Schulen bieten Ferienangebote

Lernsommer? Nein, danke

Eine Lehrerin schreibt „Schöne Sommer-ferien“ an die Tafel in einer Grundschule. In Reinbek bieten die Schulen in den Ferien eigene Fördermaßnahmen an. Die Angebote des Bildungsministeriums in Kiel lehnen sie dankend ab. Fassbenderdpa

Eine Lehrerin schreibt „Schöne Sommer-ferien“ an die Tafel in einer Grundschule. In Reinbek bieten die Schulen in den Ferien eigene Fördermaßnahmen an. Die Angebote des Bildungsministeriums in Kiel lehnen sie dankend ab. Fassbenderdpa

Foto: Ina Fassbender / dpa

Reinbeker Schulen bevorzugen eigene Förderung während des Schuljahres.

Reinbek. Büffeln und Pauken und dazu noch in den Ferien? Das reizt weder Kinder noch Lehrer. Allerdings befürchten viele, dass lernschwächere Kinder nach dem Lockdown während der Corona-Krise in der Schule das Nachsehen haben werden. Deshalb will das Bildungsministerium in Kiel diese Schüler während der Ferien mit dem Lernsommer vor allem in Deutsch, Mathematik und Englisch fördern, damit sie nicht den Anschluss an ihre Klassenkameraden verlieren und im neuen Schuljahr mit ihnen auf dem gleichen Stand sind. In Reinbek macht das allerdings keine Schule mit.

Grundschule Klosterbergen bietet Ferienbetreuung

„Wir bieten den Familien zwar eine Ferienbetreuung, nehmen aber kein Geld aus dem Programm Lernsommer in Anspruch“, sagt Katrin Rabe, Leiterin der Grundschule Klosterbergen mit 250 Schulkindern. „Denn wir haben bereits frühzeitig, nach Ostern, eine Lücke genutzt und Kinde mit besonderem Förderbedarf, frühzeitig wieder in den Unterricht kommen lassen.“

Denn das Thema habe Katrin Rabe und ihre Kolleginnen schon aufgewühlt. Daher seien etwa zehn Kinder sieben Wochen lang bis zu drei Stunden pro Woche in die Schule gekommen. „Da wir uns bereits intensiv um sie bemüht haben, viele von ihnen auch noch in der Ferienbetreuung sind, können wir jetzt ganz entspannt in Urlaub fahren. Der Lernsommer sei zu kurzfristig ausgerufen worden und dafür würden der Klosterbergenschule auch die Ressourcen fehlen: „Und gerade diese Kinder brauchen die ihnen vertrauten Lehrerinnen.“

Förderprogramm zu kurzfristig

Auch ihre Kollegin Karen Schmedemann, Leiterin der Grundschule Mühlenredder mit 256 Kindern, ist der Ansicht, dass das Förderprogramm zu kurzfristig angesetzt worden sei. „Hinzu kommt, dass die Teilnahme an dem Förderangebot freiwillig ist“, sagt die Pädagogin. „Wir müssten damit aber ganz gezielt Kinder ansprechen, die Förderbedarf im Lesen, Schreiben und Rechnen haben. Leider sind das aber nicht die Schüler, die auch in den Ferien kommen würden.“

Daher setzt Karen Schmedemann jetzt mit der Ferienbetreuung der Offenen Ganztagsschule (OGS) auf den „OGS-Sommer“ der Schule Mühlenredder, in dem vor allem auch soziale Kompetenzen, die kulturelle Bildung und die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder gefördert werden. Das kann bei Thementagen, wie Ritter oder Indianer geschehen, bei kreativen Aufgaben, beim Trommeln oder auch in der „Leseinsel“ beim lauten Lesen von Texten. „Das sind alles Bereiche, die während der Schließung zu kurz gekommen sind“, erklärt Karen Schmedemann. 50 Kinder sind für die Betreuung bereits angemeldet.

Zusätzlicher Unterricht in Deutsch und Mathe

Doch auch am Mühlenredder wird an Kinder, die noch Förderbedarf in Schreiben, Rechnen und Lesen haben, gedacht: „Im ersten halben Jahr werden wir pro Woche jeweils eine Stunde Deutsch und Mathematik zusätzlich unterrichten“, berichtet die Schulleiterin. „Dafür fahren wir die Naturwissenschaften in dieser Phase etwas zurück und gleichen das in späteren Schuljahren wieder aus.“ Das lasse das Schulgesetz Schleswig-Holsteins ebenso zu wie Pflicht-Unterricht am Nachmittag.

4500 Schüler in Schleswig-Holstein können im Rahmen des Lernsommers für ein oder zwei Wochen in ihre Schule gehen, um noch einmal den Stoff durchzugehen. Mehr als 600 Lehrer sollen ihnen dabei vor allem an Grund- und Gemeinschaftsschulen helfen, Rückstände aufzuholen.

146 von etwa 800 Schulen haben sich für das Programm beim Bildungsministerium angemeldet.