Ladesäuleninfrastruktur

Bald sechs Ladestationen für E-Autos in Schwarzenbek

Die Vereinigten Stadtwerke wollen an dieser Parkbucht an der Lauenburger Straße eine Ladesäule für E-Autos aufstellen.

Die Vereinigten Stadtwerke wollen an dieser Parkbucht an der Lauenburger Straße eine Ladesäule für E-Autos aufstellen.

Foto: Marcus Jürgensen

Schwarzenbek. Klammheimlich werden es immer mehr: Fünf Ladesäulen stehen in der Europastadt, demnächst werden es sechs sein.

Schwarzenbek. Wie schon vor einem Jahr hinkt die für Infrastruktur zuständige Bundesnetzagentur bei der Auflistung von E-Ladesäulen im Stadtgebiet hinterher. Gerade einmal zwei von fünf Säulen zeigt diese Karte im Internet an. Die private Konkurrenz ist besser: Wer in der Europastadt eine Ladesäule für sein Elektro-Fahrzeug sucht, findet auf www.going-electric.de alle fünf Ladepunkte.

Vor einem Jahr waren es vier Ladesäulen – am Hagebaumarkt (Hans-Koch-Ring 8), beim SH-Netzcenter (Möllner Straße 42), vor der Polizeistation (Compestraße 10) und auf dem Areal des Autohauses Päsler (Hamburger Straße 96-98). Mittlerweile ist eine weitere Ladesäule mit zwei Anschlüssen am Müllerweg 2 in Betrieb gegangen. „Wir haben die Ladesäule Ende Dezember vergangenen Jahres angeschlossen“, sagt Nadine Dibbern, Sprecherin von Betreiber Hansewerk Natur. 20.000 Euro hat das zur Hanswerk-Gruppe (früher: Eon Hanse) gehörende Unternehmen investiert.

Biostrom aus dem BHKW

Das besondere an dieser Ladesäule ist: Sie wird mit umweltschonendem Strom aus dem eigenen Blockheizkraftwerk am Müllerweg gespeist. Das Blockheizkraftwerk wird neben Erdgas auch mit einem 40-prozentigen Anteil an Biogas aus der nahegelegenen Anlage in Grove betrieben. Etwa 1000 Haushalte werden über den Müllerweg und ein zweites BHKW am Hans-Koch-Ring mit Wärme versorgt.

Der dabei ebenfalls erzeugte Strom wurde bisher für den Eigenbedarf genutzt oder ins Netz eingespeist. Nun fließt einer kleiner Teil davon auch in die E-Ladesäule vor der Tür. „Mit dieser Konstellation wird der Strom unmittelbar dort verbraucht, wo er erzeugt wird. Das entlastet die Stromnetze und erhöht die Effizienz“, sagt Babacar Ndiogou vom Technischen Service des Strom- und Wärmeanbieters.

Sechster Ladepunkt kommt

Nun soll eine sechste Ladesäule hinzukommen: Die Vereinigten Stadtwerke aus Mölln und Bad Oldesloe wurden nach dem Auslaufen des Förderprogramms „HansE“ von der Stadt mit dem Betrieb der Ladesäule im Lupuspark beauftragt, sie wollen an der Lauenburger Straße (Höhe Doktorhaus) eine weitere, eigene Ladesäule errichten. Die Politiker haben dem bereits zugestimmt, allerdings wird die neue Station nur einen Anschluss haben. Grund: Die Nachfrage ist nicht hoch genug. Zudem müsste eine Säule mit zwei Anschlüssen neben der Parkbucht mitten auf dem Bürgersteig errichtet werden, würde dort den Platz für Fußgänger einengen und liefe Gefahr, von einparkenden Autos touchiert zu werden.

Umfrage: Zu wenig Ladesäulen

Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag von Hansewerk Natur sehen 88 Prozent der Schleswig-Holsteiner fehlende Ladesäulen als Hindernis für stärkere Nutzung der E-Mobilität. Drei Viertel der Befragten wünschen sich ein einheitliches und herstellerunabhängiges System von Ladestationen und Anschlüssen beziehungsweise flächendeckende Schnellladestationen auf öffentlichen Parkplätzen, bei Einkaufszentren oder Baumärkten. Die Mehrheit der jungen Menschen in Schleswig-Holstein kann sich gut vorstellen, ein E-Auto zu kaufen, bei den Älteren ist es hingegen nur gut ein Drittel.

Tarifchaos an der Ladesäule

Doch nicht nur die fehlende Infrastruktur verhindert bisher, dass sich mehr Käufer für ein E-Mobil entscheiden: Laut „Tagesspiegel“ schreckt Fahrer auch das Tarifchaos an den Ladesäulen ab. Anders als bei Tankstellen, wo die Preise für Super und Diesel großflächig angeschlagen sind und im Stundenrhythmus wechseln, gibt es bei Ladesäulen keine Preisinfos. Wer sein Auto an den deutschlandweit etwa 13.500 öffentlichen Ladesäulen anschließen will, braucht bis zu zehn unterschiedliche Ladekarten, dazu wird auch mit RFID-Chips oder per Handy-App abgerechnet. Der Hamburger Stromanbieter LichtBlick gibt jedes Jahr dazu einen „Ladesäulen-Check“ heraus, der die fehlende Preistransparenz kritisiert.

Kostenfreies Laden ist vorbei

Nachdem in Schwarzenbek das kostenfreie Laden im Rahmen des Projekts „HansE“ beendet ist, gibt es hier vorwiegend Pauschaltarife zum Preis von 5,95 Euro. Allerdings kann sich auch dieser Preis ändern, wenn Roamingdienstleister wie NewMotion oder Plug-Surfing, die per Karte oder App ein deutschlandweites Bezahlsystem für das Laden anbieten, auf den Preis noch Gebühren erheben. Dibbern erklärt dazu: „Die Preise hängen von den Verträgen ab, die die Inhaber eines E-Fahrzeuges mit einem beliebigen Elektromobilitätsdienstleister abgeschlossen haben. Die Preise werden also nicht von HanseWerk Natur festgelegt.“