Gülzow.

Kirchliche Stiftung schockt Sportler mit Mietforderung

Schulstiftung verlangt 20.000 Euro im Jahr für Sporthalle

Gülzow.  Volleyballer und Tischtennisspieler, dazu 100 Kinder der Turnabteilung sowie im Winter auch die jungen Fußballer nutzen jede Woche die Gülzower Sporthalle. Doch diese Nutzung und damit die Zukunft des 360 Mitglieder zählenden Vereins steht nun auf der Kippe. Grund: Die Schulstiftung der Evangelischen Kirche in Norddeutschland als Mieter des Schulgebäudes will ab 2019 dem Verein die Ein-Feld-Halle nicht mehr kostenfrei zur Verfügung stellen.

Im Raum steht derzeit eine Hallennutzungsgebühr in Höhe von 20.000 Euro im Jahr. Zum Vergleich: Der TSV Schwarzenbek zahlt pro Jahr 35.000 Euro Hallennutzungsgebühr an die Stadt Schwarzenbek – allerdings für insgesamt fünf Sporthallen, darunter mehrere Drei-Feld-Hallen. „Das passt in keinster Weise zu dem, was wir leisten können“, sagt TSV-Pressewartin Doris Klinnert: „Die Summe für die 22 Hallenstunden pro Woche würde 80 Prozent des Vereins-Etats verschlingen.“ Drei Mal hat der Vereinsvorstand bereits mit der Schulstiftung verhandelt – bisher ohne Ergebnis.

„Auch unsere Bitte nach einer Fristverlängerung ist bisher ohne Antwort geblieben“, klagt Fußballobmann Gerhard Nissen. Jetzt soll Bürgermeister Wolfgang Schmahl (SPD) vermitteln: Am Freitag, 16. November, besucht er den Stiftungssitz in Schwerin. „Für mich ist wichtig, dass der TSV Bestand hat“, sagt Wolfgang Schmahl und versichert: „Wir als Gemeinde werden den TSV nicht im Regen stehen lassen.“

Allerdings seien die Möglichkeiten der verschuldeten Gemeinde gering. Das Ziel von Schmahl ist es deshalb, Zeit zu gewinnen: Bisher gehört das Schulgebäude samt Sporthalle dem Zweckverband Schulvermögen, dem neben Gülzow auch die Gemeinden Juliusburg, Kollow und Krukow angehören. Dieser hat es 2012 zunächst an den privaten Trägerverein der Evangelischen Grundschule vermietet.

Als 2017 die Schulstiftung, die seit Gründung beratend dabei war und in Mecklenburg weitere 17 Schulen betreibt, den Standort übernahm, stieg sie auch in den Mietvertrag ein. In dem ist aber die Hallennutzung durch die Sportler nicht festgeschrieben. Bisher nutzt der TSV die Halle kostenfrei, erbringt dafür aber Gegenleistungen: So bezahlt der Verein die Reinigung, die jährliche Prüfung der Sportgeräte und bietet ein Mal pro Woche eine Nachmittagsbetreuung für Schulkinder an.

Eine Idee ist nun, dass die Gemeinde Gülzow das Gebäude von den drei übrigen Gemeinden erwirbt und über die Mieteinnahmen – neben der Schulstiftung ist auch die evangelische Kita Mieter von Räumen – Kaufpreis und Unterhaltung finanzieren kann. Die Sporthalle könnte dann wie auch der Sportplatz von der Gemeinde direkt Sportlern und Schule zur Verfügung gestellt werden. „Dafür gibt es allerdings noch keinen Gemeinderatsbeschluss“, räumt Schmahl ein.

Auch der Sportverein hat sich Gedanken gemacht. Er wäre bereit, maximal 5000 Euro Jahresmiete an die Schulstiftung zu zahlen. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am vergangenen Sonnabend haben die Mitglieder zudem eine Unterschriftensammlung beschlossen: Im Vereinsheim an der Schlossstraße 9 sowie im Markttreff, Hauptstraße 21, liegen die Listen aus. Mit der Schule und der Kirche vor Ort habe man überhaupt kein Problem, betont Klinnert: „Alle haben doch das gleiche Interesse und möchten, dass das Sportangebot in der Halle erhalten bleibt, weil es gut für die Gemeinschaft und das Zusammenleben im Ort ist.“