Reinbek

Bedürfnisse des Waldes stehen immer an erster Stelle

Förster Fritz-Ole Wolter erläutert den Holzeinschlag im Vorwerksbusch.

Förster Fritz-Ole Wolter erläutert den Holzeinschlag im Vorwerksbusch.

Foto: Susanne Tamm

Erster Holzeinschlag im Vorwerksbusch in Reinbek seit mindestens 15 Jahren. Zwischen November und Mitte Januar wurden Bäume gefällt.

Reinbek. Seit Wochen schon stapeln sich dickere und dünne Baumstämme an den Wegen des Vorwerksbusch. Lange Buchenstämme liegen parallel zu den Wegen. Wie berichtet, ist seit November Erntezeit auf einem etwa elf Hektar großen Areal des insgesamt 75 Hektar großen Gehölzes im Osten der Stadt. Eigentlich sind die Fällungen längst abgeschlossen, erklärt Förster Fritz Ole Wolter von den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten. „Das gesamte gute Holz ist schon abtransportiert worden“, stellt er fest. „Das meiste, was hier liegt, gehört den Landesforsten überhaupt nicht mehr, sondern ist bereits verkauft.“ Die Fällungen waren genau durchgeplant – Überraschungen gibt es bei der Holzernte nicht, weil Fritz Ole Wolter bereits zuvor bestimmt hatte, welche Bäume stehenbleiben, und welche „Bedränger“ herausgenommen werden sollten.

Eigentlich denke man in der Forstwirtschaft immer in Zehn-Jahres-Rhythmen, wobei die Bedürfnisse des Waldes immer an erster Stelle stehen. Im Vorwerksbusch mit seinen bis zu 160 Jahre alten Buchen und Eichen sei allerdings mindestens 15 Jahre nicht mehr gefällt worden, berichtet Wolter. Um das Ziel, einen möglichst ungleichaltrigen, strukturierten und somit gesunden Wald vom Sämling bis zur dicken alten Buche zu erhalten, müsse man eigentlich alle fünf bis sieben Jahre Holz aus einem Wald entnehmen. Das mache eine naturnahe Waldwirtschaft aus.

Vergangenes Jahr war ein gutes Jahr für die Ernte

„Denn um den guten Bäumen zu helfen, sei es eine Lärche, Buche oder Eiche, muss ich Platz schaffen für ihre Krone und dafür sorgen, dass Licht an den Boden dringt“, erläutert der Forstwirt. „Vergangenes Jahr war außerdem ein gutes Jahr für die Ernte, weil es besonders viele Bucheckern gab. Und damit die nicht nur keimen, sondern auch überleben, brauchen sie Wasser und Licht.“

Daher haben die Mitarbeiter der Landesforsten zwischen November und Mitte Januar die zuvor von ihm markierten Bäume gefällt. Zu den Mengen äußert er sich nicht, weil Laien diese Zahlen immer falsch interpretieren würden. An Holzarten sei indes alles dabei gewesen: Buchen, Eichen, Lärchen, Fichten und Roteichen. Die stammten aus Nordamerika und seien interessant, weil sie besser mit dem Klimawandel, mit heißeren Sommern zurechtkämen.

Letzte Verkäufe werden im Juli abgeschlossen

Anfangs hätten die Mitarbeiter die dickeren Stämme aus dem Unterholz herausgeholt. „Das gute Holz wurde sofort verkauft und wird auch schnell von den Käufern abtransportiert, damit die Qualität nicht leidet“, erklärt Wolter. In einer späteren Phase war das Kurzholz an der Reihe. Pferde haben es „vorgeliefert“, also an die Rücke­gassen gezogen, auf denen sich auch die Maschinen bewegen können. Dann wurden die Stämme an den Wegesrändern aufgestapelt.

„Ich habe sie dort vermessen und in Abschnitte aufgeteilt, um die Volumina der einzelnen Sektionen zu ermitteln“, erläutert der Fachmann. Der Preis wird pro Raummeter Holz berechnet und ist bereits Bestandteil der Verträge, die größtenteils ein halbes bis ein Jahr vorher mit den Käufern abgeschlossen werden. Im Moment macht sich Fritz Ole Wolter schon wieder Gedanken über die nächste Holzernte: Was braucht der Wald? Welche Bäume, die dabei abfallen, könnten welche Käufer interessieren?

Die letzten Verkäufe werden im Juli abgeschlossen. Meist liegen die Holzstapel, auch „Polter“ genannt, noch ein halbes bis ein Jahr im Wald, in Ausnahmefällen sogar bis zu zwei Jahre. Bis dahin sind im Vorwerksbusch längst wieder Bäume gefällt worden – allerdings in einer ganz anderen Ecke. Denn die Habitat-Bäume, die stehen bleiben, sollen richtig alt werden. Eichen zum Beispiel können ein Alter von mehrere Hundert Jahre erreichen.