EHEC und Dioxin

Sind unsere Lebensmittel gefährlich?

Foto: Stefan Huhndorf

Schwarzenbek. Dioxin in Eiern, EHEC auf Sprossen und Antibiotika in der Tiermast. Verbraucher sind verunsichert und haben schlichtweg Angst. Gift gibt es überall, es kommt nur auf die Dosis an, meint Risikoforscher Professor Andreas Hensel.

„Die Menschen rasen mit Rädern beim ‚Downhill' Berge hinunter, donnern über die steilsten Skipisten talabwärts, haben aber Angst ein Schnitzel vom Holzkohlegrill zu essen“, sagte Professor Andreas Hensel gestern beim Kreisbauerntag in Schröders Hotel. Mit viel Engagement erläuterte der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, wie unterschiedlich Menschen auf scheinbar kontrollierbare Gefahren und die Sorge vor Dioxin, EHEC und Antibiotika in der Tierzucht reagieren.

Das Thema bewegt die Verbraucher nach den Lebensmittelskandalen der vergangenen Jahre. „Lebensmittel brauchen Vertrauen. Schlechte Erfahrungen erschüttern dieses Vertrauen für lange Zeit“, sagte Pröpstin Frauke Eiben in ihrem Grußwort. Außerdem stünden die Produzenten in einer Discount-Gesellschaft vor dem Problem eines enormen Preisdrucks. Hinzu komme, dass erschreckend viel Lebensmittel in privaten Haushalten weggeworfen werden, so die Pröpstin.

Ein Grund dafür sind die niedrigen Preise im Land: Aktuell würden Familien in Osteuropa 30 bis 40 Prozent ihres Haushaltseinkommens für Lebensmittel ausgeben, in Deutschland sind es nur 10 Prozent, so Hensel. „Es hat sich ohnehin viel gewandelt. Im ersten Winter nach dem Zweiten Weltkrieg sind in Deutschland noch 40000 Menschen verhungert, heute ist das kein Thema mehr. Es geht nicht mehr darum, satt zu werden, sondern eine große Auswahl zu niedrigen Preisen zu haben“, sagte der Wissenschaftler. Allerdings haben auch die Ängste vor ungesunder Nahrung zugenommen. „Es gibt kein Lebensmittel, in dem kein Dioxin vorkommt. Das ist auch nicht entscheidend. Wichtig ist die Dosis“, so der Professor. So seien beispielsweise vor einigen Jahren in hochpreisigen französischen Rotweinen (200 Euro pro Flasche) Spuren von Pflanzenschutzmitteln festgestellt worden. „Das ist ganz normal. Weinreben kommen nun mal mit Pflanzenschutzmitteln zusammen. Um die gesundheitsschädlichen Grenzwerte zu erreichen müsste man aber in diesem Fall 50000 Jahre lang jeden Tag vier Liter Wein trinken“, so Hensel.

Ähnlich sei es bei dem Dioxin, das kürzlich in Eiern festgestellt wurde. „Es handelte sich um 18 Eier mit erhöhten Werten. Selbst wenn ein Mensch alle gegessen hätte, wäre das kein Problem gewesen.“ Ursache vieler Lebensmittelvergiftungen oder Erkrankungen sei stattdessen mangelnde Hygiene in privaten Küchen. Hensel: „Besonders gefährlich sind nicht gereinigte Schneidebretter oder Messer. Wer hier auf Hygiene achtet und Fleisch durchbrät, ist auf der sicheren Seite.“