Scheunenbrände

Ermittlungsgruppe untersucht erneut alles Brandorte

Wegen der auffälligen Häufung von Bränden unter anderem in Wiershop, Havekost, Kählsdorf bei Berkenthin und Möhnsen hat die Polizei hat eine Ermittlungsgruppe eingesetzt.

Wegen der auffälligen Häufung von Bränden unter anderem in Wiershop, Havekost, Kählsdorf bei Berkenthin und Möhnsen hat die Polizei hat eine Ermittlungsgruppe eingesetzt.

Foto: Timo Jann

Schwarzenbek. 15 Brände seit dem vergangenen November. Die Polizei ermittelt bei der Mehrzahl der Fälle wegen Brandstiftung.

Schwarzenbek. Mit einer eigens eingerichteten Ermittlungsgruppe will die Polizeidirektion die Reihe von Bränden an Scheunen und Stallgebäuden im Kreis endlich auflösen. Und es scheint, als habe sie damit zumindest eine abschreckende Wirkung erzielt. An den beiden vergangenen Wochenenden hatte es keine neuen Feuer gegeben. Vor einer Woche stand tagsüber in Wiershop (s. Grafik) noch eine Scheune in Flammen. Mögliche Zusammenhänge werden durch die Beamten geprüft.

Hat ein Täter alle Feuer gelegt?

Dabei stellen sich zwei Fragen: Ist für die 15 Brände ein Täter oder eine Tätergruppe verantwortlich und weichen diese nun wegen der Polizeipräsenz an den Wochenenden auf andere Tage aus? Auch in Schnakenbek hatte es am Mittwoch, 27. März, tagsüber auf einem Bauernhof ein Großfeuer gegeben. Wie berichtet, gibt es seit November 2018 eine auffällige Häufung von Bränden im Kreisgebiet. Meistens waren landwirtschaftliche Betriebe auf einer Achse zwischen Havekost und Rondeshagen betroffen. Überwiegend brannte es am Wochenende oder an Feiertagen nachts zwischen 22 und 2 Uhr. „Die genauen Brandursachen sind nur sehr schwer bis gar nicht feststellbar. Bei einigen Feuern vermuten wir einen technischen Defekt. In den überwiegenden Fällen gehen wir von Brandstiftung aus“, erklärt Sandra Kilian, Sprecherin
der Polizeidirektion in Ratzeburg.

Polizei sucht nach weiteren Hinweisen

Um alle Einsätze noch einmal neu zu bewerten, hatten die Ermittler in der vergangenen Woche die Brandorte erneut aufgesucht. „Es wurden zahlreiche informative Gespräche mit den Anwohner und den Geschädigten geführt“, so Kilian. Die daraus gewonnenen neuen Eindrücke und Erkenntnisse werde man nun neu bewerten. Hintergrund: Die Beamten der Ermittlungsgruppe waren an der ursprünglichen Aufnahme der Brände bis auf einen Fall nicht beteiligt. „Es ist jedoch wichtig, dass sich auch diese Ermittler ein eigenes Bild von den Brandorten und Brandverläufen machen, um alle nur denkbaren Ermittlungsansätze ausfindig machen zu können“, begründet Kilian die zweite Tatortbegehung.

Gesucht wird ein schwarzer Kleinwagen

Details ihrer Erkenntnisse gibt die Polizei nicht bekannt. „Wir wollen unsere Arbeit transparent darstellen. Aber ohne, dass wir die Ermittlungen dadurch gefährden. Wir wollen weitere Brände verhindern. Aber auch den oder die Brandstifter ermitteln. Das sind teilweise sich widersprechende Ziele, die wir irgendwie unter einen Hut bringen müssen“, sagt Kilian.

Die Polizisten nutzen für die Ermittlungsarbeit verstärkt soziale Netzwerke, um an weitere Hinweise zu gelangen. So wird nach einem Brand am 1. Mai um 0.40 Uhr in Koberg ein schwarzer Kleinwagen mit runden, auffällig vergilbten Frontscheinwerfern gesucht. Das Auto war beim Brand des Strohlagers auf einem Bauernhof aufgefallen. Mit weiteren konkreten Fragen haben sich die Beamten bisher nicht an die Öffentlichkeit gewandt.

Zahlreiche Tiere starben in den Flammen

Spätestens seit einem Feueralarm auf einem Bauernhof in Möhnsen am 23. März dürfte die Polizei über Spuren eines Brandstifters verfügen. Dort hatte ein Hund angeschlagen. Das an mehreren Stellen gelegte Feuer konnte gelöscht werden. An anderen Brandorten entstand an den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden meistens Totalschaden. Wie in Mühlenrade, wo am 10. Januar ein Anwesen komplett niederbrannte. Zahlreiche Tiere kamen in den Flammen um. Es ist der bisher verheerendste Brand der Reihe.

Polizei fährt verstärkt Streife

Von einer Serie mag die Polizei dennoch nicht sprechen, weil es bisher keine belegbaren Zusammenhänge gibt. Und so ist es für die Ermittler auch schwierig, Ansätze zu finden, ob sie nach einem oder mehreren Tätern suchen. Zudem tauschen sich die Ermittler aus dem Lauenburgischen derzeit mit den Kollegen im Kreis Ostholstein aus: Auch dort gibt es eine auffällige Häufung von Großbränden. Die Zahl der Beamten in der Ermittlungsgruppe wird je nach Bedarf von derzeit fünf aufgestockt. „Wir reagieren damit spontan auf die anfallende Arbeit, ohne dass die unterstützenden Kollegen der Ermittlungsgruppe zugeordnet wären“, sagt Kilian. An den Wochenenden sind zudem verstärkt Streifen im Einsatz.