Pflanzzeit

Insektenschutz fängt im eigenen Garten an

Hagebau-Marktleiter Sven Buse und seine Mitarbeiterinnen Kathleen Länger (l.) und Manuela Finck spüren eine zunehmende Nachfrage nach insektenfreundlichen Pflanzen und Sämereien.

Hagebau-Marktleiter Sven Buse und seine Mitarbeiterinnen Kathleen Länger (l.) und Manuela Finck spüren eine zunehmende Nachfrage nach insektenfreundlichen Pflanzen und Sämereien.

Foto: Marcus Jürgensen

Schwarzenbek. Das Insektensterben hat Gartenbesitzer alarmiert: In Gartencentern werden immer mehr bienenfreundlichen Gewächse angeboten.

Schwarzenbek.  Frühjahr ist Gartensaison: In Baumärkten und Gartencentern herrscht jetzt Hochbetrieb. Doch etwas ist anders als in den vergangenen Jahren: Viele Sämereien tragen mittlerweile das „Bienenfreundlich“-Logo auf der Verpackung.

„Wir haben insektenfreundliche Pflanzen und Sämereien nicht erst seit den Schlagzeilen des vergangenen Jahres über das Insektensterben im Angebot“, sagt Hagebau-Marktleiter Sven Buse und ergänzt: „Die Nachfrage hat aber zugenommen.“

Sämereien mit „Bienenfreundlich-Logo“

Rund die Hälfte der Sämereien tragen im Hagebau-Markt am Hans-Koch-Ring das Logo mit der Biene. „Früher waren beim Auto noch massenhaft Insekten auf der Windschutzscheibe“, sagt ein Kunde. Ein Indiz für viele Insekten. Er suche nun nach Blumensamen, die Nahrung für Insekten bieten.

„Wir beraten mittlerweile auch viele Kunden, die sich statt einer grünen Lebensbaumhecke lieber ein blühendes Staudenbeet anlegen wollen – obwohl es mehr Arbeit macht“, sagt Gartencenter-Mitarbeiterin Kathleen Länger.

Blühende Stauden statt Thuja-Hecke

Denen empfiehlt sie etwa die Glockenblume, die es mit weißen und blauen Blüten gibt, oder den Phlox, der in vielen Farben blüht, aber auch Schopflavendel, Akelei, Rosen, Margeriten und sogar Kräuter wie Rosmarin, Thymian oder Lavendel.

Länger: „Wichtig ist, dass die Insekten die Pollen einfach erreichen können.“ Gefüllte Blüten wie sie viele Hybrid-Sorten bieten, sind zwar schön anzuschauen, aber für Insekten untauglich. Auch bei Pflanzenbekämpfungsmitteln bietet der Markt ökologische Alternativen an.

„Wir haben außerdem das Herbizid Glyphosat aus dem Programm genommen“, sagt Buse. Während die Krebsgefahr bei Menschen noch ungeklärt sei, schädige es hingegen die Darmflora der Bienen und trage so mit zum Insektensterben bei.

Auch „Kätzchen“ bieten Insekten Nahrung

Doch nicht nur Blumen bieten Insekten Nahrung, sondern auch Obstbäume und Gehölze. Besonders bienenfreundliche Gehölze hat auch Blumen Scheumann an der Gülzower Straße im Programm: Neben den Blüten der Prunkspiere und des Duftflieders sind auch die „Kätzchen“ der Weiden im Frühjahr ein wichtiger Pollenspender.

BUND verlost drei Insektenburgen

Drei Viertel aller Wildbienenarten brüten nicht in Bienenkörben oder alten Baumstämmen, sondern im Boden. Im Vorgarten von Hans-Heinrich Stamer, Kreissprecher des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), in Kuddewörde brummt und summt es, nachdem der Ingenieur im vergangenen Jahr dort eine „Insektenburg“ angelegt hat.

Die Richtung Süden ausgerichtete Sanddüne bietet den in der Erde brütenden Insekten beste Bedingungen, zumal die Rückseite der drei Mal drei Meter großen Anlage mit Wildblumen – Rittersporn, Kornblumen und sogar Disteln, Lieblingspflanze einiger Schmetterlingsarten – bepflanzt ist.

Schulen können sich bewerben

Drei derartigen Insektenburgen könnten die Schulen im Kreisgebiet anlegen – und das völlig kostenfrei. Möglich macht dies die Zuwendung der Kreissparkasse: Im Wettbewerb „Gut. Für die Gemeinschaft“ wurden dem BUND 3000 Euro für die Insektenburgen zugelost.

Diesen Betrag möchte der BUND nun investieren, um an den Schulen ein praktisches Lernfeld insbesondere für den Biologieunterricht zu erschaffen und Wildbienen ein Habitat zu bieten. „Die Planung und Herstellung der Naturobjekte soll unter fachlicher Anleitung weitgehend von den Schülern und Schülerinnen selbst gemacht werden, zum Beispiel im Rahmen einer Projektwoche“, sagt Stamer.

Der „Platz an der Sonne“ braucht kaum Pflege

Die Insektenburgen brauchen einen sonnigen, etwa zwölf Quadratmeter großen Platz. Der Unterhaltungsaufwand ist minimal. Zudem bietet der BUND den Schulen eine Anleitung zur kostenfreien Pflege an. Der Zuschlag für die Insektenburgen erfolgt nach dem Windhundprinzip. Rückfragen und Bewerbungen richten die Schulen bitte per E-Mail an Hans-Heinrich.Stamer@bund-rz.de.