Wohnungseinbruch

Vorsicht: Einbrecher sind jetzt in der Dämmerung unterwegs

Schwarzenbek. Die frühe Dunkelheit macht Einbrechern ihr Geschäft leichter: Unbeleuchtete Wohnungen werden schnell zum Ziel der Diebeszüge. Insgesamt geht die Zahl der Einbrüche aber leicht zurück.

Für Hubert Kudling sollte es ein feierlicher Abend werden: Der Leiter der Verwaltung des Amtes Schwarzenbek-Land geht Anfang kommenden Jahres in den Ruhestand. Die Amtsausschusssitzung am Mittwochabend wäre seine letzte gewesen – doch kurz vor Sitzungsbeginn verließ er das Verwaltungsgebäude an der Gülzower Straße 1.

Auslöser war ein Anruf seiner Frau Annelen: Als die gegen 18 Uhr nach Hause kam, hatten Einbrecher das Eigenheim der Familie in Möhnsen heimgesucht, Schränke und Schubladen durchwühlt, Schmuck und Bargeld entwendet. Die Polizei bezeichnet diese Taten als „Tageswohnungseinbrüche“, obwohl sie zumeist in der Dämmerung stattfinden. „Das ist jetzt die typische Zeit dafür. Wenn die Bewohner abends von der Arbeit kommen, ist es schon lange dunkel“, sagt Sonja Kurz, Pressesprecherin der Polizeidirektion in Ratzeburg. Die Dämmerung nutzen die Täter und suchen sich gezielt Häuser aus, in denen kein Licht brennt. Bevorzugt werden Wohngebiete in Autobahnnähe heimgesucht. Betroffen sind sowohl die Städte als auch die Dörfer entlang der A24. Davon kann auch Adolf Koops, stellvertretender Bürgermeister in Kasseburg, ein Lied singen: „Bei mir waren sie auch an der Haustür. Die Einbrecher sind zwar nicht reingekommen, aber ich musste den Schließzylinder austauschen lassen.“

Ernst Jenner, Leiter der auch für die Umlandgemeinden zuständigen Polizeiwache an der Compestraße, war ebenfalls zur letzten Sitzung des Amtsausschusses in diesem Jahr gekommen. „Wir versuchen präsent zu sein – auch wenn sie uns nicht sehen“, erklärte Jenner den Bürgermeistern. Gemeinsam mit der Landespolizei gingen die Beamten vor Ort in einer operativen Aktion gegen die größtenteils bandenmäßig organisierten Kriminellen vor. „Wir versuchen ein wenig gegenzuhalten und hinter diese Strukturen zu kommen“, sagte Jenner, der mit Rücksicht auf die Ermittlungen nicht näher eingeht.

Für den Bereich der Polizeidirektion Ratzeburg liegen aktuelle Zahlen zu Einbruchsdiebstählen noch nicht vor. Sie werden erst im kommenden März im Rahmen der Kriminalitätsstatistik veröffentlicht. Einen Trend zu mehr Wohnungseinbrüchen dementierte Polizeisprecherin Kurz: „Wir gehen davon aus, dass sich die Zahlen auf dem Niveau der Vorjahre einpendeln werden.“ Von Januar bis Dezember 2011 gab es im Bereich der Polizeizentralstation Schwarzenbek, die für die Stadt und die umliegenden Dörfer zuständig ist, 39 Wohnungseinbrüche, davon 11 sogenannte Tageswohnungseinbrüche. Zum Vergleich: 2010 waren es insgesamt 47 Delikte und 13 Tageswohnungseinbrüche.

Wer sein Haus nachträglich gegen Einbrecher sichern will, muss mit Kosten in Höhe von mindestens 1500 Euro rechnen. „Das ist der Einstiegspreis für eine mechanische Nachrüstung mit neuen Beschlägen und Aufschraubsicherungen an Fenstern und Türen“, sagt Torsten Burmeister, Diplom-Ingenieur für Holztechnik und Chef der gleichnamigen Tischlerei an der Röntgenstraße. Als einer von wenigen Betrieben in der Region ist das Unternehmen als Sicherheitspartner der Polizei im Bereich Einbruchsprävention anerkannt. „Gerade im Herbst haben wir viel zu tun“, sagt Burmeister, der sich mit regelmäßigen Seminaren auf dem Laufenden hält.