Reinbek

Gelbe Tonne wurde seit zehn Wochen nicht geleert

Winfried Schneiders Wertstofftonne ist zum fünften Mal nicht abgeholt worden - im Unterschied zu seinen anderen Abfallbehältern.

Winfried Schneiders Wertstofftonne ist zum fünften Mal nicht abgeholt worden - im Unterschied zu seinen anderen Abfallbehältern.

Foto: Susanne Tamm

Winfried Schneider wohnt quasi auf der Baustelle der historischen Ufermauer. Das sorgt für Probleme bei der Müllabfuhr.

Reinbek. Er lebt an der Schlossstraße quasi auf der Baustelle für die historische Ufermauer, seine Garagenzufahrt ist aufgegraben, sein Auto steht jetzt innerhalb des Bauzauns vor dem Haus. Dem 70-jährigen Reinbeker Winfried Schneider reicht es allmählich. Seit Oktober ist er durch die Baustelle abgeschnitten vom Reinbeker Stadtgebiet. Er ist es gewohnt, dass sich der Fertigungstermin für die Ufermauer ständig wieder durch neue unvorhergesehene Probleme nach hinten verschiebt. Erst Ende März, dann Mai nun Ende Juli. „Das glaube ich auch erst, wenn es soweit ist“, sagt er resignierend.

Wilfried Schneider bleibt auf dem Verpackungsmüll sitzen

Doch die 240 Liter fassende Wertstofftonne, die ihm die Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH), Entsorgungsunternehmen der Kreise Herzogtum Lauenburg und Stormarn, und der private Entsorger BellandVision auf das Grundstück gestellt hat, schlägt gewissermaßen dem Fass den Boden aus. Sie hat die gelben Säcke ersetzt. Derzeit werden in Stormarn die letzten der kreisweit etwa 60.000 Behälter ausgeliefert. Doch auf seinem Kunststoff- und Verpackungsmüll bleibt Wilfried Schneider regelmäßig sitzen. Glaubte der 70-Jährige zuerst noch, die Tonne sei viel zu groß bemessen und er würde sie niemals voll bekommen mit seinem Ein-Mann-Haushalt plus Hund, ist sie nun tatsächlich überfüllt. Nicht etwa, weil er so viel Kunststoff und Plastik verwendet, nein der Entsorger hat fünfmal, also seit zehn Wochen nicht geleert.

„Ich verstehe das nicht, die übrigen Abfallbehälter finden die Fahrer mittlerweile doch auch“, sagt Winfried Schneider. Da die Baustelle auf seiner Straßenseite bis zur Bahnbrücke reicht, bleibt ihm nichts anderes, als die Mülltonnen zur Entsorgung an der Auffahrt um die Ecke abzustellen – auf Wentorfer Gebiet. Denn sein Haus Baujahr 1865 ist eine kleine Exklave Reinbeks auf der anderen Seite der Bille, Grenzfluss zu Wentorf. Das rührt daher, dass dort einmal die alte Wassermühle stand, die von zwei Armen der Bille umspült war.

Die anderen Behälter wurden geleert

Die Abfallbehälter für Restmüll und Papier wurde nach ersten Anlaufschwierigkeiten korrekt entleert. Bei der Gelben Tonne jedoch – Fehlanzeige.

Winfried Schneider hat sich beim Kundendienst der AWSH per E-Mail darüber beschwert. In der Antwort wird ihm großzügig zugesagt, dass er beim nächsten Termin Gelbe Säcke neben den Behälter stellen darf. „Aber was nützt mir das, wenn der ohnehin nicht entleert wird?“, fragt der Reinbeker entnervt. „Dann stelle ich nicht nur die volle Tonne zurück hinter den Bauzaun, sondern auch noch die Säcke.“

AWSH will Fahrer für das Problem sensibilisieren

Olaf Stötefalke, Pressesprecher der AWSH, erläutert, dass nicht die AWSH den Subunternehmer mit der Leerung der insgesamt 130.000 Tonnen beauftrage, sondern das Duale System. Als Entsorger der Kreise ist die AWSH daher gemeinsam im Verhältnis 20:80 mit dem privaten Müllentsorger BellandVision zuständig für die Leerung der Gelben Tonnen. Der AWSH-Kundenservice sei aber die richtige Adresse, wenn etwas schieflaufe. „Herr Schneider hat sich zweimal bei uns beschwert“, bestätigt der Sprecher. „Es tut uns leid, dass der Fahrer den Behälter wegen der Baustelle nicht gefunden hat. Aber wir machen ihn nochmals darauf aufmerksam und er wird besonders darauf achtgeben“, verspricht Olaf Stötefalke.

Im Sommer 2018 hatte es bereits erhebliche Probleme mit dem mit der Leerung der Rest- und Bioabfälle beauftragten Unternehmen gegeben. Damals hatte der Subunternehmer wegen Personalmangels den Müll zeitweise wochenlang nicht abgeholt – das Problem stank zum Himmel. Daraufhin wechselt die AWSH nun den Auftragnehmer. Der Vertrag mit dem Geesthachter Unternehmen läuft aus. 2021 übernimmt die Grambeker Firma Willi Damm die Entsorgung – die ist derzeit zuständig für die Leerung der Wertstoff- und Papiertonnen.