Machbarkeitsstudie

Neues Hallenbad kostet 750.000 Euro im Jahr

Die Zahlen liegen vor: Ein Hallenbad kostet die Stadt 750.000 Euro im Jahr. Dietmar Altenburg (v. l.) überreicht die Machbarkeitsstudie an Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig und Amtsvorsteher Klaus Hansen

Die Zahlen liegen vor: Ein Hallenbad kostet die Stadt 750.000 Euro im Jahr. Dietmar Altenburg (v. l.) überreicht die Machbarkeitsstudie an Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig und Amtsvorsteher Klaus Hansen

Foto: Stefan Huhndorf / BGZ / Stefan Huhndorf

Schwarzenbek. Gutachter legt Machbarkeitsstudie für Schwimmhalle vor: Die Betreiber müssten ein hohes jährliches Defizit tragen.

Schwarzenbek.  Hoffnungsvolle und dann viele lange Gesichter gab es unter den gut Hundert Besuchern, als Unternehmensberater Dietmar Altenburg das Ergebnis der Machbarkeitsstudie für ein neues Schwimmbad in der Europastadt vorlegte: 755.984 Euro – diese Summe müssten die Betreiber eines kleinen Hallenbades mit vier 25 Meter-Bahnen in Schwarzenbek nach seinen Berechnungen jedes Jahr zuzahlen.

Lange Gesichter nach Studie

„Das wird eine lange Reise. Erst einmal brauchen wir einen politischen Grundsatzbeschluss, ob wir ein Bad wollen. Erst dann können wir uns auf den Weg machen, Partner suchen und sehen, wo es Fördergelder gibt“, sagte Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig am Ende der Präsentation auf die Frage einer Zuhörerin, wann es mit dem Bad losgehe.

Das Zahlenwerk kannten weder die Verwaltungschefin noch die Ortsbürgermeister aus dem Amt Schwarzenbek-Land vorab. Betretene und skeptische Gesichter waren die Folge.

SiWa-Chef fordert Sprungturm

Helge von Appen, Vorsitzender des Vereins SiWa, bemängelte, dass kein Sprungturm eingeplant sei. Dieser würde das jährliche Minus nach Berechnungen von Altenburg um weitere 66.000 Euro erhöhen. „Es macht keinen Sinn, jetzt Detaildiskussionen zu führen, bevor wir einen Grundsatzbeschluss über das Projekt haben“, entgegnete Bernhard Böttel, Fraktionsvorsitzender der FWS.

Die Erwartungen der Vereine und der Bevölkerung sind hoch, weil die nächstgelegenen Schwimmbäder mindestens 20 Kilometer entfernt sind. Seit der Schließung des Schwarzenbeker Bades 2003 steht eine neue Schwimmhalle weit oben auf der Wunschliste der Schwarzenbeker.

Geothermie ist schwer zu beherrschen

Das ist für Altenburg die einzige sinnvolle Lösung. Der Experte berät nach eigenen Angaben jährlich 30 bis 40 Städte in Sachen Schwimmbadbau. Ein Freibad oder ein Spaßbad würde seiner Einschätzung nach noch höhere Verluste einfahren. Auch zusätzliche Module, wie Sprungturm, ein Becken für Kurse oder gar Saunabereich und Gastronomie machen den Betrieb extrem teuer. Von Experimenten mit Erdwärme oder Niedrigenergiebauweise rät er ab. „Das sind Kosten und Techniken, die schwer in den Griff zu bekommen sind.“

Verbleiben nur zwei Varianten: Ein 16 Meter Lehrschwimmbecken und das 25 Meter-Becken mit vier Bahnen. „Jede weitere Bahn erhöht das Defizit um 60.000 bis 100.000 Euro im Jahr“, rechnet Altenburg.

Hauptbedarf für das Schulschwimmen

Hauptbedarf in Schwarzenbek sei das Schulschwimmen und das Vereinsschwimmen mit jeweils etwa 20.000 Nutzern im Jahr. Hinzu kämen Kurse und Individualschwimmen, Altenburg kalkuliert mit 70.000 Besuchern. „Dieser Bedarf ließe sich mit dem Lehrschwimmbecken nicht abdecken. Das würde lediglich für den Schwimmunterricht ausreichen“, so der Unternehmensberater. Er empfiehlt daher das 25-Meter-Becken trotz des höheren Defizits (das Lehrschwimmbecken würde jährlich 400.000 Euro kosten).

Ein kleines Schwimmbad für sieben Millionen Euro

Die 25-Meter-Variante veranschlagt Altenburg mit Baukosten zwischen sechs und sieben Millionen Euro, das 16- Meter-Lehrschwimmbecken mit vier Millionen, jeweils plus Grundstückskosten. Parkplätze sind nicht berücksichtigt. Altenburg setzt auf einen Standort nahe der Schulen – etwa ab der Buschkoppel. Dort ständen Stellplätze zur Verfügung.

Die Hoffnung auf Zuschüsse hat er gedämpft. „Für die meisten Schwimmbadneubauten gibt es keine Förderung. Darauf würde ich mich einstellen“, sagte er.