Vergewaltigung

Verbrechen ohne Strafe?

Foto: Anja Eggert / Eggert

Schwarzenbek. Es ist ein Trauma für die betroffenen Frauen: Vergewaltigung. Nur fünf Prozent der Opfer zeigen die Täter an, nur jeder fünfte Angeklagte Vergewaltiger wird verurteilt.

Vergewaltigt, traumatisiert und trotzdem klar denken? Für viele Mädchen und Frauen ist das nicht möglich – nur 5 Prozent der Opfer erstatten überhaupt Anzeige, die meisten wollen es einfach vergessen. Und wenn sie es tun, können sie schon vieles falsch gemacht haben, was ihre Glaubwürdigkeit im späteren Verfahren vermindert.

„Eine Beratung ist der erste richtige Schritt zur Bewältigung der erfahrenen Gewalt“, so Sabine Wöhl vom Verein „Hilfe für Frauen in Not“ in Schwarzenbek. Zusammen mit ihrer Kollegin Ulrike Lappat und der Schwarzenbeker Gleichstellungsbeauftragten Petra Michalski moderierte sie die Informationsveranstaltung „Strafanzeige bei Vergewaltigung – Ja oder Nein?“ im Amtsrichterhaus – ein Thema, das viele interessierte, wie sich auch an den konkreten Fragen des Publikums zeigte.

„Vergewaltigungsopfer dürfen nicht erwarten, dass mit der Anzeige der mutmaßliche Täter gleich festgenommen wird“, erläuterte Nina Schwampe. Sie ist eine von fünf Sachbearbeitern (drei Frauen und zwei Männer) für Sexualdelikte der Kripo in Geesthacht zuständig.

Eine Anzeige macht nach Ansicht der Referentinnen Sinn, wenn die Tat noch nicht lange zurückliegt, Spuren gesichert wurden und sich das Opfer Klärung und Aufarbeitung verspricht. Das weitere Lebensglück dürfe aber nicht von einer Verurteilung abhängen. Denn in nur etwa 20 Prozent der angezeigten Fälle komme es zu einer Verurteilung.

„Widerstand und Beweise sind letztendlich die wichtigsten Bausteine, um eine Verurteilung des Täters zu erreichen“, erläutert Birgitta Brunner, Fachanwältin für Familienrecht in Mölln und Vertreterin von Gewaltopfern. „Wer sich nicht wehrt, hat schlechte Karten vor Gericht.“ Zur Sicherung der Beweislage für eine spätere Anzeige bietet der Weiße Ring eine kostenlose anonyme Spurensicherung durch die Rechtsmedizin an.

Vertrauenspersonen von Vergewaltigungsopfern sollten niemals über den Kopf des Opfers hinweg Anzeige erstatten. „Damit wäre dem Opfer wieder die Kontrolle aus der Hand genommen“, so Zeugenbegleiterin Hanna Falk.

Hier finden Opfer Hilfe: Hilfe für Frauen in Not e.V., Tel: (04151) 81306.