Anwohnerprotest

Nachbarn in Reinbek kritisieren Neubauprojekt

Die Anwohner Rolf Wessel (von links), Janet Weise und Steven Lemmermann begutachten kritisch die Pläne vor dem Grundstück, auf dem ein Mehrfamilienhaus abgerissen und ein neues errichtet werden soll.

Die Anwohner Rolf Wessel (von links), Janet Weise und Steven Lemmermann begutachten kritisch die Pläne vor dem Grundstück, auf dem ein Mehrfamilienhaus abgerissen und ein neues errichtet werden soll.

Foto: Pia Borchers / pia Borchers

Sondergenehmigung für Bauherren befürchtet – während die Politik neue Bebauungspläne für weitere Stadtteile fordert.

Reinbek. Ein Bauvorhaben an der Stettiner Straße 15 sorgt für Ärger unter den Anwohnern. Dort will ein Investor ein Mehrfamilienhaus mit 14 Wohnungen errichten lassen. Laut der Fraktion Forum 21, die sich in einem Antrag dafür ausspricht, dass der dort geltende Bebauungsplan eingehalten wird, hat der Bauherr Befreiungen von den dortigen Auflagen beantragt. So wolle er die zulässige Geschossflächenzahl von 0,6 auf 0,72 erhöhen. Dadurch würde er gleichzeitig die geltenden Baugrenzen überschreiten. Außerdem möchte er statt des dort festgesetzten Satteldaches ein Flachdach errichten.

Forum 21 will durchsetzen, dass keine Befreiungen zugelassen werden. „Sonst würde sich das Ortsbild und der Siedlungscharakter maßgeblich verändern.“ Die Sonderwünsche würden in keinerlei Weise der übrigen Bebauung im Plangebiet entsprechen. „Es ist zu befürchten, dass im Zuge der Gleichbehandlung künftig auch auf weiteren Flächen im Geltungsbereich Abweichungen vom Bebauungsplan Nummer 51 zugelassen werden müssten“, heißt es in der Antragsbegründung. Genau diesen Wildwuchs aber versucht die Politik gerade in anderen Stadtteilen Reinbeks wie in Prahlsdorf oder in Hinschendorf zu verhindern, indem sie dort langfristig überhaupt erst Bebauungspläne aufstellen will.

Bebauungsplan ist geltendes Recht

Der Gedanke, dass der Bauherr von Vorgaben aus dem Bebauungsplan befreit werden könnte, missfällt auch den Nachbarn. Rolf Wessel stört, dass das Gesetz nicht eingehalten werden soll. „Das geht doch nicht!“, sagt er. „Im Bebauungsplan sind nur Satteldächer und zweistöckige Gebäude vorgesehen. Das neue Haus soll ein Flachdach haben und dreistöckig werden.“ Er habe versucht, mit dem Bauamt zu reden. „Die haben sich das Grundstück doch noch nicht einmal angeschaut“, bemängelt er. Den Bauherren habe man ihm aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht nennen wollen. Seine Fragen, warum es kein Satteldach geben soll und warum die Geschossflächenzahl überschritten werden muss, blieben unbeantwortet. „Die Stadt Reinbek und die Baurechtsbehörde haben sich zuerst an geltendes Recht und Gesetze zu halten“, betont er. Die Interessen eines Bauherren seien diesen unterzuordnen.

Außerdem weist er auf die zusätzliche Versiegelung des Grundstücks hin. „Das bedeutet, dass unsere Keller mit Wasser vollaufen werden“, ist er überzeugt. „Eigentlich müsste dagegen mein komplettes Grundstück erhöht werden.“

Anwohner fürchten um ihre Privatsphäre

Steven Lemmermann aus der Nachbarschaft kritisiert: „Für das Staffelgeschoss ist eine Dachterrasse geplant, die für alle zugänglich ist. Meine Privatsphäre wird dadurch total eingeschränkt, alle können mir dann ins Haus schauen. Zudem sind nur elf neue Parkplätze geplant. Wenn die Bewohner des neuen Hauses mehr Autos haben oder Besuch bekommen, wird hier alles zugeparkt, wir haben doch jetzt schon viel zu wenige Parkplätze.“

Auch Dieter Ruddigkeit (85) ist besorgt: „Meine Frau Elvira und ich wohnen hier schon seit 1964“, sagt er. „Vielleicht werden wir unser Grundstück mal verkaufen oder unsere Kinder, jetzt wird unser Grundstück an Wert verlieren. Hier geht es doch nicht um die Anwohner, hier geht es nur noch um Profit!“ Die Nachbarn fürchten um den Charakter ihres Stadtteils, weil nach jeder Sondergenehmigung weitere Investoren Anspruch auf Gleichbehandlung haben.

Bauamt: Nachbarschaftsbeteiligung läuft

Bauamtsleiter Sven Noetzel versteht den Unmut nicht, möchte sich aber aus Datenschutzgründen nicht im Detail äußern. „Es gibt keine Sondergenehmigung. Das ist falsch“, betont er. „Denn es gibt zwar einen Bauantrag, eine Genehmigung liegt jedoch noch nicht vor.“ Die laufende Nachbarschaftsbeteiligung sei noch nicht abgeschlossen. Dafür würden die Eigentümer, deren Rechte berührt werden, angeschrieben. Diese haben weiter die Möglichkeit, Stellungnahmen abzugeben.

Der Forum-21-Antrag wird am Dienstag, 15. September, im Bauausschuss beraten. Die Sitzung beginnt 19.30 Uhr im Sachsenwald-Forum (Hamburger Straße 4-8).