Geduld weiter gefragt

Recyclinghof: Jahrelanger Anwohner-Protest zahlt sich aus

Eine Vielzahl von Politikern sowie auch Bürgermeister Björn Warmer und Bürgervorsteher Christoph Kölsch hatten sich zum Gespräch mit den Einwohnern an der Glinder Straße eingefunden. Der jahrelange Einsatz der Anwohner scheint sich endlich auszuzahlen.

Eine Vielzahl von Politikern sowie auch Bürgermeister Björn Warmer und Bürgervorsteher Christoph Kölsch hatten sich zum Gespräch mit den Einwohnern an der Glinder Straße eingefunden. Der jahrelange Einsatz der Anwohner scheint sich endlich auszuzahlen.

Foto: Imke Kuhlmann / BGZ

Anwohner, Politik und Bürgermeister kommen ins Gespräch über die Situation an der Glinder Straße. Lösung ist in Sicht, Geduld gefragt.

Reinbek. Rund 50 Anwohner und Politiker trafen sich am Sonnabend an der Glinder Straße, um über den Standort des Recyclinghofs zu diskutieren. Der Streit um die Zuwegung zum AWSH-Standort schwelt. Die Geduld der Anwohner ist mehr als ausgereizt. Zu sehr ist der Unmut in den letzten Jahren durch Verkehr, Lärm und Pöbeleien gewachsen. Nun zeigen die unermüdlichen Proteste der Anwohner Wirkung – eine Lösung ist in Sicht. Doch Geduld ist weiterhin gefragt.

„Seit 20 Jahren wird diskutiert, wie die Situation verändert werden kann“, so Viktor Wandler, der ebenso lange an der Glinder Straße lebt. Damals seien gut zehn Autos am Tag durch die Straße gefahren, inzwischen tippt er vor allem sonnabends auf 500 Fahrzeuge. „Einmal in Richtung Recyclinghof, einmal zurück sind das 1000 Autos.“ Immer mehr Wohngebiete wurden erschlossen. „Und das Bewusstsein für Mülltrennung ist gestiegen“, sagt die Anwohnerin Anna Rehm.

„Es ist Zeit verschenkt worden“, Bürgermeister Warmer

Die Autos reihen sich Fahrzeug an Fahrzeug teilweise bis zur Königstraße. Die meisten AWSH-Kunden lassen den Motor laufen, Zufahrten werden blockiert, Geschwindigkeiten überschritten. „Wenn wir die Autofahrer bitten, den Motor auszuschalten, werden wir so manches Mal beschimpft“, sagt Anwohnerin Marta Billot. Notarztwagen oder Feuerwehr hätten Mühe, zum Einsatzort zu gelangen. „Muss erst etwas passieren, damit gehandelt wird?“, fragt Ralf Schulz, ebenso Anwohner. Jörg Klug ist aufgrund einer Erkrankung Frührentner. „Ich weiß, wie es ist, wenn der Notarzt dringend benötigt wird“, sagt er aus eigener Erfahrung. Zusammen mit Ralph Benecke hat er die Politik zu diesem Termin eingeladen. Mit Erfolg, nahezu alle Parteien wie auch Bürgermeister Björn Warmer und Bürgervorsteher Christoph Kölsch waren vertreten.

„Wir sind gekommen, um Transparenz zu schaffen“, so der Bürgervorsteher. Die Reaktion der Anwohner ist verhalten bis scharf, zu lange sei nichts passiert. „Es ist Zeit verschenkt worden, das ist keine Frage“, sagt Björn Warmer. Am 11. Juni geht der interfraktionelle Antrag von SPD, CDU. FDP und des fraktionslosen Stadtverordneten Klaus-Peter Puls als auch der der Grünen in den Umweltausschuss. Klares Votum soll sein, den Recyclinghof in das Gewerbegebiet Haidland zu verlagern. Ebenso das Bündnis 90/Die Grünen folgt nun diesem Vorschlag mit der Einschränkung, dass die Flächen zwischen dem Gewerbegebiet und der westlichen Bebauung Schönningstedts frei bleiben sollen. Politisch ist somit eine Mehrheit zu erwarten.

Zwischenlösung in Arbeit

Björn Warmer erläuterte den Anwohnern zudem die zeitlichen Prozesse. Nach dem Umweltausschuss tagt am 16. Juni der Bau- und Planungsausschuss. Entschieden wird dann am 25. Juni in der Stadtverordnetenversammlung. „Vor einer Dauer von zwei Jahren ist mit keinem Umzug zu rechnen“, so Reinbeks Verwaltungschef. „Jetzt besteht Einigkeit, der Hof muss weg, doch eine Lösung muss langfristig greifen“, so Philipp Quast von der SPD.

Björn Warmer hat die Aufgabe mitgenommen, bis dahin an einer Zwischenlösung zu arbeiten, die etwa eine Kennzeichnung der Ausfahrten auf der Straße sein könnte.