Deckelung gefordert

Eltern protestieren gegen steigende Kita-Gebühren

Elternvertreter Candy Rudolph (l.) nutzte die Einwohnerfragestunde der Stadtverordnetenversammlung um mit mehr als 50 weiteren Eltern auf die steigenden Kitagebühren hinzuweisen: „Sind 10 000 Euro pro Jahr für zwei Kinder noch angemessen?"

Elternvertreter Candy Rudolph (l.) nutzte die Einwohnerfragestunde der Stadtverordnetenversammlung um mit mehr als 50 weiteren Eltern auf die steigenden Kitagebühren hinzuweisen: „Sind 10 000 Euro pro Jahr für zwei Kinder noch angemessen?"

Foto: Marcus Jürgensen

Schwarzenbek. Das Land will die Kita-Finanzierung im Jahr 2020 reformieren, doch bis dahin wollen viele Kita-Eltern nicht warten.

Schwarzenbek.  „Mein Vater hatte vier Kinder, meine Mutter blieb deshalb zu Hause. Ich habe zwei Söhne, meine Frau arbeitete halbtags. Meine Schwiegertochter arbeitet auch halbtags, kann davon aber nicht ihre Kita-Gebühren bezahlen“ – auf eindrucksvolle Weise machte Klaus Kamm, Chef der Schwimmsparte des TSV Schwarzenbek, deutlich, wie sich die Zeiten für Eltern verändert haben. Zuvor hatte Elternvertreter Candy Rudolph die Einwohnersprechstunde der Stadtverordnetenversammlung genutzt, um die Politiker eindringlich auf das Problem der steigenden Kita-Gebühren hinzuweisen: „Während man in ganz Deutschland über die Abschaffung der Beiträge spricht, steigen sie bei uns.“

Sind 10 000 Euro noch „angemessen“?

Das Ehepaar Rudolph zahlt für ihre beiden Kinder, die in der Johanniter-Kita Traumland betreut werden, pro Jahr 9180 Euro. Im kommenden Jahr, die Kita hat eine Erhöhung der Beiträge zum 1. Januar 2019 bereits angekündigt, werden es 10 020 Euro sein – inklusive Essengeld sowie Früh- und Spätzuschlägen. Dass dies noch „angemessen“ sei, wie in den Richtlinien des Kreises angegeben, bezweifelt nicht nur Rudolph.

Kosten in Geesthacht niedriger, in Ratzeburg höher

Aktuell liegt der Elternanteil in der Kita bei 410 Euro (Krippe) und 298 Euro (Elementarbereich). Zum Vergleich: In Geesthacht kosten vergleichbare Plätze etwa in der Kita St. Thomas 320 Euro (Krippe) und 220 Euro (Elementar). Teurer ist es in Ratzeburg: Dort sollte der Elternanteil sogar von derzeit 460 aus 495 Euro (Krippe) und von 273 auf 306 Euro (Elementar) steigen. Dennoch ist die Kreisstadt für die Schwarzenbeker Eltern vorbildhaft: Denn in der Stadtvertretung am vergangenen Montag waren die Politiker dem Vorschlag der Stadtverwaltung gefolgt und verzichteten ihrerseits auf eine Erhöhung.

Eltern fordern Deckelung der Gebühr

Das forderten die Kita-Eltern nun auch von den Schwarzenbeker Kommunalpolitikern: „Wir können das heute nicht beschließen, weil wir es nicht auf der Tagesordnung haben“, erklärte Bürgervorsteher Matthias Schirmacher (Grüne) und erntete den Unmut der Eltern. Denn bereits am 5. September hatte sich der Sozialausschuss mit den unterschiedlich hohen Elternbei­trägen in den neun Schwarzenbeker Kitas beschäftigt. Die Beiträge der drei Träger unterscheiden sich jedoch in der Grundgebühr nur um maximal zehn Euro.

„Man schaut nicht mehr so genau hin“

Drastischer sind die Unterschiede im Kreis und im Vergleich zum nahen Hamburg: „Dort sind fünf Stunden kostenfrei und dazu das Essen“, hatte sich Stadtvertreter Roman Larisch (CDU) informiert und wandte sich direkt an die Eltern: „Man schaut nicht mehr so genau hin, wenn die eigenen Kinder groß sind. Vielen Dank für ihre Hinweise.“ Bei den Beratungen mehr „ins Detail“ zu gehen, versprach auch Schirmacher.

Sozialausschuss berät am 30. Oktober

Dezidierte Zahlen über die Kosten der einzelnen Kitas – als Berechnungsgrundlage dienen die Betriebskosten, in die unter anderem Löhne, Investitionen, Unterhaltungs- und Energiekosten einfließen –, sollen zur nächsten Sozialausschusssitzung am 30. Oktober vorliegen. Am 22. November könnten die Stadtverordneten dann entscheiden, ob sie die Elternbeiträge zumindest deckeln, bis eine landesweite Lösung vorliegt, die zum 1. Januar 2020 in Kraft treten soll.

Stadt hat Verträge mit Trägern

In Verträgen mit den Kita-Betreibern (Kirche, ASB und Johanniter) hat die Stadt den Elternanteil bisher auf 34 und 36 Prozent festgeschrieben, will ihn auf 38 Prozent erhöhen (möglich wären 40 Prozent). Steigen die Betriebskosten, etwa weil die Erzieherinnen höhere Löhne erhalten, steigt auch der Elternanteil. Doch nicht alle Träger haben bereits entschieden, ob sie ihre 2019 Preise anpassen müssen.