Hungerhilfe

Patengemeinschaft: Das große Erbe des Adolf Klein

Im Süden Indiens unterhält die Patengemeinschaft Kinderheime und Tagesstätten, bietet Angebote für Straßenkinder sowie Aus- und Weiterbildungsangebote für Mädchen und Frauen an.

Im Süden Indiens unterhält die Patengemeinschaft Kinderheime und Tagesstätten, bietet Angebote für Straßenkinder sowie Aus- und Weiterbildungsangebote für Mädchen und Frauen an.

Foto: Patengemeinschaft Sahms / Patengemeinschaft

Sahms/Mölln. Vor 50 Jahren wurde die Patengemeinschaft für hungernde Kinder ins Vereinsregister eingetragen.

Sahms/Mölln.  Sein Ziel war einfach: Adolf Klein, Briefbote in Sahms, wollte armen Kinder in Südindien helfen und gründete 1965 die Patengemeinschaft Sahms. Im ersten Jahr sammelte er 3400 D-Mark an Spenden. Könnte der 1994 verstorbene Klein sehen, was aus seinem Verein, der heute „Patengemeinschaft für hungernde Kinder“ heißt und als einer von ganz wenigen Organisationen im Kreis das DZI-Spendensiegel besitzt, würde er staunen: Rund eine halbe Million Euro Spendengelder sind es heute Jahr für Jahr.

Hilfe für Familien im Süden Indiens

Damit werden in den südindischen Bundesstaaten Kerala und Tamil Nadu in zur Zeit 28 Kinderheimen, Schulen und Tageskindergärten und, wo es möglich ist, direkt in ihren Familien etwa 1600 Kinder betreut. Ziel ist der Schulbesuch, ordentliche Kleidung, gesundheitliche Vorsorge, eine gute Ernährung und Betreuung, sowie die Begleitung während der Berufsausbildung. Der Verein betreibt zudem Ausbildungszentren sowie eine Orthopädieklinik in Mylaudy, an der auch Ärzte aus Bergedorf ehrenamtlich junge Patienten versorgen.

Paten feiern das Jubiläum in Mölln

Vor 50 Jahren, am 3. Juni 1969, wurde der Verein im Amtsgericht Schwarzenbek ins Vereinsregister eingetragen und vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt. An diesem Sonnabend lädt die Patengemeinschaft Paten, Mitglieder und sonstige Unterstützer zur Jubiläumsfeier in den Möllner Quellenhof, Hindenburgstraße 16, ein. Um 15 Uhr werden auch Mitarbeiter der Patengemeinschaft aus Indien mitfeiern und den Gästen hautnah über ihre dortige Arbeit berichten.

„Papa Klein“ war unermüdlich

Es war wohl ein Fernsehbericht, der Adolf Klein animierte, im Jahr 1964 das erste Mal nach Indien zu reisen. Dort angekommen war er überwältigt von dem Hilfsbedarf der Kinder. Er übernahm sofort die Patenschaft eines kleinen Jungen in einem Heim in Madras. Aus diesen Erfahrungen entwickelte sich ein großes Engagement für die Kinder in Südindien. Unermüdlich – zu Fuß oder mit dem Fahrrad – informierte „Papa Klein“ im Umkreis von Schwarzenbek über den Verein, warb Paten und sammelte Gelder. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda ging der Ruf der Patengemeinschaft in alle Teile Deutschlands aus. Um den Verein von Sahms aus zu verwalten und auch um indischen Mitarbeitern Deutschland nahezubringen, waren immer wieder und über lange Zeiträume hinweg junge Inder in den 1980er-Jahren in Sahms zu Gast. Sie wurden ein Teil der Klein-Familie und sind bis heute steter Bestandteil der Patengemeinschaft.

„Wir bewegen eine ganze Menge“

Und auch jetzt – nach 50 Jahren – ist der Verein weiterhin frisch und aktiv: „Wir unterstützen über 700 Kinder in Heimen, wovon einige Heime direkt durch die Patengemeinschaft betrieben werden“, sagt die heutige Vorsitzende Ulrike Lorenzen. Zudem erhalten etwa 250 sehr arme Familien oder alleinerziehende Mütter direkte Familienhilfe und der Verein unterstützt zusätzlich rund 160 junge Menschen in ihrer Ausbildung. „Die Patengemeinschaft ist einerseits ein kleiner, sehr bodenständiger Verein mit vielen persönlichen Bindungen, andererseits bewegen wir eine ganze Menge. Das ist wunderbar. Wir können für die einzelnen Menschen so viel verändern“, so Lorenzen.

Ziegen und Kühe für Indiens Ureinwohner

Das Spektrum des Vereins umfasst heute neben der Unterbringung und Betreuung von Kindern in Heimen und Tagesstätten auch Hilfsgüter wie Schulbusse oder Rollstühle bis hin zu Ziegen und Kühen für die Milchproduktion für Adivasi-Familien (indische Ureinwohner), Angebote für Straßenkinder sowie spezielle Aus- und Weiterbildungsangebote für Frauen und Mädchen. Neben Spenden für diese Projekte gibt es nach wie vor die Möglichkeit, für Kinder (30 Euro/Monat) oder Familien (mindestens 35 Euro/Monat) Patenschaften zu übernehmen.