Notfalldose

Die Lösung für den Notfall steht im Kühlschrank

Apothekerin Karin Witzke mit der Notfalldose.

Apothekerin Karin Witzke mit der Notfalldose.

Foto: Marcus Jürgensen

Schwarzenbek. Patienten-Infos in der einer Plastikbox: das ist die Notfalldose.

Schwarzenbek.  Etwa 16.000 Notfalleinsätze gibt es im Kreis Herzogtum Lauenburg jedes Jahr. Wenn die Patienten aber allein leben und kein Partner oder Angehöriger Hinweise gibt, kann es zu Problemen kommen: Wer ist der Patient? Welche Vorerkrankungen oder Allergien hat er? Gibt es eine Patientenverfügung? Auf der Suche nach Dokumenten mit solchen Angaben geht wertvolle Zeit verloren. Eine einfache Lösung: der Kühlschrank.

Die Dose gehört in den Kühlschrank

Denn dort soll sie stehen – griffbereit in der Tür oberhalb der Milch- und Getränkeflaschen: die Notfalldose. Warum ausgerechnet im Kühlschrank? Der Grund ist einfach: „Küche und Kühlschrank sind Orte, die es in nahezu jeder Wohnung gibt und die deshalb einfach von den Rettungskräften gefunden werden können“, sagt Apothekerin Karin Witzke.

Infoblatt mit den wichtigsten Daten

Ansonsten sei die Dose selbsterklärend: In jedem Behälter sind vorab zwei Aufkleber – für Wohnungs- und Kühlschranktür – als deutliche Hinweise an die Rettungskräfte. Dazu ein Info-Notfallblatt, auf dem die Patienten neben Name, Anschrift und Krankenversicherung auch Blutgruppe, Allergien und Unverträglichkeiten sowie Krankheiten und Arzneimittel, Adressen von Hausarzt, Pflegedienst und Angehörigen sowie Hinweise darauf, ob es es Patientenverfügung oder einen Organspendeausweis gibt und wo diese zu finden sind. Witzke hatte die Notfalldose beim DHB Netzwerk Haushalt vorgestellt und gleich 50 Dosen kostenlos an die Teilnehmer der Abendveranstaltung verteilt. In ihren Apotheken (Ahorn-, Bären- und Stadtapotheke) gibt die Unternehmerin die Plastikdosen auch zum Einkaufspreis von 2,50 Euro ab.

„Notfalldose ist eine absolut sinnvolle Idee“

„Die Notfalldose ist im Rettungsdienst des Kreises durchaus bekannt. Dabei handelt es sich um eine absolut sinnvolle Idee“, lobt Adrian Knispel, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes in der Kreisverwaltung. Bei Einsätzen gerade bei bewusstseinsgetrübten oder anderweitig nicht ansprechbaren Personen ohne Hinweise von Angehörigen oder Bekannten zu Vorbefunden oder der aktuellen Medikation seien die Notfallhelfer oftmals in einer schwierigen Lage. „Wenn es in einem Haushalt solch eine Notfalldose – und natürlich den entsprechenden Hinweis an der Haustür gibt, wo sich diese befindet, können wir auch dem weiterbehandelnden Krankenhaus wertvolle Informationen zum Patienten geben. Ich befürworte daher eine Verbreitung dieser Notfall­dose in der Bevölkerung“,
sagt Knispel.

So entstand die Idee zur Dose

Die Notfalldose wird seit 2014 vom Bremer Hausnotruf-Anbieter Volbert produziert und vertrieben. „In Zusammenarbeit mit den Rettungsdiensten ist die Idee entstanden“, sagt Firmenchef Nico Volbert. Weil Rettungskräfte vor Ort immer öfter das Notrufsystem nutzten, um im Notfall die beim Anbieter hinterlegten Patientendaten zu erfragen, wurde überlegt diese Infos im Haushalt zu hinterlegen. Zunächst gab es die Dose, die auch dessen Logo trug, nur bei den Kunden des Notruf-Anbieters. Mittlerweile ist sie neutral gehalten und wird von vielen Rettungsdiensten, Sozialverbänden und Seniorenbeiräten an deren Mitglieder verteilt. Volbert: „Es ist genügend Platz in der Dose, um dort weitere Infos oder Hinweise, wo etwa der Notfallordner steht, zu hinterlegen.“

Schubladen und Schränke bleiben zu

Den Kühlschrank als Aufbewahrungsort habe er nicht nur gewählt, weil die Geräte in jedem Haushalt zu finden sind, sondern auch aus Datenschutzgründen: Durch den Aufkleber an der Tür erteilt der Wohnungsinhaber explizit seine Erlaubnis, den Kühlschrank zu öffnen. Bei Schubladen oder Schränken, von denen es im Haus mehrere gibt, wäre die Zuordnung wiederum nicht so einfach, die datenschutzrechtlichen Hürden deshalb viel höher.