Freikirche

Ein neues Zuhause für junge Mütter in Not

Britta Manzke und Andreas Hartung vor dem Neubau des Mutter-Kind-Hauses an der Hamburger Straße.

Britta Manzke und Andreas Hartung vor dem Neubau des Mutter-Kind-Hauses an der Hamburger Straße.

Foto: Marcus Jürgensen

Schwarzenbek. Sieben Jahre gibt es das Mutter-Kind-Haus in Schwarzenbek. Zum Geburtstag der Freikirche wird ein größerer Neubau eingeweiht.

Schwarzenbek.  „Es gibt drei Dinge, die unsere Gemeinde auszeichnen“, sagt Andreas Hartung, Pastor der Freien Evangelischen Gemeinde an der Hamburger Straße 9: „Das sind Gastfreundlichkeit, ein großes Herz für sozial Schwache und viel Liebe für Kinder.“ Da lag es nahe, dass die Gemeinde vor sieben Jahren die Mietwohnungen in ihrem Gemeindehaus in ein Mutter-Kind-Heim umwandelte – das erste im Kreisgebiet. Am Sonnabend, 1. Juni, feiert die Gemeinde ihr 70-jähriges Bestehen und weiht an diesem Tag auch offiziell den Neubau des Mutter-Kind-Hauses ein, der bereits im Dezember 2018 bezogen wurde (wir berichteten).

1,6 Millionen Euro investiert

Für 1.6 Millionen Euro – finanziert aus Mitteln der Stiftung Freie Evangelische Gemeinden in Norddeutschland und Spenden – wurde der Neubau mit acht Appartements für Mütter in schwierigen Lebenslagen errichtet. Das sind drei Plätze mehr als bisher. „Unser Klientel hat sich gewandelt – von jugendlichen Müttern hin zu Frauen mit einer sie belastenden Vergangenheit“, sagt MuKi-Haus-Leiterin Britta Manzke. Sie ist selber Mitglied der Freien Evangelischen Gemeinde, wohnte als Kind sogar in einer der vier Wohnungen des 1970 eingeweihten Kirchengebäudes. Die Räume werden derzeit umgebaut: In die Wohnungen sollen dann Mütter einziehen, deren Betreuungsbedarf nicht mehr so groß ist, aber auch ein behindertes Paar hat bereits Interesse signalisiert.

Christliches Haus für junge Mütter

Britta Manzke wurde vor sieben Jahren zur Gemeinde-Ältesten gewählt und hatte damals den Vorschlag gemacht, die leerstehenden Wohnungen in ein Mutter-Kind-Haus umzuwandeln. „Alle haben zugestimmt“, erinnert sich die Leiterin des MuKi-Hauses und sagt: „Ich ziehe den Hut vor meiner Gemeinde, die ich als Jugendliche als sehr konservativ erlebt habe. Dieselben Menschen haben die Frauen hier sehr herzlichen aufgenommen, unterstützen unsere Arbeit, wo sie nur können. Ohne Gemeinde wäre das Mutter-Kind-Haus nicht denkbar.“

„Wir sind ein christliches Haus“, sagt Manzke, gleichwohl sei es den Mütter freigestellt, die Gottesdienste zu besuchen. Dass sie es dennoch tun, liegt auch an Andreas Hartung, der seit 2010 Pastor der Gemeinde ist und seit einem Jahr mit einer halben Stelle auch als Seelsorger im MuKi-Haus tätig ist.

Pastor hört sich Lebensgeschichten an

„Ich höre mir ihre Lebensgeschichte an, leite das Elterncafé, zu dem auch Frauen aus der Nachbarschaft kommen, vermittele Termine bei der Schuldnerberatung und helfe, die Unterlagen dafür bereit zu stellen“, beschreibt Hartung seine Aufgaben. Von der Einrichtung profitieren jedoch nicht nur die Mütter – aktuell leben acht Frauen mit elf Kindern im Haus – sondern auch die Gemeinde selbst: „Das hat viel frischen Wind gebracht und tut der Gemeinde gut.“ Das belegt auch die Zahl der Gottesdienstbesucher: Etwa 60 zählt Hartung an den Sonntagen, eingetragene Mitglieder hat die Gemeinde aber nur etwas mehr als 30.

Von Flüchtlingen gegründet

Gegründet wurde die Freie Evangelische Gemeinde 1949 von Flüchtlingen. In den ehemaligen deutschen Ostgebieten spielten neben der evangelisch-lutherischen Kirche Freikirchen wie die Baptisten eine größere Rolle. Im Westen angekommen, schlossen sich ihnen auch lutherische Christen an. Von Hamburg aus betreuten die dortigen Gemeinde am Holstenwall zunächst sogenannte Stationen im Sachsenwaldkreis.

„Es war ein Zufallstreffen im Zug“, sagt Hartung: Ein Freikirchler aus Bergedorf regte die Flüchtlinge zur Gründung einer eigenen Gemeinde an. Zunächst versammelten sich die Gemeindemitglieder noch zu Hause, mieteten dann einen Versammlungsraum an der Schefestraße an. Im Jahr 1970 wurde das Gemeindehaus an der Hamburger Straße eingeweiht, hinter dem nun das neue MuKi-Haus steht.

Das Gemeindejubiläum beginnt am morgigen Sonnabend, 1. Juni, mit einem Festgottesdienst. Danach wird ab 12.30 Uhr auf dem Gelände gefeiert – mit Hüpfburg und Kinderspielen, Grill- und Getränkeständen sowie einem Artisten, der ab 14 Uhr seine Kunststücke vorführt.