Integration

Flüchtlinge begeistern im Nabucco-Gefangenenchor

Flüchtling Abadi Attalay (23) aus Brunstorf spielt in Nabucco mit. Karin Wecke-Meyer aus Dassendorf betreut ihn im Flüchtlingskreis Börnsen.

Flüchtling Abadi Attalay (23) aus Brunstorf spielt in Nabucco mit. Karin Wecke-Meyer aus Dassendorf betreut ihn im Flüchtlingskreis Börnsen.

Foto: Stefan Huhndorf

Brunstorf. Abadi Attalay aus Brunstorf ist einer von 33 Flüchtlingen, die in der Staatsoper mit der Verdi-Oper „Nabucco“ auftreten.

Brunstorf.  Er möchte gern Kellner oder Altenpfleger werden, dafür büffelt Abadi Attalay aus Eritrea Deutsch in Mölln. Doch dann brachten ihn Helmuth Schlingemann und Karin Wecke-Meyer aus dem Börnsener Helferkreis auf eine ganz andere Idee: Jetzt singt der in Brunstorf lebende Flüchtling im Gefangenenchor in der Oper Nabucco mit und tritt bis zum 5. April in der Hamburger Staatsoper auf – Verlängerung nicht ausgeschlossen, er ist dort als Statist registriert.

„Ich war noch nie in einer Oper oder in einem Theaterhaus. Die Größe hat mich beeindruckt, nervös war ich nicht“, erzählt der 23-Jährige im Wohnzimmer von Karin Wecke-Meyer in Dassendorf, während die beiden Bilder von den Proben anschauen.

Statistenrolle in der Bergedorfer Zeitung gefunden

Helmuth Schlingemann hatte im Januar in der Bergedorfer Zeitung einen Artikel entdeckt, mit dem Flüchtlinge für die ganz besondere Inszenierung der Verdi-Oper gesucht wurden. Inszeniert wird die Aufführung von Kirill Serebrennikow, der in seiner Heimatstadt Moskau seit 2017 wegen Betrugsvorwürfen unter Hausarrest steht.

Die Regie führt er über Assistenten und zudem per Videoschaltung. Auf Wunsch von Serebrennikow besteht der berühmte Gefangenenchor ausschließlich aus Flüchtlingen. „Ich dachte, das ist genau das Richtige für die Integration. Kultur ist dafür ein wichtiger Faktor“, sagt Karin Wecke-Meyer. Sie brauchte Abadi Attalay nicht lange zu überzeugen und fuhr mit ihm zu den ersten Proben.

33 Flüchtlinge stehen in der Staatsoper bei den Aufführungen auf der Bühne. Alle kommen aus Hamburg – bis auf den 23-Jährigen. „Wir haben dafür gesorgt, dass er das Fahrgeld erstattet bekommt. Sonst könnte er sich das nicht leisten“, sagt Schlingemann. Außerdem bekommt er für die viermonatige Proben- und Spielzeit eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 100 Euro im Monat.

Proben begannen im Januar

Die Proben begannen Ende Januar, dauerten mitunter den ganzen Tag. Den italienischen Text hat Attalay auswendig gelernt – er beherrscht lediglich die eritreische Landessprache Tigrinisch und mittlerweile relativ gut Deutsch.

„Im Sprachkurs darf ich eher gehen, wenn ich abends auf der Bühne stehe. Dafür haben die Lehrer viel Verständnis. Es macht sehr viel Spaß“, erzählt der 23-Jährige, der seit zwei Jahren in Deutschland lebt und nach einem Job im Lager von H & M auch Praktika in der Altenpflege und einem Restaurant absolvierte.

Die Bühnenkarriere soll ein Hobby bleiben. Am liebsten würde der Flüchtling in der Gastronomie arbeiten. Dafür reichen seine Deutschkenntnisse aber noch nicht aus. Deshalb drückt er weiter die Schulbank in Mölln – und hofft auf eine weitere Statistenrolle. Bis zum 5. April läuft aber noch Nabucco. Dafür gibt es allerdings keine Karten mehr. Die Oper ist ausverkauft.

Den Helferkreis in Börnsen gibt es seit 2015. Gut zehn Ehrenamtler betreuen Flüchtling wie Abadi Attalay.