Elektromobilität

Reinbek wählt jährlich 20 neue Standorte für Ladesäulen aus

Patrick Rohde (links) freut sich, dass er seinen Tesla auch künftig ohne Probleme laden kann, weil Günther Herder-Alpen und sein Umweltausschuss für die nötige Infrastruktur sorgen. Susanne Tamm

Patrick Rohde (links) freut sich, dass er seinen Tesla auch künftig ohne Probleme laden kann, weil Günther Herder-Alpen und sein Umweltausschuss für die nötige Infrastruktur sorgen. Susanne Tamm

Foto: Susanne Tamm

Konzept beschlossen – Erweiterte Infrastruktur als Kaufanreiz.

Reinbek. Für einige Diskussionen sorgte jetzt ein Antrag der FDP im Umweltausschuss, die die Lade-Infrastruktur für Elektroautos in Reinbek erweitern möchte. Die Grünen hatten einen Änderungsantrag eingebracht. „Die Bundesregierung hat 2019 mit dem Klimaschutzpaket den Ausbau von einer Million öffentlich zugänglichen Ladepunkten bis 2030 als Ziel beschlossen“, erläuterte Anita Piletzky (FDP). „Daraus ergibt sich, dass Reinbek bis zu diesem Zeitpunkt insgesamt 335 Ladepunkte einrichten sollte, um das Ziel entsprechend der Einwohnerzahl zu unterstützen.“

Aus dem Reinbeker Klimaschutzkonzept (2017) geht hervor, dass der Straßenverkehr 19 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen in der Stadt Reinbek verursacht. 72 Prozent davon wiederum seien auf den Pkw-Verkehr zurückzuführen. Schadstoffarme Pkw hätten laut FDP daher den größten Einspareffekt – neben einem Umstieg auf das Fahrrad oder den Öffentlichen Nahverkehr. Laut Bernd Uwe Rasch, Stadtverordneter und FDP-Fraktionsvorsitzender, schreckten jedoch viele Deutsche wegen der mangelnden Infrastruktur vor der Anschaffung eines Elektroautos zurück.

Demnach müssten in Reinbek mehr als 30 Ladepunkte pro Jahr eingerichtet werden. Bisher gibt es in Reinbek allerdings erst acht öffentliche Ladesäulen, bis Ende des Jahres sollen es zehn werden. Standorte sind etwa an der Sophienstraße, beim Rathaus (Hamburger Straße), am Famila-Markt (Liebigstraße), am Täbyplatz (Am Ladenzentrum 9), Freizeitbad (Hermann-Körner-Straße) und am Einkaufszentrum an der Sachsen­waldstraße.

Die bisherige Infrastruktur reicht laut FDP jedoch nicht aus. Daher fordert sie ein „planvolles Handeln“. Schwerpunkt der Standorte sollten die Stadtteile mit einem hohen Anteil an Geschosswohnungsbau sein, da gerade Menschen ohne Wohneigentum sonst kaum eine Möglichkeit hätten, ein Elektrofahrzeug in Wohnungsnähe aufzuladen. Dabei sollten möglichst wenig Parkplätze geopfert werden.

FDP pocht darauf, auch Mitbewerber des E-Werks einzubeziehen

Den Hinweis von Tomas Unglaube (SPD), es sei sinnvoll, darauf zu vertrauen, dass das (fast) städtische
E-Werk Sachsenwald dieses Konzept mit dem nötigen Know-how vorantreibe, will die FDP indes nicht gelten lassen. Schon aus Kapazitätsgründen sei es sinnvoll, beim Ausbau der Lade-Infrastruktur nicht nur auf einen Anbieter zu setzen. Außerdem bestehe rechtlich eine Verpflichtung zur Angebotsvielfalt. „Es ist eine ureigene Aufgabe der Stadt, so etwas zu steuern“, sagte Bernd Uwe Rasch. „Denn es geht öffentlicher Parkraum verloren.“ Renate Sturm (Grüne) wandte ein: „Wir begrüßen zwar ebenfalls den stetigen Ausbau der Ladepunkte. 300 halten wir aber für übertrieben. Wir möchten uns lieber am Bedarf und an der Machbarkeit orientieren.“

Bürgermeister Björn Warmer hatte vorab einen schriftlichen Bericht zur Auslastung der Reinbeker Ladesäulen verteilt. Demnach steigt der Stromverbrauch im Stadtgebiet zwar deutlich, doch auch wegen der hohen Baukosten sei ein wirtschaftlicher Betrieb der Ladesäulen aktuell noch nicht möglich.

Matthias Happke (CDU) wandte ein, dass es sich nur um ein Standortkonzept handeln könnte, und bat darum, dass auch neue Technologien berücksichtigt werden sollten. „Das ist doch heute hier ein Musterbeispiel dafür, warum es mit dem Klimaschutz in Deutschland nicht vorangeht“, mahnte Rasch. „Es gibt bundesweit mehr als
40 Millionen Pkw. Wir wollen doch alle das Gleiche und müssen als Stadt das Ziel vorgeben.“

Günter Herder-Alpen, Vorsitzender des Ausschusses und der Grünen-Fraktion, sieht dies zwar ähnlich, dreht den Spieß jedoch um. Er versuchte, der FDP eine Brücke zu bauen und lud sie ein, in den Grünen-Antrag mit einzusteigen. Dieser sieht „mindestens 20 neue Ladepunkte“ pro Jahr sowie ein Konzept für einen sukzessiven Ausbau der Ladeinfrastruktur vor. Das Ausbauvolumen sei stets bedarfsgerecht zu erhöhen.

„Der FDP-Antrag beruht auf einer alten Statistik“

Günther Herder-Alpen erklärte: „Uns stört an ihrem Antrag, dass er auf einer alten Statistik beruht.“ Die Grünen zeigten sich kompromissbereit und nahmen – um des lieben Friedens willen – noch den Satz mit auf, dass auch weitere Technologien mit berücksichtigt werden sollten. Am Ende wurde über beide Anträge getrennt abgestimmt: Der der Liberalen wurde abgelehnt, während der Ergänzungsantrag gegen die Stimmen der FPD angenommen wurde.