Grund- und Gemeinschaftsschule

Gemeinschaftsschule: Unbequemer Rektor sagt Tschüs

Der scheidende Andreas Hartung im Kreis seiner Schulleiter-Kolleginnen Birgit Roschlaub (Gymnasium), Viola Hüfner (Förderzentrum Centa-Wulf-Schule) und Liane Maier (Verbandsschule Nordost, v.l.).

Der scheidende Andreas Hartung im Kreis seiner Schulleiter-Kolleginnen Birgit Roschlaub (Gymnasium), Viola Hüfner (Förderzentrum Centa-Wulf-Schule) und Liane Maier (Verbandsschule Nordost, v.l.).

Foto: Marcus Jürgensen

Schwarzenbek. 14 Jahre hat Andreas Hartung für die Belange seiner Schüler gekämpft. Jetzt geht der Gemeinschaftsschul-Rektor in den Ruhestand.

Schwarzenbek.  Am Gymnasium an der Berliner Straße machte Andreas Hartung vor 45 Jahren sein Abitur, studierte Chemie und Biologie auf Lehramt, um dann vor 14 Jahren als Schulleiter an die Realschule, heute Grund- und Gemeinschaftsschule, zurückzukehren – als Lehrer für Mathe, Sport und Informatik.

„Der berufliche Werdegang ist beachtlich und ich habe die Personalakte noch mal mit Begeisterung gelesen“, lobte Schulrätin Katrin Thomas den Pädagogen, für den mit seiner feierlichen Verabschiedung im Forum der Gemeinschaftsschule gestern der Ruhestand begann.

Nicht immer einfacher Gesprächspartner

Im Schwarzenbeker Rathaus mag der eine oder andere diesen Tag herbeigesehnt haben, denn Hartung war ein unbequemer Gesprächspartner, der sich unnachgiebig für seine Schule einsetzte. „Sie haben viel bewegt und Bewegung eingefordert. Gegenüber der Stadt waren sie ein nicht immer einfacher Gesprächspartner“, umschrieb Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig das Verhältnis.

Von der Stabsstelle zum Schulleiter

Doch Hartung wusste, wovon er sprach und warum er etwas forderte: Nach dem Zweiten Staatsexamen hielt es ihn nur wenige Jahre im Schuldienst, dann wechselte er an die Volkshochschule Ahrensburg, wo er unter anderem problematische Jugendliche auf ihrem Weg zum Schulabschluss begleitete und stellvertretender VHS-Leiter
wurde. Auch die Stadt Ahrensburg baute auf Hartungs Managerqualitäten und holte ihn 1996 als Leiter der Stabstelle für die Verwaltungsreform ins Rathaus. Nebenbei arbeitete Hartung noch als EDV-Dozent und machte die Trainerlizenz im Handball. 2001 ging er zurück in den Schuldienst, zunächst nach Aumühle, ehe er 2005 die Realschule in Schwarzenbek von seinem Vorgänger Curt Colberg übernahm.

Inklusion braucht einen langen Atem

„Wir waren so beflügelt von unseren Schulbesuchen in Skandinavien“, erinnerte sich Schulrätin Thomas an diese Zeit sowie an gemeinsame Exkursionen, bei denen beide erlebten, wie Inklusion in Schweden und Dänemark funktioniert.

Die damit verbundene Umstellung und das anderer Rollenverständnis eines Lehrers sei aber nicht allein mit einer Gesetzesänderung vollzogen, so Thomas: „Es bedarf eines langen Atems.“

Keinen Schüler verloren geben

Sie habe aber aber auch erlebt, wie Hartungs Kampf gegen Windmühlenflügel ihn zunehmend erschöpfte: „Ich habe sie als Visionär erlebt, der keinen Schüler verloren geben wollte, der hinter jedem Verwaltungsvorgang den Menschen sah“, so Thomas.

Ähnlich wohlwollend verabschiedeten die Schüler ihren Schulleiter. Sie boten Tanzeinlagen zur Musik von Bon Jovi – eine Lieblingsband Hartungs – Loriot-Sketche und brachten eine Sonderausgabe der Schülerzeitung heraus.

31 Lehrer sagen kreisweit Adieu

Kreisweit gehen zum Schuljahresende 20 Lehrer im Kreisgebiet in den Ruhestand, elf weitere haben ihren Schulen schon im laufenden Jahr „Tschüs“ gesagt. In der vergangenen Woche wurden sie von Schulrätin Thomas und Landrat Christoph Mager verabschiedet. Mager erinnerte an viele Veränderungen, die die Pensionäre im Laufe ihres Berufsleben erfahren haben: Rechtschreibreform, Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystem, Inklusion, Schulsozialarbeit und DaZ-Klassen.

Neben Hartung gingen an der Gemeinschaftsschule Barbara Schicke und Karin Peters ebenso in den Ruhestand wie Heike Deutschmann (Centa-Wulf-Schule) und Uta Spielmann (Schule Nordost).