Grabau

Mit Tauschhandel zu 11 Hektar großem Gewerbe-Areal

Die Pflöcke markieren, wo künftig das Grabauer Gewerbegebiet an der B 207 entstehen soll.

Die Pflöcke markieren, wo künftig das Grabauer Gewerbegebiet an der B 207 entstehen soll.

Foto: Stefan Huhndorf

Grabau. Elf Hektar Gewerbegebiet im Tausch gegen zehn Hektar Bauland. Mit diesem Deal bekommt ein Dorf große Gewerbeflächen.

Grabau.  Erste Pflöcke zeigen bereits, wo voraussichtlich von 2020 an ein neues, gut elf Hektar großes Gewerbegebiet entsteht. „Wir gehen davon aus, dass die Erschließung im kommenden Jahr beginnt. Angesichts der hohen Auslastung der Baubetriebe dürfte es aber bis zu einem Jahr dauern, bis diese Arbeiten abgeschlossen sind. Wir rechnen mit einem Baubeginn im Gebiet im Frühjahr 2021“, sagt Holger Ziel, stellvertretender Bürgermeister in Grabau.

Damit das Gebiet an der B 207 überhaupt entstehen konnte, arbeitet das Dorf eng mit der großen Nachbarin Schwarzenbek zusammen. „Wir haben etwa vertraglich festgelegt, dass kein Einzelhandel in unserem Gebiet angesiedelt wird. Es soll an dieser Stelle kein Gegenpol zum angrenzenden Lupuspark entstehen“, erläutert Holger Ziel.

Discounter hätten Interesse an neuem Gewerbegebiet

Interessenten für Einzelhandelsflächen dürfte es geben. Penny sucht eine neue Fläche für seinen mittlerweile viel zu kleinen Markt an der Möllner Straße. Der Discounter würde gern auf dem Areal des ehemaligen Autohauses Schwarzenbek am Kreisel bauen. Die Politik will dort jedoch nur 800 Quadratmeter Verkaufsfläche genehmigen, Penny möchte aber die heute üblichen 1200 Quadratmeter. Das Grabauer Gewerbegebiet wäre nicht einmal einen Kilometer entfernt.

Die Grabauer Gemeindevertreter haben bereits „grünes Licht“ für das Projekt gegeben. Der Aufstellungsbeschluss für den B-Plan 4 (Auf’n Ruhm) ist gefasst, auch die erforderliche Änderung des Flächennutzungsplans ist beschlossen. Denn bislang ist das künftige Gewerbegebiet südlich der B 207 und östlich der geplanten Schwarzenbeker Ortsumgehung Ackerland.

WFL übernimmt die Vermarktung

Die Erschließung wie auch die Vermarktung des Gebietes übernimmt die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Herzogtum Lauenburg. „Die Nachfrage ist durch örtliche Unternehmen und Anfragen von Projektentwicklern groß, wir haben in diesem Bereich aber kaum noch Flächen“, sagte WFL-Geschäftsführer Ulf Hahn kürzlich.

Die Unterlagen für das Vorhaben liegen noch bis zum 20. August im Bürgerbüro der Amtsverwaltung Schwarzenbek-Land, Gülzower Straße 1, aus. Die Entwürfe von F- und B-Plan können dort während der Geschäftszeiten eingesehen werden.

Damit das 350-Einwohner-Dorf so ein großes Gewerbegebiet in direkter Nachbarschaft zur Europastadt ausweisen konnte, war ein landesweit bis dahin einmaliger Deal mit Schwarzenbek erforderlich. Für die Zustimmung der Stadt-Politiker im Mai 2017 bekam Schwarzenbek rund zehn Hektar von der Gemeinde Grabau übertragen, um dort mittelfristig ein neues Wohngebiet zu planen.

Verhandlungen dauerten eineinhalb Jahre

Rund eineinhalb Jahre dauerte die Verhandlungen. Auch hierbei hat Wirtschaftsförderer Hahn die Fäden gezogen. Die gefundene Einigung erscheint als klassische Win-Win-Situation. Mit der zusätzlichen Fläche im Südosten der Stadt direkt an der Bahnstrecke Hamburg-Berlin und dem Anschluss an das vorhandene Wohngebiet in der Rülau verschafft sich die inzwischen bis an ihre Grenzen gewachsene Stadt Schwarzenbek Luft für weitere Baugrundstücke.

Schwarzenbek erhält Platz für neue Wohnbebauung

Die Gemeinde Grabau hätte ihrerseits dort kein Wohngebiet ausweisen können, weil die Fläche als Außenbereich zu weit vom eigentlichen Ort entfernt liegt. Schwarzenbek, das selbst praktisch keine zu entwickelnden Gewerbeflächen innerhalb seiner Stadtgrenzen mehr hat, hätte die Gewerbeflächen am liebsten selbst von Grabau übernommen und sich einverleibt.

Dann wäre die Nachbargemeinde allerdings leer ausgegangen. Immerhin werden die Schwarzenbeker Stadtwerke das neue Gewerbegebiet versorgen und damit Einnahmen für Schwarzenbek generieren.