Branstiftung

Vater und Sohn stehen nach Feuer im Hevi’s vor Gericht

Das Schnellrestaurant „Hevi’s“ ist Geschichte. In das sanierte Gebäude zieht ein Caravan-Handel ein.

Das Schnellrestaurant „Hevi’s“ ist Geschichte. In das sanierte Gebäude zieht ein Caravan-Handel ein.

Foto: Stefan Huhndorf

Schwarzenbek/Lübeck. Vor einem Jahr brannte es im Restaurant „Hevi’s“. Jetzt stehen der Betreiber und sein Sohn wegen Brandstiftung vor Gericht.

Schwarzenbek/Lübeck.  Der Vater kam in Handschellen begleitet von Justizbeamten durch den Hintereingang, der Sohn wie ein Besucher durch die Eingangstür von Saal 315 des Lübecker Landgerichts. Seit dem 26. April dieses Jahres sitzt Orhan A. in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 54-Jährigen und seinem Sohn (25) vor, den Schnellimbiss Hevi’s an der Hamburger Straße am Abend des 10. August 2018 in Brand gesteckt zu haben, um die Versicherungssumme zu kassieren.

Zwölf Verhandlungstage sind angesetzt

Gestern war Prozessauftakt vor der Dritten Großen Strafkammer des Lübecker Landgerichts unter Vorsitz von Richter Kai Schröder. Während der Hamburger Anwalt Andreas Thiel eine persönliche Erklärung des 25-jährigen Mehmet A. zum Tatvorwurf verlas, hatte Orhan A. eine Aussage verweigert, es sich nach einem Gespräch mit seinem Anwalt am Dienstag jedoch anders überlegt. Seine Erklärung zum Fall soll nun am vierten Verhandlungstag, 25. September, verlesen werden. Insgesamt hat das Gericht zwölf Verhandlungstage anberaumt, an denen 14 Zeugen und fünf Gutachter gehört werden sollen.

In seiner Erklärung bestritt Mehmet A. den Vorwurf des Versicherungsbetrugs und gab auch eine Ehrenerklärung für seinen Vater ab: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er ein Brandstifter ist.“ Orhan A. hatte die Räume im Juli 2017 mit einem Kompagnon angemietet und den Imbiss eröffnet. Im Oktober kam es zum Bruch: Der Kompagnon wurde inklusive einer Abfindung vor die Tür gesetzt. Der strengte noch ein Zivilverfahren an, verlor aber vor Gericht.

Zwei Monate vor dem Brand Versicherung abgeschlossen

Ebenfalls im Oktober wurde Sohn Mehmet zum Inhaber ernannt. Er verständigte sich mit dem Vermieter, meldete ein Gewerbe an und schloss zwei Monate vor dem Brand eine Versicherung ab. „Aufgrund meiner türkischen Herkunft bin ich mit den Feinheiten des deutschen Rechts nicht so vertraut“, wies A., eine absichtliche Verschleierung der Besitzverhältnisse zurück. Nominell sei er der Inhaber gewesen, sein Vater habe sich aber um alles gekümmert. Eigentlich habe es sich beim Hevi’s um einen Familienbetrieb gehandelt: „Ich habe es für meine Familie getan. In unserem Kulturkreis ist das normal.“

Bei Verurteilung drohen mindestens fünf Jahre Haft

An den Abend des Brandes könne er sich gut erinnern: Sein Vater sei gerade von der Arbeit in die Hamburger Wohnung zurückgekehrt, als die Nachricht vom Feuer eintraf. Das soll laut den Ermittlern Vater Orhan A. selbst gelegt haben: In einem Lagerraum und der Küche habe er Textilien ausgelegt und angezündet. Als das Feuer die ebenfalls deponierten Flaschen mit Grillanzünderflüssigkeit erreichte, sei es zu einer „explosionsartigen Entzündung“ gekommen, so Staatsanwältin Berkenbusch.

Weil A. damit auch die im Obergeschoss lebende Familie in Gefahr brachte, drohen ihm bei einer Verurteilung mindestens fünf Jahre Haft.