Fahrtraining

Sicher auf dem Pedelec unterwegs sein

Dietmar Benz von der Verkehrswacht bringt Radwanderern vom TSV den richtigen Umgang mit dem Pedelec bei.

Dietmar Benz von der Verkehrswacht bringt Radwanderern vom TSV den richtigen Umgang mit dem Pedelec bei.

Foto: Stefan 'Huhndorf / Stefan Huhndorf

Schwarzenbek. Die schnellen Pedelecs sind gefährlich. Die Unfallzahlen steigen, deshalb bietet die Verkehrswacht Sicherheitstrainings an.

Schwarzenbek.  Pedelecs – Fahrräder mit elektrischer Unterstützung – erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Doch wegen des hohen Tempos von 25 Kilometern pro Stunde sind sie für ungeübte Radler auch gefährlich (siehe Infotext). Als Ursache vieler Stürze und Unfälle gilt nicht angepasste Geschwindigkeit.

Aktuelles Beispiel für die Gefahren ist der Tod eines 54-jährigen Hamburgers, der am Sonnabend bei einem Sturz am Tinsdaler Kirchenweg ums Leben gekommen ist. Der Mann war auf einem besonders schnellen S-Pedelec unterwegs. S steht dabei für Speed. Diese Form der Pedelecs ist bis zu 45 Kilometer pro Stunde schnell, benötigt Kennzeichen und Versicherung. Zudem besteht Helmpflicht. Der Mann stürzte, möglicherweise ist er über eine Rattenfalle gefahren, die Polizisten am Unfallort fanden.

Pedelecs sind 25 Stundenkilometer schnell

Die schnelle Variante ist selten, etwa acht Prozent des elektrifizierten Zweiradbestandes sind S-Pedelecs, 90 Prozent sind normale Pedelecs, die mit bis zu 25 Kilometern pro Stunde unterwegs sein. Lediglich zwei Prozent sind richtige E-Bikes, die auch ohne zu treten mit einem Dreh am Gasgriff bewegt werden.

Doch schon die „zahme“ Pedelec-Variante bringt viele Fahrer schnell an ihre Grenzen. „Besonders gefährlich sind Pedelecs als Geschenk von Kindern oder Enkeln an ältere Wiedereinsteiger. Die erste Fahrt von Oma Müller endet oft im Graben“, weiß Dietmar Benz, Präsident der Verkehrswacht Schleswig-Holstein. Der Polizist und Verkehrssicherheitsexperte war jetzt auf Einladung von Peter Kyrieleis, Leiter der TSV-Radwanderabteilung, in Schwarzenbek. Der 60-Jährige gab knapp 20 Radwanderern zunächst theoretische Tips für den Umgang mit Pedelecs, dann ging es auf einen Parcours auf dem Parkplatz des Gymnasiums an der Buschkoppel für praktische Übungen.

Übung ist für die Sicherheit wichtig

„Es gibt wenig Regeln beim Fahren mit dem Pedelec. Klar, dass der Radweg zu benutzen ist und ein Helm absolut empfehlenswerten ist. Wichtig ist aber Übung. Es ist besser, stehen zu bleiben, als auf die Vorfahrt zu pochen. Und es ist immer sinnvoll, bei unklaren Situationen langsam zu fahren oder abzusteigen“, mahnt der Experte.

„Unsere Radwanderer sind 60plus und haben praktisch alle ein Pedelec. Wir sind geübte Radfahrer, trotzdem können zusätzliche Übungen und Tipps nicht schaden“, sagt Peter Kyrieleis, der Benz zu dem Seminar eingeladen hatte.

Oft wird das Tempo unterschätzt. Ein Pedelec unterstützt die Pedalkraft des Radlers mit einer Leistung von maximal 250 Watt. Hinzu kommen die 80 bis 150 Watt, die auch ein Radfahrer fortgeschrittenen Alters schafft. Damit ergibt sich eine Gesamtleistung von weit über 300 Watt – so viel schafft sonst nur ein geübter Rennradfahrer. „Klar, dass dann die Tour schnell im Graben endet, wenn ein Anfänger bei voller Motorunterstützung beim Aufsteigen beherzt in die Pedale tritt. Aber auch so sind die Pedelec-Fahrer oft zu schnell unterwegs. 25 Stundenkilometer sind auf einem Geh- und Radweg in einer Ortschaft einfach zu viel“, sagt Benz.

Bremsweg ist länger als beim normalen Fahrrad

Auch beim Bremsen werde viel falsch gemacht, ergänzt Peter Kyrieleis. „Anfänger lassen in einer Gefahrensituation die Bremsen schleifen, anstatt die Hebel voll anzuziehen. Das verlängert den Bremsweg unnötig“, so der Schwarzenbeker. Denn wegen des hohen Gewichts (durch Akkus und Motor) und der Geschwindigkeit ist der Bresmweg eines Pedelecs bis zu dreimal länger als bei einem normalen Fahrrad.

Infos zu Pedelec-Kursen gibt es bei der Verkehrswacht unter Telefon (04 31) 1 73 33.

Höheres Todesrisiko auf dem Pedelec

Unter den geschätzt 77 Millionen Fahrrädern in Deutschland sind nach der Studie des Bundesverkehrsministeriums bislang vier Millionen Pedelecs – also gut fünf Prozent. Der Anteil der getöteten Pedelec-Fahrer an allen tödlich verunglückten Radlern beträgt aber fast 18 Prozent. Allein von Januar bis Ende Oktober 2018 ist die Zahl der tödlichen Unfälle mit elektrischen Fahrrädern nach der offiziellen Statistik bundesweit um fast 30 Prozent auf 83 gestiegen.

Hauptunfallursache ist das hohe Tempo. „Es sind nicht die bösen Autofahrer schuld. In den meisten Fällen sind Pedelec-Fahrer bei Unfällen allein beteiligt“, weiß Dietmar Benz, Präsident der Verkehrswacht Schleswig-Holstein. In Schleswig-Holstein gab es 2018 584 Unfälle mit Pedelecs. Eine Steigerung um 55 Prozent gegenüber 2017, so Benz. Fast alle Radler wurden bei den Stürzen und Zusammenstößen verletzt, einer kam ums Leben. Die meisten Beteiligten waren zwischen 35 und 65 Jahren alt, viele sind auch ältere „Wiedereinsteiger“.