SPD will Shared Space

Gleiches Recht für alle auf der Hauptstraße

Weniger Autos, mehr Fußgänger und Radfahrer auf der Straße: Die SPD fordert einen Shared Space auf der Hauptstraße in Wentorf.

Weniger Autos, mehr Fußgänger und Radfahrer auf der Straße: Die SPD fordert einen Shared Space auf der Hauptstraße in Wentorf.

Foto: Susanne Tamm

Wentorfer SPD fordert eine Gemeinschaftsstraße, ein Shared Space, als Pilotversuch während der Ferien.

Wentorf. Das Tempo auf der Hauptstraße ist schon gedrosselt: Dort gelten Rechts vor Links, 30 Kilometer pro Stunde als Höchstgeschwindigkeit und Autofahrer müssen jederzeit damit rechnen, dass vor ihnen ein Fahrzeug rückwärts ausparkt. Die SPD will noch einen Schritt weitergehen: Sie schlägt vor, auf dem Abschnitt zwischen Kreisverkehr im Zentrum und Einmündung Am Burgberg testweise ein „Shared Space“ einzurichten.

Diese aus den Niederlanden stammende Idee – übersetzt: „gemeinsamer Raum“ – bezeichnet eine Straße, auf der gewöhnlich auf Verkehrsschilder, alle Ampeln und Fahrbahnmarkierungen verzichtet wird und auf gegenseitige Rücksichtnahme gesetzt wird. Es gilt die Vorfahrtsregel Rechts vor Links weiter. Alle – egal ob Fußgänger, Radfahrer, Mofa- oder Lkw-Fahrer – sind dort gleichberechtigt. Dahinter steckt der Gedanke, den öffentlichen Raum für die Menschen aufzuwerten. In Dänemark, Belgien, England, Italien, den Niederlanden, Österreich und in vielen deutschen Städten sind derartige Zonen schon realisiert worden. In Deutschland gibt es dafür mittlerweile auch den Begriff Gemeinschaftsstraße.

Gemeinschaftsstraßen auf dem Vormarsch

Die aktuelle Idee dafür sei im Wentorfer Ortsverein der Sozialdemokraten entstanden, weil es während der Corona-Krise weniger Verkehr auf den Straßen gebe: Der Vorstand der SPD schreibt, man wolle „ein Experiment wagen“. Die SPD-Ortsvereinsvorsitzende Ursula Jonca erläutert die Überlegungen aus der Vorstandssitzung: „Wir versprechen uns mehr Platz für zwischenmenschliche Begegnungen – auch während der Krise. Abstandhalten wird leichter, weil Fußgänger und Fußgängerinnen gefahrlos auf die Straße ausweichen können.“

Der Co-Vorsitzende Jan-Christoph Schultchen ergänzt: „Der öffentlich Raum kann kreativ genutzt werden. Aktionen für Gewerbetreibende und Gastronomie werden möglich. Warum kein Popup-Biergarten am Wochenende, wo vorher ein Parkplatz war? Alle sprechen von Regionalisierung und Stärkung lokaler Strukturen. Wir versprechen uns eine gesteigerte Attraktivität für das Wentorfer Zentrum.“

Zusammenrücken trotz Abstandhalten

Dem Führungsteam des SPD-Ortsvereins gehe es darum, für Wentorf ein Zeichen zu setzen – Zusammenrücken trotz Abstandhalten. Mehr Platz für das Miteinander: „Gerade in der Corona-Krise sind die Menschen mehr draußen. Und die Umwelt freut sich auch noch“.

In Deutschland passen sich einige Städte und Gemeinden bereits erfolgreich an die durch die Corona-Krise veränderte Verkehrssituation an und gestalten den öffentlichen Raum um. „Der ansässige Handel profitiert tatsächlich bei existierenden Shared Spaces“, erläutert Schultchen. „Wir wollen für die zukünftige Entwicklung lernen und setzen auf gegenseitigen Austausch mit allen Betroffenen.“

Experiment soll schnellstmöglich starten

Das Experiment soll schnellstmöglich starten und bis zum Ende der Sommerferien dauern, da krisenbedingt mehr Menschen ihren Urlaub zuhause verbringen werden. Die Fraktion habe angekündigt, die Realisierung zu überprüfen und einen Antrag in den kommunalen Gremien zu stellen, um die Umsetzung der Idee voranzutreiben.

Die Fraktionsvorsitzende Andrea Hollweg bestätigt dies: „Wir wollen den Antrag stellen. Denn wir sind eine demokratische Partei und nehmen die Anregungen unserer Parteimitglieder ernst. Außerdem ist die Idee zeitgemäß und gut.“ Schon lang gebe es beispielsweise die Problematik, dass sich Radfahrer, die laut Straßenverkehrsordnung die Fahrbahn gleichberechtigt mit den Autofahrern nutzen dürfen, sich dort auch bei Tempo 30 nicht sicher fühlten. „Das wäre in einem Shared Space anders“, ist die Fraktionschefin sicher.

Mehr Platz für die Schwächeren ohne das Auto zu verdammen

Sie hofft, dass das Thema schnell auf die Tagesordnung des Planungs- und Umweltausschusses gelangt. „Wenn alle mitziehen, könnte man es einfach einmal in der Sommerferien ausprobieren.“ Dafür seien zunächst keine Umbauten notwendig.

„Auf der Berliner Landstraße hielt man das Thema Verkehrsberuhigung auch über Jahre nicht für realisierbar.“ Das Ganze soll erst einmal ein Pilotversuch sein. Das Vorhaben solle jedoch nicht zu Lasten der anliegenden Gewerbetreibenden gehen. „Wir wollen das Auto nicht verdammen“, sagt die Sozialdemokratin. „Wir wollen nur mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer.“