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Besuch aus Bayern beim Kreisbauerntag

Seedorf.  „Lauter solcher Schmarrn“ – grantelte Albert Deß im bayerischem Dialekt und meinte die Ampel-Kennzeichnung für Lebensmittel. Zum 81. Kreisbauerntag, der am Montagabend auf dem Hof von Ex-Kreisbauernpräsident Reinhard Jahnke in Seedorf stattfand, war Deß der Hauptredner: Seit 2004 sitzt der gelernte Landwirt aus Berngau in der Oberpfalz für die CSU im Europaparlament, ist Obmann der konservativen EVP-Fraktion im Landwirtschaftsausschuss.

„Gut, dass es heute noch eine Einigung zwischen Merkel und Seehofer gegeben hat, sonst hätten sie mich gar nicht reingelassen nach Schleswig-Holstein“, begrüßte der 71-Jährige, der im kommenden Jahr nicht mehr zur Europawahl antritt, die mehr als 250 Landwirte und hatte die Lacher auf seiner Seite. Dann zog der Bayer vom Leder: Berichtete aus 14 Jahren EU-Parlament, giftete gegen den irischen EU-Agrarkommissar Phil Hogan, ohne dessen Namen in den Mund zu nehmen und berichtete genussvoll darüber, wie er einst als CSU-Bundestagsabgeordneter die damalige grüne Landwirtschaftsministerin Renate Künast mit seinen Witzen narrte.

Die Brüsseler Bürokratie sei gar nicht so schlecht, sagte Deß – gäbe es nicht Deutschland: „Wir haben leider das Problem, dass wir manches zu bürokratisch umsetzen.“ Großen Beifall gab es, als Deß die „Hetze“ gegen Landwirte im Internet kritisierte: „Wir müssen uns mehr wehren, müssen Gegner mit eigenen Argumenten schlagen“, beklagte der CSU-Politiker eine aus seiner Sicht oft verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit: „Wir reden beim Wolf über Tierschutz. Wenn aber ein Wolf in einer Nacht 41 Schafe reißt – gilt für die kein Tierschutz?“

Wer versuche, die konventionelle Landwirtschaft durch zu viele Verordnungen zu regulieren, so Deß, exportiere die Probleme ins Ausland: Zwischen 1976 und 2008 sei die Fleischproduktion in Europa nur um sechs Prozent gestiegen, in Südamerika aber um 225 und in Asien um 387 Prozent.

Auch Landesbauernpräsident Werner Schwarz beklagte eine Überregulierung: Die Regenfälle des vergangnen Jahres hätten gezeigt, dass man Entwässerungsgräben wieder instand setzen müsse, statt sie zu renaturieren: „Das Wasser muss weg, das hat uns das vergangene Jahr gezeigt.“ Schwarz zeichnete während des Bauerntags neun Landwirte mit der Ehrennadel aus, darunter auch Gastgeber Jahnke.