Fahrrad-Klau

Millionenschaden durch Fahrraddiebe

Schwarzenbek/Geesthacht. Fahrraddiebstähle sind an der Tagesordnung, die Aufklärungsquote ist gering. Meist werden die Räder am hellichten Tag und auf Bestellung geklaut. Nur ein schwacher Trost: Gute Schlösser werden immer sicherer und die Bedienung immer einfacher.

Sie kommen in der Nacht und am helllichten Tag, setzen Bolzenschneider, Akku-Flex oder Säge an und entkommen meistens unerkannt: Fahrraddiebe schlagen in Deutschland täglich fast 1000 Mal zu, richten dabei einen Schaden von rund 150 Millionen Euro an. Die Aufklärungsquote ist gering, sie bewegt sich meist im einstelligen Bereich.

Das bestätigt auch Geesthachts Polizeichef Thomas Specht: „Im Jahr 2011 sind 185 Fahrräder gestohlen worden. Nur 3,2 Prozent der Fälle konnten aufgeklärt werden.“ Diebe würden selten auf frischer Tat ertappt und der Diebstahl oft nur angezeigt, wenn das Fahrrad versichert ist.

„Wir versuchen, an den Diebstahlschwerpunkten wie zum Beispiel dem ZOB oder der Fußgängerzone präsent zu sein“, sagt Specht. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass im Juni deutlich weniger Räder (15 Stück) gestohlen wurden, als noch im April und Mai (41 Stück).

Auf der anderen Seite werden die Diebe immer erfinderischer. „Neulich konnten wir einen Mann festnehmen. Er hatte Nagelscheren dabei. Wir vermuten, dass er diese nutzt, um die vielen dünnen Drähte von Spiralschlössern einzeln zu durchtrennen“, sagt Specht. Er weiß, dass die Diebe überwiegend aus der Drogenszene kommen, oft mitten am Tag und mitten in der Bummelmeile zuschlagen. „Gestohlen werden Räder ab der oberen Mittelklasse, oft auf Bestellung. Der Abnehmer steht vorher fest.“ Hamburg sei eine Hochburg der Fahrrad-Hehler.

So einen Fall hat auch die Schwarzenbeker Polizei vor kurzem aufgeklärt. Ein 22-Jähriger aus der Stadt hatte gemeinsam mit fünf drogensüchtigen Freunden 30 Fahrräder gestohlen, um Heroin zu kaufen. Insgesamt gab es im Kreis Herzogtum Lauenburg im Vorjahr 951 Fahrraddiebstähle – ein Plus von 62,8 Prozent gegenüber 2010 (584 Fälle). Aktuell wurden in diesem Jahr von Januar bis Mai bereits 165 Fahrräder gestohlen.

Die Zahlen dürften aber jetzt steigen: „Im Sommer schlagen die Fahrraddiebe öfter zu“, weiß Polizeikommissar Andreas Lojek von der Lauenburger Polizeistation. Die Ermittlungen gestalteten sich mitunter schwierig, weil die Geschädigten nur vage Angaben zu ihren gestohlenen Rädern machen und sich manchmal nicht mal an die Farbe erinnern könnten. Lojek rät: „Einfach das Fahrrad fotografieren und auf der Rückseite des Bildes Rahmennummer und eventuelle Besonderheiten des Rades notieren.“ Fahrräder, die die Polizei auffindet und die sich keiner Diebstahlsanzeige zuordnen lassen, werden bei den Bauhöfen gelagert und nach etwa einem halben Jahr versteigert.

Dieben ein Schnippchen schlagen

„Wenn Fahrradhändler Stefan Klama seinen „Cruiser“ der Marke Felt vor seinem Laden an der Berliner Straße abstellt, schließt er das Rad mit einem Gliederschloss ab. Wie ein Zollstock wird das rund 70 Euro teure Schloss auseinandergefaltet, um Rahmen und Reifen gelegt und abgeschlossen.

„Profis kommen mit der Akku-Flex und haben auch so ein Schloss in zwei Sekunden geöffnet“, sagt Klama. Doch Gelegenheitsdiebe, die mit einem Seitenschneider in der Hosentasche nach lohnenden Objekten Ausschau halten, machten um ein so gesichertes Fahrrad einen Bogen, sagt der Experte. Auch Spiralschlösser aus mehrfach gedrehten Stahlseilen sowie mit Textilgewebe ummantelte Kettenschlösser böten einen guten Schutz.

Auch Björn Zimmermann, Zweirad-Mechaniker bei Fahrrad Krispin an der Lauenburger Straße empfiehlt seinen Kunden Glieder – oder Panzerschlösser. „Anders als die früher üblichen Bügelschlösser sind die viel flexibler und in der Handhabung einfacher“, sagt Zimmermann. Als Faustregel gelte, dass ein Schloss rund zehn Prozent des Fahrradpreises kosten soll. „Ich frage aber immer, was der Kunde mit dem Fahrrad machen will: Wer ein Mountainbike oder Rennrad einzig als Sportgerät nutzt, braucht kein Schloss.“ Zimmermanns Highlight ist das „Flash-Light“: Ein Zahlenschloss, dessen Ziffernblock dank Leuchtdiode auch im Dunkeln zu bedienen ist.

Und für Menschen, die öfter mal den Schlüssel verlegen, empfiehlt er ein Kombischloss mit Schlüssel und Zahlencode. Beide Fahrradverkäufer empfehlen zudem eine Codierung: Dabei wird eine Nummer in den Rahmen gestanzt und in einer bundesweiten Datei eingetragen. Versicherungen und die Polizei bieten derartige Aktionen an. Bei der Polizei gibt es auch den Fahrradpass: Hier können Besitzer die vom Hersteller vergebene Rahmennummer – meist auf der Unterseite des Tretlagers – eintragen.