Rotmilan in Gefahr

Vogelschutz kontra Windpark in Brunstorf

Der Rotmilan brütet im Sachsenwald und jagt seine Beute genau dort, wo der Brunstorfer Windpark enstethen soll.

Der Rotmilan brütet im Sachsenwald und jagt seine Beute genau dort, wo der Brunstorfer Windpark enstethen soll.

Foto: Dieter Bark / BGZ

Brunstorf. Den geplanten Windparks zwischen Brunstorf und Dassendorf könnte der Vogelschutz ein Strich durch die Rechnung machen.

Brunstorf.  Die Betreiber von Windkraftanlagen geben sich in den Gemeinden rund um Schwarzenbek zurzeit die Klinke in die Hand – und die Bürger laufen Sturm gegen die geplanten Mega-Mühlen mit bis zu 200 Metern Höhe (bis zur Rotorspitze). Jetzt hoffen die betroffenen Bürger auf ein Veto der EU-Kommission gegen die „Spargel“.

Neues Projekt mit acht Anlagen in Dassendorf

Nachdem die Firma „Windwärts“ bereits ihre Pläne für vier Anlagen auf Brunstorfer Gebiet in Richtung Dassendorf vorgestellt hat, will jetzt die Schweriner Firma „Naturwind“ acht weitere Anlagen in Dassendorf an der Grenze zu Brunstorf errichten. Vertreter der Firma haben sich am Dienstag in Dassendorf vorgestellt und bereits einen Bauantrag eingereicht.

Brunstorfer sind entsetzt

Die Brunstorfer haben auf diese Nachricht mit Entsetzen reagiert. Der stellvertretende Bürgermeister Claus-Heinrich Nesemann hat sie ihnen am Rande einer Informationsveranstaltung zum Themenkomplex Vogelschutz und Windkraft mit Dr. Klaus Janke am Mittwochabend mitgeteilt.

Es gibt noch mehr Windkraftflächen bei Brunstorf

Aber es kann noch schlimmer kommen. „Es gibt auch eine Fläche zwischen Brunstorf und Schwarzenbek, die als geeignet ausgewiesen ist“, sagte der Referent. Der Dassendorfer Biologe hielt seinen Vortrag ausdrücklich als Privatmann, ist aber ausgewiesener Experte unter anderem für Vogelschutz in der Hamburger Umweltbehörde. Und er zeigte den Brunstorfern einen gangbaren Weg auf, wie sie die Windkraftanlagen vermutlich verhindern können. Denn der Sachsenwald und der Rülauer Forst sind als bedeutende europäische Vogelschutzgebiete im sogenannten Naturband 2000 eingestuft.

Vögel als Argument gegen Windkraft

„Vögel können ein gutes Argument gegen Windkraft sein“, betonte der Dassendorfer. Denn beim Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen werden auch Träger öffentlicher Belange befragt. Für dieses Verfahren will Janke den Naturschutzbund (Nabu) Schleswig-Holstein mit ins Boot holen, um den Vogelschutz in den Fokus zu rücken. Janke hat bereits mit Nabu- Geschäftsführer Ingo Ludwichowski Kontakt aufgenommen.

Sachsenwald ist ein Schutzgebiet

Besonders bedeutungsvoll ist hierbei der Sachsenwald, in dem unter anderem sechs besonders schützenswerte Vogelarten leben. Dazu zählen Schwarzstorch, Wespenbussard, Seeadler, Kranich, Uhu und, besonders wichtig, der Rotmilan.

Jeder zweite Rotmilan lebt in Deutschland

„Jeder zweite Rotmilan auf der Welt lebt in Deutschland. Deshalb haben wir eine besondere Verantwortung für den Vogel. Der Rotmilan jagt seine Beute aber genau da, wo die Windkraftanlagen entstehen sollen und ist dort extrem durch die Rotorblätter gefährdet“, sagt Janke.

Mittelspechte passieren Windkraftkorridor

Hinzu kommt, dass es einen größeren Bestand an Mittelspechten im Sachsenwald mit einer Wechselbeziehung zu einer anderen Kolonie im Rülauer Forst gibt. Auch diese Vögel würden auf ihren Flügen die Windkraftanlagen passieren und könnten von den Rotoren getötet werden.

Fachornithologen fordern hohe Mindestabstände

Fachornithologen haben ein sogenanntes „Helgoländer Papier“ aufgesetzt, in dem sie Mindestabstände von Windkraftanlagen zu den Brutplätzen von solchen seltenen Vögeln empfehlen. Diese liegen bei 1000 Metern und mehr. Die neuen Windkraftanlagen wären an den geplanten Standorten tatsächlich nur 300 Meter vom Wald entfernt.

Beschwere bei EU-Kommission möglich

„Eine Beschwerde würden die Umweltverbände direkt bei der EU-Kommission einreichen. Und die hat schon den Bau der A 20 bei Segeberg und von Windkraftanlagen wegen des Vogelschutzes gestoppt“ erläutert Klaus Janke. „Solche Papiere von Experten haben zwar keine Rechtskraft – aber eine große Bedeutung in Brüssel.“