Fahndung

Andrang bei DNA-Untersuchung

Schwarzenbek. Erfolgreicher Auftakt für die große DNA-Reihenuntersuchung der Polizei in Schwarzenbek: "Zeitweise gab es sogar eine Warteschlange bei der Anmeldung“, berichtete Geesthachts Kripochef Jürgen Alfke. Die Polizei will mit dem Gentest bei über 1000 Männern einen Vergewaltiger überführen.

Erfolgreicher Auftakt für die große DNA-Reihenuntersuchung der Polizei in Schwarzenbek: „Wir hatten bereits um 14 Uhr, eine Stunde vor dem offiziellen Start, den ersten Freiwilligen hier, der eine Speichelprobe abgeben wollte. Zeitweise gab es später sogar eine Warteschlange bei der Anmeldung“, berichtete Geesthachts Kripochef Jürgen Alfke.

Insgesamt hat die Polizei 1102 Männer im Alter zwischen 34 und 54 Jahren in die Aula des Gymnasiums an der Buschkoppel eingeladen. Auch heute und morgen sind die Polizisten vor Ort, um den Freiwilligen eine Speichelprobe abzunehmen. Mithilfe der DNA-Untersuchung will die Polizei einen Täter ermitteln, der vor vier Jahren eine Frau in ihrer Wohnung vergewaltigt hatte. Der Mann hatte an der Tür des Hauses, in dem die Frau mit ihrer Familie lebte, geklingelt und sich als Kurierfahrer ausgegeben. So verschaffte er sich Zutritt. Dann drängte er die Schwarzenbekerin ins Schlafzimmer und fiel dort über sie her.

„Ich freue mich, dass so viele Männer unsere Ermittlungen unterstützen“, sagte Alfke. Je mehr DNA-Proben die Polizei bekommt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Vergewaltiger schnappt. Die Erfahrung, so Alfke, habe gezeigt, dass entweder der Täter selbst zur Speichelabgabe erscheint, oder der Kreis der Männer, die nicht teilnehmen, so übersichtlich wird, dass weitere Ermittlungen Erfolg brächten.

Die Männer aus Schwarzenbek und Umgebung, die die Polizei eingeladen hat, gelten als unschuldig. Durch ihre Teilnahme an der Reihenuntersuchung helfen sie, den Vergewaltiger bestimmen zu können. „Mir ist daran sehr gelegen. Meine Frau ist Hausfrau. Ihr könnte so etwas auch passieren. Ich finde es abscheulich, dass sich der Täter als Paketbote ausgegeben und dann eine wehrlose Frau vergewaltigt hat“, sagte Karl-Heinz Barner. Der 51-Jährige gab am Freitagnachmittag seine Speichelprobe ab, um der Polizei bei ihren Ermittlungen zu helfen.

„Uns ist natürlich klar, dass es Vorbehalte gegenüber der Maßnahme gibt. Aber wir sind für Gespräche offen und wollen mit Überzeugungsarbeit dazu beitragen, möglichst alle eingeladenen Männer zum Mitmachen zu bewegen“, sagte Alfke. Außer Beamten von seiner Dienststelle sind auch Polizisten vom Landeskriminalamt, die die technische Umsetzung der anonymen Reihenuntersuchung entwickelt hatten, sowie Polizisten des Ausbildungskommissariats dabei.

An drei Tischen werden den angemeldeten Männern die Speichelproben aus der Mundhöhle entnommen. Ein schmerzfreies Prozedere, das nur zwei Minuten dauert.

„Für mich ist es selbstverständlich, hier dabei zu sein und mitzuhelfen“, sagte Mario Lovric. Der 35-Jährige gab seinen Ausweis bei der Anmeldung zur Personalienüberprüfung einem Beamten, war dann an der Reihe. Nach kurzer Einweisung, wie die Speichelentnahme abläuft, war die Aktion für ihn auch schon gelaufen. „Ich hatte von der Maßnahme schon in der Zeitung gelesen, war dann aber doch überrascht, als ich die Einladung der Polizei in der Post hatte“, sagte Marco Gehrke. Der 42-Jährige passt ins Profil, das die Beamten des Landeskriminalamts für den Vergewaltiger ermittelt hatten. Die Polizei ist überzeugt, dass der Täter aus Schwarzenbek kommt und etwa 40 Jahre alt ist. Vermutlich hatte der Vergewaltiger sein Opfer vor der Tat beobachtet.

Die Polizei wird die Speichelproben in Kiel auswerten lassen. „Das Verfahren ist anonym und mit dem Datenschutzbeauftragten abgestimmt“, so Alfke. Die Röhrchen, in denen die Speichelproben stecken, haben einen Strichcode, der den Einverständniserklärungen der Männer zugeordnet ist. Alles, was beim Vergleich mit der Täterspur negativ ist, wird sofort vernichtet. Bei einem Treffer werden die Codes zugeordnet.

Genetischer Fingerabdruck

Für die Kriminologie sind die genetischen Fingerabdrücke von unschätzbarem Wert: Damit können lebende oder tote Personen identifiziert werden. Sie erlauben zu bestimmen, ob ein Täter zu einem Tatort passt oder ob einzelne Leichenteile zueinander gehören. Aber ein genetischer Fingerabdruck klärt im Zweifelsfall auch die Frage: Wer ist der Vater? Ausgangspunkt ist die Erbsubstanz, die Desoxyribonukleinsäure, kurz DNS (im Englischen DNA). Sie ist ein langes, spiralig gedrehtes Molekül, auf dem unsere Erbinformationen, die Gene, angesiedelt sind. Beim genetischen Fingerabdruck wird die DNS zerlegt. Dies geschieht mit Enzymen, einer Art „chemischer Schere“. Dabei entstehen unterschiedlich lange Bruchstücke. Sie lassen sich nach ihrer Größe auftrennen und mithilfe von radioaktiven Sonden sichtbar machen.

Das Resultat ist eine Art Streifenmuster wie der Strichcode auf einer Safttüte, bei dem jeder Streifen einem DNS-Fragment bestimmter Länge entspricht. Diese Muster sind genau so einmalig wie ein Fingerabdruck. Kein Mensch stimmt in diesem Muster mit einem anderen überein. Quelle: „Planetwissen“