Immobilie

Käufer für Rowohlt-Gebäude in Reinbek gefunden

Das Gebäude des Rowohlt-Verlages in Reinbek steht seit 2019 leer.

Das Gebäude des Rowohlt-Verlages in Reinbek steht seit 2019 leer.

Foto: Susanne Tamm

Seit etwas über einem Jahr steht der ehemalige Verlagssitz in Reinbeks Zentrum leer. Das soll sich in absehbarer Zeit ändern.

Reinbek. Seit Frühling 2019 ist der einstige Sitz des Rowohlt-Verlags zwischen den Straßen Völckers Park und Böge verwaist, weil der Verlag ins Bieberhaus am Hamburger Hauptbahnhof gezogen ist. Fast 60 Jahre hat der Verlag Reinbeks Innenstadt geprägt. Der größtenteils 1961 erbaute Komplex ist seit Dezember 2003 sogar denkmalgeschützt. Inzwischen steht das Ensemble seit über einem Jahr leer.

Verleger Ernst Rowohlt (1887–1960) hatte 1946 seinen Betrieb in Hamburg wiedergegründet. Sein Sohn Heinrich Maria Ledig-Rowohlt hatte 1950 das im Zeitungsdruck entstandene Taschenbuch in Deutschland eingeführt. 1960 verlegte er den Verlagssitz nach Reinbek. Mit dem neuen Verlagsgebäude beauftragte er den Hamburger Professor Fritz Trautwein (1911–1993), dessen Bauten wie etwa die Grindelhochhäuser in Hamburg , der Ruderclub Hammonia an der Außenalster oder zahlreiche U-Bahnbauten zu den bedeutenden Werken der Nachkriegsarchitektur in Deutschland zählen.

Zwei Unternehmen kaufen das Rowohlt-Ensemble

Eine Architekturform wie die in Reinbek war bis dahin in Schleswig-Holstein unbekannt: Entlang einer zentralen Achse wurden eingeschossige Flachbauten in Beton und Stahlbeton errichtet. Verschiedene Dachneigungen wechseln einander ab, weiß gestrichenes Mauerwerk kontrastiert mit hohen Fensterflächen. Zwischen 1968 und 1970 entstand im zweiten Bauabschnitt ein zweigeschossiger Kubus mit Innenhof als Stahlskelettkonstruktion mit vorgehängter Glasfassade am Völckers Park 11.

Über die Zukunft der Immobilie ist bislang wenig bekannt. Bürgermeister Björn Warmer hat den Fraktionen nur mitgeteilt, dass es einen Nachfolger für den Rowohlt-Verlag gebe. Nach Informationen der Bergedorfer Zeitung haben zwei seriöse, lokale Akteure die Gebäude von dem Schweizer Eigentümer gekauft, der Kaufprozess sei bereits weit fortgeschritten. Große Veränderungen an dem Objekt mitten in der Stadt soll es nicht geben. Schon rechtlich ist nicht jede Nutzung möglich.

Denkmalschutzregeln müssen eingehalten werden

„Ich bin selbst gespannt, wer dort einziehen wird“, sagt Günter Herder-Alpen, Vorsitzender der Grünen-Fraktion. „Uns war nur wichtig, dass die Denkmalschutzregeln eingehalten werden sollen. Diese Frage hat der Bürgermeister mit Ja beantwortet. Daher gehe ich davon aus, dass wir keine Umbauten oder Abrisse zu erwarten haben, die hinterher nicht mehr an Rowohlt erinnern werden.“

FDP-Fraktionschef Bernd-Uwe Rasch sagt: „Das ist Privatbesitz, und wir spinnen nicht in die Zukunft.“ Ähnlich hält es der Fraktionsvorsitzende von Forum 21, Heinrich Dierking. Er ergänzt jedoch, Warmer habe im Gespräch angedeutet, nach den Sommerferien sei mit einer Verkaufsentscheidung zu rechnen. „Und, dass es etwas Gutes für Reinbek sein könnte“, so Dierking. Er betont, die Stadt habe weder Geld, die Immobilie zu kaufen noch eine „Möglichkeit zu entscheiden, was dort geschieht und was nicht“. Er hoffe, dass eine „sinnvolle und verträgliche Nachnutzung“ gefunden werde.

Große Verkehrsströme wären problematisch im Zentrum

„Meines Wissen ist man dort mit Interessenten für eine ähnliche Nutzung in Verhandlungen“, sagt Patrick Ziebke, Fraktionsvorsitzender der CDU. Allzu große Eingriffe in das Ensemble seien ohnehin nicht möglich, da es unter Denkmalschutz stehe. „Im Idealfall sollte die Nachnutzung keine großen Verkehrsströme verursachen, denn das könnte Reinbek dort nicht verkraften“, sagt Patrick Ziebke. Denn die Straße Völckers Park ist eine Einbahnstraße, die Straße Böge eine Sackgasse mit Wohnbebauung. Der fraktionslose Stadtverordnete Klaus-Peter Puls kann sich am Völckers Park nur nicht störendes Gewerbe vorstellen, etwa Dienstleistungsunternehmen.

Henry Kern, Vize der SPD, berichtet, dass sich auch seine Fraktion mit der Zukunft der Immobilie beschäftigt habe. „Bei der Größe der Fläche wäre es natürlich schön, wenn sich dort ein Gewerbesteuerzahler ansiedeln würde“, sagt er. „Groß verändern lässt sich der Komplex wegen des Denkmalschutzes nicht. Daher gehen wir davon aus, dass die Nutzung für die benachbarte Wohnbebauung verträglich ist.“ Auch seine Fraktion habe weder den Namen des Unternehmens noch die Branche erfahren.

Im Herbst 2018 hatte es zuletzt Gerüchte um einen Umzug des Mineralölkonzerns Jet von Hamburg nach Reinbek gegeben. Eine mögliche Immobilie für die 200 Mitarbeiter wäre das frei werdende Rowohlt-Gebäude gewesen.