker Museum für Natur und Umwelt ist nur der kleinste Teil der bisherigen Funde ausgestellt. Das meiste liegt im Archiv des Museums. Und noch ist das Ende des Tonabbaus nicht absehbar. „Museum für Umwelt und Urmeer“ wäre ein Titel, der Gerhard Höpfner vorschwebt. „Das, um das uns die ganze Welt beneidet, müssen wir auch endlich zeigen“, sagt er.

Der Ansicht sind Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau und Kultursenatorin Kathrin Weiher nach ihrem Besuch in Groß Pampau ebenfalls. „Wir brauchen ein neues Museum“, stellte Lindenau fest. Das könne Lübeck aber nicht alleine leisten. Das Land hat bereits Unterstützung signalisiert (wir berichteten).