Senkung der Mehrwertsteuer

So gehen Reinbeker Einzelhändler mit der Steuersenkung um

Fahrradhändlerin Margret Rißmann zeichnet ihre Preise von Hand um.

Fahrradhändlerin Margret Rißmann zeichnet ihre Preise von Hand um.

Foto: Imke Kuhlmann

Deutlicher Mehraufwand für Reinbeker Einzelhändler durch die Senkung der Mehrwertsteuer. Gewerbebund: „Keine gute Lösung.“

Reinbek.  „Wir sind von der geplanten Mehrwertsteuersenkung nicht begeistert“, sagt Angela Aldenhövel vom Dessous-Fachgeschäft „Kuck mal“. Die Ware, die am 1. Juli im Geschäft ist, sei mit 19 Prozent Mehrwertsteuer eingekauft worden. Im Januar, wenn es dann wieder zurück zu 19 Prozent geht, werden voraussichtlich Artikel im Haus sein, die mit 16 Prozent eingekauft wurden. Das lasse sich kaum genau abgrenzen, so Aldenhövel Überhaupt würde es großen Aufwand bedeuten, wenn alle Preise umgezeichnet werden müssten, daher würden die Etiketten dort auch nicht geändert. „Wir werden die Preissenkung voraussichtlich über Rabatte lösen, die es dann an der Kasse gibt. Die Kunden sollen auf keinen Fall den Eindruck gewinnen, wir würden von der Steuersenkung profitieren wollen“, sagt die Mitinhaberin des Geschäftes.

Ebenso beim Fahrradshop Hanold wird der Preisnachlass vorerst bei der Bezahlung geregelt werden. Je nach Preis gäbe es dann zum Beispiel ein Schloss oder einen Fahrradkorb dazu. „Alles, was ab dem 1. Juli bestellt wird, wird dann um drei Prozent im Preis reduziert. Das ist insgesamt schon ein schwieriges Thema“, sagt Margret Rißmann. Im schlechtesten Fall werden im Laufe des Sommers zwei Preise am Regal hängen. „Und im Januar ändern wir wieder zurück“, erklärt die langjährige Mitarbeiterin. Dass der ganze Aufwand nur für ein halbes Jahre geplant sei, gehöre mit zu den größten Herausforderungen.

„Steuersenkung ist unsinnig“

Bei Feinkost Rathmann wird bei vielen Produkten der Rotstift angesetzt. Alle Preise, denen eine 19-Prozent-Besteuerung zugrunde liegt, werden zum Stichtag umgezeichnet. Ein enormer Aufwand, wie Heinrich Rathmann bestätigt. Bei Obst und Gemüse kommt er besser weg. „Die Ware kommt täglich frisch, da müssen wir sowieso tagesaktuell die Preise auszeichnen. „Ich halte diese Steuersenkung für unsinnig“, so der Inhaber. Er sei der Auffassung, dass sie sich nur gering in den Portemonnaies der Verbraucher auswirke. Wirklich zum Tragen käme die geplante Mehrwertsteuersenkung eher bei größeren Anschaffungen wie Autos, Möbel oder sogar beim Hauskauf.

Das bestätigt auch Claudia Tamm, Inhaberin der gleichnamigen Glaserei an der Bahnhofstraße in Reinbek. Bei Handwerksleistungen gilt die Reduzierung nicht mit Rechnungseingang sondern zum Tag der erbrachten Leistung. Alles in allem sei das ein großer Mehraufwand. „Dies alles den Kunden zu erklären, ist nicht einfach“, sagt die Chefin. „Die Kunden kaufen dadurch nicht mehr.“

Discounter wollen Preisreduktion eins zu eins weitergeben

Die großen Discounter in Reinbek haben sich bereits vorbereitet und einige von ihnen haben die Preisschlacht schon vorgezogen. Die Discounter wollen die Preissenkung eins zu eins an die Kunden weitergeben. In größeren Ketten kann das einen hohen Aufwand bedeuten, je nachdem, ob es schon eine digitale Regalauszeichnung gibt oder jedes Etikett von Hand ausgetauscht werden muss.

In Buchhandlungen werden entsprechend der Buchpreisbindung die Preise von den Verlagen mit einer Vorlauffrist von 14 Tagen festgelegt. Die Mehrwertsteuersenkung wird sich für Kunden also vermutlich nicht zum 1. Juli auswirken. „Soweit mir bekannt ist, hat dies noch kein Verlag umgesetzt“, sagt Ina Vanessa Skorka-Müller, Inhaberin der Buchhandlung Erdmann. Beim Reinbeker Gewerbebund geht der Blick in eine andere Richtung. „Ich halte die Steuersenkung für keine gute Lösung“, sagt Jan Bode, Vorsitzender des Vereins. Im Grunde müsse man die Produkte mit zwei Preisen auszeichnen, den für die Ware, die mit 19 beziehungsweise sieben Prozent eingekauft wurde und ein zweiter Preis für die Artikel, auf die bereits der reduzierte Satz angewendet wurde. Ein immenser Aufwand für ein halbes Jahr.

Leidtragende sind Künstler, Hoteliers und Veranstalter

Für den Verbraucher, würde es sich nach seiner Einschätzung nur unmerklich auswirken. „Ich hätte befürwortet, den Satz beizubehalten oder sogar zu erhöhen, um von der Differenz die Betriebe zu unterstützen, die die Leidtragenden der Krise sind, wie beispielsweise die Veranstaltungsbranche, Hoteliers oder Künstler“, sagt der Spediteur.