Sommertalk

Polit-Talk mit Björn Engholm, Wolfgang Bosbach & Co.

Foto: Monika Retzlaff

Basthorst. Wie Gorbatschow zum Titel „Mineralsekretär“ kam und vieles mehr erfuhren die Gäste beim Sommertalk auf Gut Basthorst.

Basthorst.  „Wenn ich höre, in welcher Tonlage im Bundestag debattiert wird, dann bedaure ich es überhaupt nicht, dass ich nicht mehr dabei bin.“ Wolfgang Bosbach (CDU), Bundestagsabgeordneter von 2000 bis 2017, war in seinem Element, als er beim Sommer-Talk auf Gut Basthorst vor Hunderten Gästen mit Moderator und Ex-RTL-„Bachelor“ Jan Kralitschka über große Politik, Lebensweisheiten und seine Familie plauderte.

Politik ist Vertrauenssache

Bosbach gestand, dass er sich allergrößte Sorgen mache, dass sich die Bürger künftig noch mehr von der Politik abwenden als bisher. „Politik ist in allererster Linie Vertrauenssache und Vertrauen muss jeden Tag gerechtfertigt werden“, sagte der 66-Jährige. Sachlichkeit sei dafür unabdingbar. Man könne sich als Politiker nicht in jeder Thematik perfekt auskennen. Aber gerade deshalb galt für ihn immer, ständig zu lernen und zu lesen.

Vom Zusammenleben mit fünf Frauen

„Es ist wichtig eine Meinung zu haben, aber es ist genauso wichtig, Ahnung zu haben“, sagte er. Doch Bosbach zeigte sich nicht nur nachdenklich, sondern auch humorvoll. „Welche ihrer Kompetenzen sind denn nützlicher für die Politik, die als Anwalt oder die als dreifacher Vater?“, wollte Kralitschka wissen. „Im Zusammenleben mit fünf Frauen, also meinen Töchtern, meiner Frau und meiner Schwiegermutter, weiß ich: Happy Wife – happy Life. Damit komme ich immer und überall ganz gut klar.“

Mit Anekdoten, Lebensweisheiten und lockerer Plauderei erwies sich auch Björn Engholm (SPD) als routinierter Talkgast. Gemütlich im Strandkorb auf der Bühne sitzend, redete er mit „Rote Rosen“-Star Michael Meziani über seine Kindheit, in der noch auf der Straße stundenlang „Kippel-Kappel“ gespielt wurde, und über Begegnungen mit Politikern des höchsten Ranges wie Michael Gorbatschow. Mit ihm sprach er in Moskau über „Glasnost und Perestroika“.

„Mineralsekretär“ schränkt Alkoholkonsum ein

Generalsekretär Gorbatschow wurde damals als „Mineralsekretär“ bezeichnet, denn auf Beschluss der KPdSU wurden der Verkauf und der Genuss von Alkohol kurzfristig extrem eingeschränkt. „Auf dem Tisch standen kalter Tee und Sodawasser“, sagte Engholm.

Zu einem guten Tropfen Wein habe ihn allerdings einmal Franz Josef Strauß in eine gemütliche Runde mit Ministerpräsidenten eingeladen. „Strauß haben wir ja immer als ‚Grundübel‘ betrachtet, aber außerhalb der Politik war er ein hochgradig witziger und fröhlicher Mensch“, sagte Engholm.

Fernsehrichterin kommt auf den Hund

Auch die ehemalige Fernsehrichterin Barbara Salesch (68) erzählte von ihrer neuen Lust am Leben. „Ich habe mir einen Bauernhof in Minden gekauft und mache Kunst“, erzählte sie. Ihre Skulpturen brauche zwar keiner, aber sie sei glücklich. Außerdem ist sie auf den Hund gekommen, denn seit Kurzem gehört ein riesengroßer Irischer Wolfshund dazu und durfte sogar mit auf die Bühne. Salesch war durch ihre Gerichtsshow im Fernsehen bekannt geworden. Großteils besetzt mit Laiendarstellern, wurden von 1999 bis 2012 insgesamt 2356 fiktive Fälle aus dem Strafrecht präsentiert, vom Diebstahl bis zum Mord.