Rollkopf

Dieses Werkzeug aus dem 3D-Drucker denkt mit

David Szillat, Leiter der Bereiche Rollsysteme und globale Segmente bei LMT Tools, mit dem neuen Evoline Tangential-Rollkopf, der im 3D-Druck erstellt wird und mit einem Chip ausgestattet ist.

David Szillat, Leiter der Bereiche Rollsysteme und globale Segmente bei LMT Tools, mit dem neuen Evoline Tangential-Rollkopf, der im 3D-Druck erstellt wird und mit einem Chip ausgestattet ist.

Foto: Marcus Jürgensen

Schwarzenbek. Innovation bei Werkzeughersteller LMT Tools: Teile des neuen Rollkopfes kommen aus dem 3D-Drucker und enthalten einen Chip.

Schwarzenbek.  „Raten Sie mal, aus welchem Material dieses Werkzeug ist“, sagt David Szillat, Leiter der Abteilung Produktsegmente des Werkzeugherstellers LMT Tools. Aus einem Kunststoffkoffer holt Szillat den in Schaumstoff gepolsterten grauen Tangential-Rollkopf – ein Spezialwerkzeug für die Metallbearbeitung – hervor. Er erläutert stolz, dass die beiden Scharniere des Werkzeugs aus dem 3 D-Drucker stammen. Dennoch sind sie aus Metall: In einem speziellen Laserschmelzverfahren werden sie Schicht für Schicht aus Metallpulver „gedruckt“.

Rollköpfe müssen belastbarer werden

„Neue Materialien von Bauteilen unserer Kunden können unsere Rollköpfe an ihre Belastungsgrenze bringen. Mit dem 3 D-Druck können wir sie nun ganz neu designen“, erläutert Szillat. Gezielt werden beim Drucken Bereiche des Werkzeugs, die hohen Belastungen ausgesetzt sind, durch mehr Material verstärkt. Auch andere Radien oder gebogene Kanäle für Spül- und Kühlwasser sind im Druckverfahren möglich.

Gedruckt wird nicht bei LMT Tools, sondern einem Partner. Die Entwicklung des Werkzeugs findet hingegen komplett an der Grabauer Straße statt.

Erste Entwicklungen in den 1950er-Jahren

Der Werkzeughersteller war in den 1950er-Jahren Erfinder des Axial-Rollkopfs, brachte dann auch Tangential- und Radialköpfe auf den Markt, mit denen Gewinde in Metall entstehen. Hauptabnehmer ist die Automobilindustrie für den Motorenbau. Damit diese bei steigender Leistung immer kompakter gebaut werden können, kommen hochfeste Materialien zum Einsatz, für die das Rollsystem optimiert wurde. Er ist jetzt um das 1,5-fache bruchfester als die bisherige Generation der sogenannten Tangential-Rollköpfe.

Entwickelt wurde das Werkzeug nach Vorgaben der Kunden im den Kompetenzzentren („Center of Competence“) des Unternehmens. Vier derartige Zentren, an denen Expertenteams kontinuierlich an neuen Technologien feilen, gibt es weltweit: In China, Indien, den USA und Deutschland. Das deutsche Kompetenzzentrum, angesiedelt in Schwarzenbek und bei LMT Kieninger in Lahr, ist neben Europa auch für Afrika und den Mittleren Osten zuständig.

„Kundenindividuelle Lösungen können so noch schneller entwickelt und bereitgestellt werden“, so Marketing-Leiter Norman Winter.

Chip kommuniziert bald mit der Maschine

Doch die höhere Bruchfestigkeit ist längst nicht die einzige Innovation: Im Werkzeug stecken ein Sensor und ein Chip, der per Bluetooth-Verbindung ausgelesen werden kann. Ähnlich wie der Fehlerspeicher im Auto kann ein LMT-Techniker den Chip auslesen und die Fertigung gemeinsam mit dem Kunden optimieren. Doch das ist noch nicht alles: Künftig soll der Chip des Rollkopfes direkt mit der Maschine kommunizieren, in der er eingesetzt ist. Was fehlt ist ein Standard für die Datenübermittlung.

Ein Patent hat LMT Tools für die einzigartige Stromversorgung des Chips angemeldet: Der Akku lädt sich mittels Magneten per Induktionsverfahren durch die Rotation der Zahnräder im Rollkopf selber auf. Szillat: „Ich kenne kein vergleichbares Werkzeug, das seine Energie selber erzeugt.“

LMT Tools

Im Jahr 1908 hatte Wilhelm Fette in Hamburg Altona die gleichnamige Firma gegründet, acht Jahre später die ersten Wälzfräser für die Zahnradherstellung produziert. Im Jahr 1952 zog der Betrieb an die Grabauer Straße in Schwarzenbek um. Heute heißt die Firma LMT Tools und ist Bestandteil der LMT Group mit Sitz in Schwarzenbek. Die Werkzeugsparte beschäftigt an fünf Standorten in Frankreich, Indien, USA sowie Deutschland (Schwarzenbek und Lahr), vier Kompetenzzentren und zwölf Vertriebs- und Servicestandorten mehr als 1200 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz liegt bei mehr als 200 Millionen Euro. Chef des Werkzeugproduzenten ist Daniel Ehmans, der zugleich Co-Geschäftsführer der gesamten LMT-Group ist.