Finanznot

Sparkurs des Kreises bedroht Jugend-Werkstatt

Foto: Anne Passow / Passow

Schwarzenbek. Die Werkstatt für benachteiligte Jugendliche in der Schefestraße muss womöglich Anfang 2014 schließen. Der Kreis kürzt dem Träger die Förderung um 92.000 Euro. Nun sucht der Werkstattleiter nach einem anderen Geldgeber.

So richtig zufrieden ist Joshua Radulovic nicht mit seinem Obstkorb. Tagelang hat der 19-Jährige dafür Holz gesägt, gebohrt, geschmirgelt und geschraubt – und nun steht da immer noch ein kleines Holzstück über. Das muss noch abgesägt werden findet Joshua, doch Werkserzieher Wolfgang Bortz hält ihn zurück. „Das sieht doch alles Klasse aus, lass gut sein“, sagt der 51-Jährige.

Zu viel Ehrgeiz zügeln – auch das muss der Werksleiter vom Internationalen Bund für Sozialarbeit (IB) in der Schefestraße 1 in Schwarzenbek manchmal. Dabei arbeitet er hier mit sogenannten sozial benachteiligten Jugendlichen. Und denen traut die Öffentlichkeit erst mal alles andere als Ehrgeiz zu. Bortz und seine Kollegin, die Sozialpädagogin Melanie Pfau (38), sind aber dazu da, genau den wieder in den Jugendlichen zu erwecken. Aktuell kommen zehn junge Menschen zwischen 15 und 20 Jahren in die IB-Werkstatt. „Sie sind irgendwo zwischen Schule und Ausbildung hängen geblieben, wir versuchen sie jetzt wieder in die Spur zu bringen“, sagt Pfau.

Das Problem: Anfang 2014 könnte die Werkstatt in der Schefestraße der Vergangenheit angehören. Denn im Zuge der Haushaltskonsolidierung soll der IB ab 2014 vom Kreis Herzogtum Lauenburg 92.000 Euro Förderung weniger bekommen. Die Folge: in Schwarzenbek oder Ratzeburg muss eine Einrichtung schließen. Beide Werkstätten bieten jeweils zehn normale plus zwei Jugendgerichtshilfe-Plätze. „Im Moment versuchen wir noch andere Geldgeber zu finden. Aber wir haben nicht all zu große Hoffnungen“, sagt Pfau – eine Tragödie für viele junge Menschen, die dann wohl durchs Netz fallen werden.

Denn der IB fängt die jungen Menschen auf, die es bereits bei anderen Einrichtungen nicht geschafft haben. „Viele haben keinen Schulabschluss und sind dann noch aus Wiedereingliederungsmaßnahmen des Jobcenters oder des Jugendaufbauwerks rausgeflogen“, sagt Pfau. In der Schefestraße arbeiten die Jugendlichen mit Metall oder Holz. „Vor allem geht es aber darum, ihnen beizubringen, pünktlich da zu sein, verlässlich zu arbeiten, sich abzumelden, wenn sie mal krank sind“, sagt Bortz. Die jungen Menschen dahin zu bringen, ist gar nicht so einfach. Denn viele der jungen Menschen haben Zeit ihres Lebens Spannung in der Familie und Misserfolge in der Schule erlebt. „Wenn man immer gesagt bekommt, dass man sowieso nichts kann, dann glaubt man das irgendwann auch“, macht Bortz klar. Das mangelnde Selbstbewusstsein der Jugendlichen zeigt sich nicht selten durch eine Verweigerungshaltung oder durch Aggressivität.

Mit der richtigen Mischung aus Verständnis und Härte versuchen Bortz und Pfau den Jugendlichen zu zeigen, dass sie eben doch etwas erreichen können, wenn sie beginnen, an sich selbst zu arbeiten. „Wir stellen zusammen Gebrauchsgegenstände aus Holz her, reden während der Arbeit über Probleme oder über schöne Dinge und ab und an machen wir auch eine Radtour oder fahren an die Ostsee“, so Bortz. Was ihn immer wieder erstaunt: „Es gibt dann immer wieder junge Menschen, die noch nie länger auf dem Rad gesessen haben oder die noch nie am Meer waren.“

Wenn er dann sieht, wie gut seinen Jungs und Mädels diese neue Erfahrung tut, wenn er sieht, wie nach und nach das Selbstbewusstsein und der Wille, im Leben etwas zu schaffen, in ihnen wächst, wenn er dann noch sieht, dass sie tatsächlich den Einstieg in eine Ausbildung oder in eine Maßnahme des Jobcenters schaffen, dann weiß Bortz, dass sich die Arbeit mit den jungen Menschen wieder gelohnt hat.