Deserteure

Denkmal: Sechs Tonnen Bronze gegen den Krieg

Das von Volker Lang entworfene Deserteurdenkmal wurde in der Elmenhorster Bildgießerei Wittkamp gegossen. Für Firmenchef Michael Wittkamp war es das größte Objekt, was je in Elmenhorst gegossen wurde

Das von Volker Lang entworfene Deserteurdenkmal wurde in der Elmenhorster Bildgießerei Wittkamp gegossen. Für Firmenchef Michael Wittkamp war es das größte Objekt, was je in Elmenhorst gegossen wurde

Foto: Marcus Jürgensen / BGZ

Elmenhorst. In der Bildgießerei Wittkamp entsteht Hamburgs Deserteurdenkmal aus sechs Tonnen Bronze.

Elmenhorst.  . „Man muss diese gemeinsten Kreaturen, die jemals den Soldatenrock der Geschichte getragen haben, dieses Gesindel, das sich aus der einstigen Zeit herübergerettet hat, abstoßen und austreiben“ – wer diesen Satz gesagt hat, ist nicht bekannt. Wem er galt sehr wohl: Soldaten, die nicht der Nazi-Ideologie anhingen und im Zweiten Weltkrieg mit der Absicht spielten, zu desertieren oder dies tatsächlich taten. Diesen und viele weitere Sätze hat der Schriftsteller Helmut Heißenbüttel, der selbst als Soldat im Zweiten Weltkrieg kämpfte, gesammelt. 1967 veröffentlichte er die Fragmente als Buch: „Deutschland 1944“.

Künstler Volker Lang hat das Denkmal entworfen

Der Hamburger Künstler Volker Lang hat Heißenbüttels Textfragmente für ein Deserteurdenkmal genutzt, das in der Elmenhorster Bildgießerei von Michael Wittkamp entstanden ist. „Es ist das größte Objekt, das wir je gegossen haben“, sagt Wittkamp. Obwohl die beiden jeweils mehr als sechs Meter langen und 3,30 Meter hohen Buchstabenfelder aus Bronze sehr filigran wirken, sind sie mit einem Gewicht von insgesamt sechs Tonnen „sauschwer“, so Wittkamp. Zum Vergleich: Ein lebensgroßes Bronzepferd, das Wittkamp auch gegossen hat, wirkt zwar massiv, wiegt aber nur 500 Kilogramm. Es ist innen hohl, die Buchstaben hingegen sind massiv aus Bronze.

Bildgießer als Schriftsetzer

Im vergangenen Jahr hatte die Bildgießerei für Lang bereits eine kleine Arbeit ausgeführt. „Das verlief sehr harmonisch“, beschreibt Wittkamp den Kontakt zum Künstler, der Anfang des Jahres dann anfragte, ob die Werkstatt auch dieses Objekt umsetzen könne. „Wir mussten uns dafür etwas ganz Neues ausdenken“, so der Firmenchef. Aus hölzernen Buchstaben, die ein Modelltischler gefertigt hatte, entstanden in der Bildgießerei Kopien aus Wachs: Wie Schriftsetzer ordneten die Mitarbeiter die Buchstaben auf ein Quadratmeter großen Tafeln zu Sätzen. Die Tafeln wurden dann mit Gips ausgegossen und gebrannt: So entstanden Stück für Stück die Formen („Wachsausschmelzverfahren“), in die dann die flüssige Bronze gefüllt wurde. Dies einzelnen Segmente wurden dann verschweißt und auf dem Hof der Gießerei zu den Sätzen komplettiert. „Wir wurden im Laufe der Zeit immer mutiger und waren ganz erstaunt, wie stabil die Konstruktion ist“, sagt Wittkamp.

Künstler gibt grünes Licht

Am vergangenen Freitag besichtigte Künstler Volker Lang das Werk und entschied, auf das abschließende Sandstrahlen zu verzichten. „Er sagte, die Aussage des Kunstwerks liege nicht in der feinen Oberfläche, sondern im Gesamteindruck“, so Wittkamp. In Handarbeit haben seine Mitarbeiter die 900 Bronzebuchstaben entgratet. Sie werden langsam eine Patina ansetzen und am Ende dunkelgrau aussehen.

Freitag kommt der Tieflader

Am morgigen Freitag werden die Segmente gegen 7 Uhr auf einen Tieflader verladen und zum Hamburger Dammtordamm gebracht. Eigentlich ist für Wittkamp und seine sechs Mitarbeiter ihre Arbeit damit beendet, doch auch sie werden zur Endmontage nach Hamburg fahren, wollen das Werk dann komplett sehen. „Es macht mich schon stolz, wenn ich später mal sagen kann: Daran habe ich mal mitgewirkt“, sagt Firmenchef Wittkamp. Die offizielle Einweihung ist für den 24. November geplant.