Schulentwicklung

Massiver Protest gegen die Fusion der Grundschulen

Eltern protestieren gegen die Zusammenlegung der Grundschulen in Schwarzenbek. Mehr als 100 kommen in den Festsaal des Rathauses.

Eltern protestieren gegen die Zusammenlegung der Grundschulen in Schwarzenbek. Mehr als 100 kommen in den Festsaal des Rathauses.

Foto: Stefan Huhndorf / BGZ / Stefan Huhndorf

Schwarzenbek. Eltern wollen bei Zusammenlegung der Grundschulen mitreden. Politik hat mit Beschluss Fakten geschaffen.

Schwarzenbek.  So voll war es bei einer Sozialausschuss-Sitzung in Schwarzenbek selten: Weit mehr als 100 Eltern kamen am Montagabend in das Rathaus, um ihren Unmut gegen die mögliche Zusammenlegung der beiden Grundschulen und die Geheimniskrämerei um die erst jetzt bekannt gewordene Entscheidung kundzutun. Wie berichtet, hatten die Stadtvertreter bereits am 27. September im nichtöffentlichen Teil unter der allgemeinen Formulierung „Schulentwicklung“ darüber beraten.

Der Beschluss hat Fehler

„Ich war nicht bei der Sitzung dabei, aber es sind Fehler gemacht worden. Zumindest Teile dieser Thematik hätten öffentlich beraten werden müssen. Es wäre auch richtiger gewesen, die Prüfung der Zusammenlegung zu beschließen und dieses nicht als Fakt zu nehmen“, räumte der Sozialausschuss-Vorsitzende Rüdiger Jekubik (SPD) angesichts der massiven Kritik der Eltern in der mehr als einstündigen Einwohnerfragestunde ein.

Eltern sollen angehört werden

„Wir stehen erst am Anfang. Die Eltern werden umfassend beteiligt und angehört“, so Kathrin Kipke, im Rathaus für die Schulen zuständig. „Ich werde keine Schulen gegen den Willen der Eltern zusammenlegen. Es ging darum abzufragen, ob die Politiker die bereits in 2012 diskutierte Zusammenlegung weiter verfolgen wollen, oder ob diese Variante vom Tisch ist. Sonst hätten wir die mögliche Zusammenlegung sofort ad acta gelegt. Das weitere Vorgehen werden wir mit den Eltern besprechen“, ergänzte Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig.

Bürger sind wütend

Bei den Eltern löst diese hinter verschlossenen Türen und ohne Kenntnis der Elternvertreter getroffene Entscheidung Misstrauen aus. „Aufgebrachte Eltern haben mich um Hilfe gebeten, weil so wenig Transparenz in der Stadt herrscht. So darf man mit Bürgern und Wählern nicht umgehen“, mahnte Ute Stimper, Vorsitzende des Bürgervereins.

Denn viele Eltern machen sich Sorgen wegen der geplanten Zusammenlegung. Nicht zuletzt wegen der unterschiedlichen pädagogischen Konzepte ziehen viele die Grundschule Nordost vor. An der Breslauer Straße sind die Schulstunden 60 Minuten lang, der Unterricht erfolgt oft als Gruppenarbeit. In Nordost wird 45 Minuten frontal unterrichtet. Auch sind die Klassenräume moderner.

Schülerwanderung nach Nordost

Das kommt bei den meisten Eltern der Europastadt gut an. Dies belegen auch die Schülerzahlen: Die Schule Nordost war 2017 und 2018 wegen der hohen Anmeldezahlen sechszügig. 2019 wird ein ähnlicher Zuspruch bei den Erstklässlern erwartet. Dafür reicht das Raumangebot an der Cesenaticostraße aber nicht mehr aus. An der Breslauer Straße sinken die Schülerzahlen hingegen. Die Schüler müssen also besser verteilt werden. Das könnte beispielsweise durch eine gemeinsame Leitung koordiniert werden oder aber durch eine Begrenzung der Schülerzahlen in Nordost.

Bildungsministerium braucht klaren Entschluss

Wie die Entscheidung auch ausgeht: Es muss Klarheit geschaffen werden, nicht nur für die Eltern. Denn Andreas Hartung, Leiter der Grund- und Gemeinschaftsschule, geht nächstes Jahr im Sommer in den Ruhestand. „Wir brauchen Gewissheit, was die Stadt als Schulträger vorhat, damit wir die Stelle zielgerichtet ausschreiben können“, sagte Thomas Schunck, Sprecher des Kieler Bildungsministeriums. Eine erste Ausschreibung für einen Leiter der Grund- und Gemeinschaftsschule hatte es bereits gegeben, es fand sich aber kein Bewerber (wir berichteten).