Konzept

Stadt hat neue Ideen für attraktiven Bahnhof

Rechtsanwalt Marc Schaumann sucht einen Käufer für „Juttas Kiosk“ am Schwarzenbeker Bahnhof.

Rechtsanwalt Marc Schaumann sucht einen Käufer für „Juttas Kiosk“ am Schwarzenbeker Bahnhof.

Foto: Stefan Huhndorf / BGZ

Schwarzenbek. Der Kiosk am Bahnhof soll durch den Verkauf an einen neuen Betreiber wiederbelebt werden. Aber die Stadt denkt jetzt auch weiter.

Schwarzenbek.  Das Café-Kreativ hat sich in den vergangenen Wochen etabliert, der seit 1. August geschlossene Kiosk steht zum Verkauf und es gibt bereits einen ersten Interessenten dafür: Es tut sich was am Schwarzenbeker Bahnhof, aber es gibt auch noch viel zu tun. „Ich habe am Freitag ein Gespräch mit allen Verantwortlichen der Deutschen Bahn AG für den Bahnhof. Leider gibt es keinen zentralen Ansprechpartner, wegen der unterschiedlichen Besitzverhältnisse innerhalb des Konzerns“, sagte Bürgermeisterin Ute Borchers-Seelig am Rande der offiziellen Einweihungsfeier für das „Café-Kreativ“.

Konzept für den gesamten Bahnhof

Die Verwaltungschefin will sehr zeitnah ein Konzept für den Bahnhof und das komplette Umfeld entwickeln. Dabei sollen auch die Bürger beteiligt werden. Borchers-Seelig kann sich auch eine Verlegung des Busbahnhofs vorstellen, auf die andere Bahnhofsseite, dichter zur Kerntangente. „Es müssten ohnehin Umbauten für die langen Gelenkbusse vorgenommen werden. Möglicherweise wäre ein Neubau eine gute Lösung. Aber das ist erst einmal nur so ein Gedanke“, so die Bürgermeisterin.

Nächstes Jahr kommen neue Fahrstühle

Diese Idee hätte aber den Charme, dass sich die Busse nicht mehr durch Compe- und Seestern-Pauly-Straße quälen müssten, was auch zu einer Verkehrsberuhigung in der Innenstadt beitragen würde. Allerdings geht es jetzt erst einmal um die drängendsten Probleme, die die Verwaltungschefin mit den Bahnverantwortlichen klären will. Denn im kommenden Jahr erneuert die Bahn die Aufzüge an der Unterführung. Das ist die Chance für die Stadt, im Zuge der Arbeiten eine bessere Beschilderung im Tunnel, eine hellere und vor allem intakte Beleuchtung sowie sogenannte Graffiti-Boards an den Wänden zu bekommen. Diese speziellen Wände sollen von Sprayern gestaltet werden. Erfahrungsgemäß lassen sich auf diesem Weg Schmierereien eindämmen, weil andere Graffiti-Sprayer keine Kunstwerke mit Schriftzügen verunzieren.

Mehr Sauberkeit

Ganz kurzfristig will die Bürgermeisterin das Problem mangelnder Sauberkeit und der ungepflegten Grünanlagen am Bahnhof lösen. „Das sind nicht unsere Flächen. Wir dürfen dort nicht einmal aktiv werden. Das wäre Hausfriedensbruch. Außerdem würde die Berufsgenossenschaft nicht zulassen, dass unsere Bauhofmitarbeiter an einer Bahnlinie arbeiten. Das ist Aufgabe der Bahn und der muss sie nachkommen“, fordert die Bürgermeisterin.

Neuer Fahrkartenverkauf

Ein weiteres Problem ist der Verkauf von HVV-Tickets. Seit Jutta Smolenia-Lass am 1. August ihren Kiosks geschlossen hat, gibt es nur noch einen Automaten auf dem Bahnsteig. Mit dem kommen insbesondere viele ältere Menschen nicht zurecht. Das hatte zuletzt der Schwarzenbeker Werner Burmeister auf der Einwohnerversammlung beklagt.

Die Bürgermeisterin hat Kontakt mit dem Seniorenbeirat aufgenommen, der Schulungen für Senioren am Automaten anbieten könnte. „Es gibt auch Gespräche mit einem Reisebüro in der Stadt, ob dort ein Fahrkartenverkauf eingerichtet werden könnte. Das wäre aber einige Hundert Meter vom Bahnhof entfernt“, so die Bürgermeisterin.

Kiosk wird verkauft

Es zeichnet sich aber auch eine andere Lösung ab: Jutta Smolenia-Lass hat Insolvenz angemeldet. Der Kiosk war ihr Eigentum, steht aber auf dem Grundstück von Dennis Berling, der die Fläche gemeinsam mit dem Bahnhofsgebäude im Jahr 2013 gekauft hat. Jetzt sucht der Rechtsanwalt Marc Schaumann einen Käufer für den Kiosk. Der Jurist wurde als Insolvenzverwalter eingesetzt. Einen Interessenten gibt es bereits. „Der neue Betreiber könnte den Fahrfahrtenverkauf übernehmen und auch den Paketshop wieder betreiben. Dann hätte er gleich eine sichere Einnahmequelle“, sagt Schaumann.

Toilette bleibt vorerst zu

Damit wäre auch die Frage geklärt, wer den Schlüssel für das WC verwaltet. Die öffentliche Toilette am Busbahnhof ist seit der Schließung des Kiosks zu, weil Jutta Smolenia-Lass auch den Schlüssel verwaltete. Die Bürgermeisterin hatte gehofft, dass Schlüsselverwaltung und Fahrkartenverkauf vom Café-Kreativ übernommen werden.

Daran haben die Betreiber Victoria und André Böttche vom Verein für soziale Arbeit und Integration aber kein Interesse. Das Café sei in erster Linie ein Ort für Menschen, die unter Suchterkrankungen leiden: „Wir möchten diejenigen, die zu uns kommen, sinnvoll beschäftigen und ihnen Perspektiven aufzeigen“, sagt Victoria Böttche. Der zentrale Raum des Cafés dient als Begegnungsstätte, in dem Patienten sich austauschen können.