DNA-Test

Nach Vergewaltigung: 1102 Männer sollen zum Test

Schwarzenbek. Zum zweiten Mal in der Stadtgeschichte soll jetzt ein Massen-DNA-Test helfen, ein Verbrechen aufzuklären. Der letzte Ermittlungserfolg dieser Art liegt 10 Jahre zurück, damals konnte ein Mörder gefasst werden. Heute hofft die Polizei, einen Vergewaltiger fassen zu können.

Die Tat liegt schon fast vier Jahre zurück – aber jetzt soll eine DNA-Reihenuntersuchung helfen, einen Vergewaltiger zu überführen. Die Polizei will in den kommenden Wochen Speichelproben von 1102 Männern in Schwarzenbek nehmen und analysieren, um über den genetischen Fingerabdruck der Männer einen eindeutigen Täter identifizieren zu können. Nach der Vergewaltigung konnten Spuren gesichert werden. „Alle unseren anderen Bemühungen, einen Tatverdächtigen zu ermitteln, waren bisher erfolglos“, erklärt Kripochef Jürgen Alfke.

Nun soll zum zweiten Mal in der Schwarzenbeker Stadtgeschichte eine Reihenuntersuchung von Genmaterial helfen, einen Kriminalfall zu klären. Schon vor zehn Jahren konnte dank eines Massen-DNA-Tests eine Straftat geklärt werden. Damals schnappte die Polizei einen Doppelmörder, nach dem zuvor zwei Jahre lang vergeblich gesucht worden war. Es war die erste groß angelegte DNA-Untersuchung in Schleswig-Holstein. Vier Wochen hatte es im Frühjahr 2002 gedauert, die Speichelproben von 700 Männern zu analysieren. Dann konnte der Mörder gefasst werden.

Der Fall: Nachdem Angehörige im Mai 2000 längere Zeit keinen Kontakt mehr zu Irmgard und Günter Casper, die damals im Hochhaus am Verbrüderungsring 5 lebten, aufnehmen konnten, wurde die Polizei informiert. Die ließ die Wohnungstür des Ehepaares im siebten Obergeschoss öffnen und entdeckte in zwei Zimmern die blutüberströmten Leichen der 71 Jahre alten Senioren. Die Lübecker Mordkommission ermittelte mit Hochdruck, fand schnell heraus, dass die Opfer ihren Mörder selbst in die Wohnung gelassen haben müssen. In dem Hochhaus hatte aber niemand einen Verdächtigen bemerkt. Gestohlen wurde in der Wohnung der Senioren nichts.

Als selbst ein Filmbeitrag in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY-ungelöst“ keine neuen Hinweise brachte, startete die Polizei eine DNA-Reihenuntersuchung. Fast 700 Männer aus der Nachbarschaft im Alter zwischen 25 und 50 Jahren wurden von der Polizei schriftlich aufgefordert, eine Speichelprobe abzugeben. Es war ein erster Versuch mit dieser vor zehn Jahren noch recht neuen Methode der Spurenanalyse. In den Landeskriminalämtern in Kiel und Stuttgart wurden die Proben untersucht und mit dem genetischen Fingerabdruck, der am Tatort gesichert werden konnte, verglichen.

Schließlich führte „Spur 116“ zum Erfolg. Die Probe stammte von einem damals 42 Jahre alten Mann, der 17 Jahre Tür an Tür mit Irmgard und Günter Casper gelebt hatte. Er hatte die Speichelprobe schon am zweiten Tag der Aktion freiwillig abgegeben. Ende März klickten die Handschellen. Die Polizei verhaftete den Mitarbeiter einer Wachschutz-Firma an seinem Arbeitsplatz – dem Bundeswehr-Depot in Glinde. Der Mann gestand, das Ehepaar mit 45 Messerstichen getötet zu haben. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Auf einen ähnlichen Erfolg hofft die Polizei auch diesmal. Am Freitag, den 17. Februar (15 bis 19 Uhr), Sonnabend, den 18. Februar (10 bis 19 Uhr) und Sonntag, den 19. Februar (9 bis 16 Uhr) sollen die von der Polizei schriftlich eingeladenen Männern zur Speichelabgabe ins Gymnasium an der Buschkoppel kommen.

Die Abteilung für operative Fallanalyse des Landeskriminalamtes hatte zusammen mit der Geesthachter Kripo den Fall untersucht. Ergebnis: Es dürfte sich um einen örtlichen Täter handeln, der sein Opfer ausspioniert hatte und der nur ein einziges Mal aktiv war. Der Mann spricht deutsch und war zur Tatzeit 30 bis 50 Jahre alt.

„Der Mann klingelte am 12. März 2008 morgens an der Tür eines Mehrfamilienhauses und gab sich über die Gegensprechanlage als Paketbote. Als ihm die damals 39 Jahre alte verheiratete Mutter die Tür ihrer Wohnung öffnete, drängte er die Frau ins Schlafzimmer und vergewaltigte sie“, so Alfke. Danach flüchtete der Mann. Ein Fahndungsaufruf mithilfe eines Phantombildes brachte keinen Erfolg. Weil die Beschreibung durch das Opfer möglicherweise nicht ganz so gut war, verzichtet die Polizei jetzt darauf, den Täter konkreter zu beschreiben. Jetzt sollen ihn seine einzigartigen Körpermerkmale eindeutig überführen.

Die Speichelproben werden aus der Mundhöhle mit Hilfe eines Wattestäbchens entnommen. Das wird dann anonym beim Landeskriminalamt untersucht. „Wir sammeln nur für diesen Fall die Daten. Was nicht zur von uns gesicherten Täterspur passt, wird gelöscht“, sagt Alfke. Datenschutz wird dabei großgeschrieben.

Zur Untersuchung müssen die angeschriebenen Männer ihre Einwilligungserklärung und den Personalausweis mitbringen. Nach der Überprüfung der Daten wird dann die Speichelprobe entnommen. Eine Sache von wenigen Augenblicken. „Wie lange die Aktion insgesamt dauert, können wir noch nicht sagen“, sagt Felix Schmidt von der Kripo. Und sollte unter den 1102 Männern, die jetzt um Mitarbeit gebeten werden, kein Treffer dabei sein, soll die Aktion in einem größeren Radius um Schwarzenbek herum ausgedehnt werden. Ich bin zuversichtlich, dass der Täter gefunden wird“, sagt Schwarzenbeks Bürgermeister Frank Ruppert.