Stadtbücherei

Zu wenig Personal – Öffnungszeiten eingeschränkt

Patricia Fasheh ist seit 2017 Leiterin der Stadtbücherei Schwarzenbek. Für das Konzept einer modernen Bücherei als Treffpunkt fehlt ihr Personal.

Patricia Fasheh ist seit 2017 Leiterin der Stadtbücherei Schwarzenbek. Für das Konzept einer modernen Bücherei als Treffpunkt fehlt ihr Personal.

Foto: BGZ

Schwarzenbek. Die Überstunden wurden einfach zu viel. Jetzt hat die Stadt die Reißleine gezogen und schließt die Bücherei samstags.

Schwarzenbek.  Die Stadtbücherei ist ein Opfer ihres eigenen Erfolgs: Leiterin Patricia Fasheh hat die Bibliothek konsequent in einen Ort der Begegnung und der Bildung umgebaut. Zahlreiche Veranstaltungen, Vorträge und Aktionen locken rund 70.000 Besucher im Jahr in die Bücherei im Erdgeschoss des Rathauses. Doch das hat zur Folge, dass viele Überstunden bei den sieben Mitarbeiterinnen angefallen sind. Die Konsequenz: Die Stadtbücherei bleibt bis auf Weiteres sonnabends geschlossen (wir berichteten).

Sonnabends fallen automatisch Überstunden an

„Die Dienstpläne sind sehr kompliziert, weil alle Mitarbeiterinnen unterschiedliche Stundenzahlen haben. Alle sind Teilzeitkräfte. Die Arbeitszeit ist an den fünf Werktagen von Montag bis Freitag aufgebraucht. Der Sonnabend ist als Arbeitstag nicht vorgesehen. Deshalb fallen sonnabends automatisch Überstunden an, wenn dann auch geöffnet ist“, erläutert Fachbereichsleiterin Kathrin Kipke das Problem.

Das war schon immer so. Trotzdem hatte die Bücherei seit Jahrzehnten sonnabends geöffnet, weil viele Nutzer den Wochenmarktbummel mit einem Besuch der Stadtbücherei verbinden und der Andrang an diesem Tag besonders groß ist. Außerdem nutzen Berufstätige gerne den Sonnabend zum Ausleihen von Büchern, Spielen und DVDs.

Bislang ließen sich die Überstunden der Mitarbeiterinnen in der Woche „abbummeln“. Das funktioniert seit einiger Zeit aber nicht mehr, weil eine Vollzeitkraft ihre Arbeitszeit reduziert hat und durch die Ausweitung des Veranstaltungsangebots und der Öffnung der Bücherei als Treffpunkt und interkulturelle Begegnungsstätte mehr Arbeit anfällt.

Bücherei muss ein Treffpunkt sein

„Die Funktion als Treffpunkt und die Veranstaltungen sind wesentliche Punkte einer modernen Bücherei. Das spiegelt sich bei der aktuellen Personalstärke aber nicht wider“, machte Kipke im Hauptausschuss deutlich. „Wir sind am Limit“, ergänzte Büchereileiterin Patricia Fasheh.

Die Politiker müssen jetzt entscheiden, wie sie mit dem Problem umgehen. An einer zusätzlichen Stelle dürfte allerdings kein Weg vorbei führen. Diese Entscheidung hat der Hauptausschuss jetzt an den Sozial- und Kulturausschuss delegiert, der für die Bücherei zuständig ist. „Wenn wir die Bücherei sonnabends wieder öffnen wollen, dann brauchen wir eine Stelle mehr“, so das Fazit von SPD-Fraktionschef Maik Picker.

187 Veranstaltungen im Jahr

Das Leistungsspektrum der Bücherei ist beachtlich: 70.506 Besucher kamen im vergangen Jahr, sie liehen 105.636 Medien aus. Dazu gab es 187 Veranstaltungen vom Vortrag über Spiele-Nachmittage bis hin zu Workshops zum Klimaschutz. Diese Bilanz hatte die stellvertretende Büchereileiterin Stephanie Rathje kürzlich im Sozial- und Kulturausschuss vorgelegt. In diesem Jahr steht eine Renovierung der Bücherei an. Es soll neue, rollbare Regale und besseres Licht geben. Außerdem wird erstmals ein Azubi in der Bücherei zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste ausgebildet.