Ansgar-Kirche

Pastor Siaquiyah Davis will Leben in Gottesdienst bringen

Siaquiyah Davis ist der neue Pastor der Ansgar-Kirchengemeinde Schönningstedt-Ohe.

Siaquiyah Davis ist der neue Pastor der Ansgar-Kirchengemeinde Schönningstedt-Ohe.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Siaquiyah Davis folgt in der Ansgar-Kirchengemeinde auf Pastor Benedikt Kleinhempel. Ein Start unter erschwerten Bedingungen.

Reinbek. Siaquiyah Davis hatte sich seinen Start als Pastor in der Ansgar-Kirchengemeinde Schönningstedt-Ohe sicherlich anders vorgestellt. „Ende Februar war mein Einführungsgottesdienst – und dann kam Corona“, sagt er. Gerade das Miteinander und die persönlichen Begegnungen mit den Menschen liegen dem 49-Jährigen am Herzen, – und dies kommt gerade viel zu kurz. Die Gottesdienste, die nun langsam wieder starten, sollen dafür umso lebendiger werden.

Einige der gut 1400 Mitglieder seiner neuen Kirchengemeinde hat der aus Liberia stammende Davis bereits kennenlernen dürfen. „Es ist eine sehr lebendige Gemeinde mit engagierten Ehrenamtlichen, die bereit sind, aktiv etwas für die Gemeinde zu tun“, sagt er. Die Menschen beschreibt er als sehr „offen, nett und freundlich“.

Nicht in Kleinhempels Fußstapfen treten

Siaquiyah Davis war es auch wichtig, seinen Vorgänger Benedikt Kleinhempel, der im Juni 2019 nach 35 Jahren als Pastor ausgeschieden war, kennenzulernen. Kleinhempel war durch seine Nähe zur Gemeinde in Schönningstedt und in Ohe bekannt. „Er hatte eine 75-Prozent-Stelle, hat aber fast Vollzeit gearbeitet“, sagt Davis. Dadurch, dass Benedikt Kleinhempel auch vor Ort lebt, sei er immer schnell für die Menschen da gewesen. Mit einer Anfahrtszeit von knapp einer Stunde aus Hamburg sowie einer halben Anstellung kann Davis das nicht leisten. „Ich möchte gar nicht in Benedikt Kleinhempels Fußstapfen treten, und das kann ich auch gar nicht. Ich bin anders als er. Aber ich respektiere ihn, er hat viel für die Gemeinde getan“, sagt Davis.

Er selbst war 2009 für die Liebe nach Hamburg gekommen und lebt heute mit seiner Frau Katharina, seinen Zwillingen Joshua und Elias (7) sowie mit dem kleinen Samuel (4) in Lurup. Nach Schönningstedt zu ziehen, schließt er jedoch nicht aus. „Joshua und Elias sind in der zweiten Klasse. Wenn sie die Grundschule verlassen, überlegen wir uns, hier ein Haus oder eine Wohnung zu suchen“, erklärt er.

Gottesdienste starten wieder

Bis dahin wird Davis immer dienstags, donnerstags und sonntags in Schönningstedt sein, wenn er im Dienst ist. Zurzeit arbeitet er noch viel von zu Hause aus, hält den Kontakt zu seiner Gemeinde online und per Telefon (040/722 08 05). Am Sonntag, 17. Mai, kann er dann endlich einen Gottesdienst ab­halten.

Um 9.30 Uhr wird dieser unter Einhaltung der Hygiene- sowie der Abstandsregelungen und mit Mundschutz stattfinden. Der Gottesdienst soll 20 Minuten dauern. „Da nur zehn Personen teilnehmen können, wird es bei Bedarf im Anschluss noch einen zweiten und einen dritten geben“, sagt Siaquiyah Davis. Denn jeder soll die Möglichkeit bekommen, teilzunehmen. „Kirche ist Leben, Kirche ist Machen und Kirche ist Feiern“, sagt er. Seine Idee ist, Ehrenamtliche mit einzubeziehen und Lesungen auch im Dialog zu gestalten.

Zukunft der Kirchengemeinde die Fusion?

Am 24. Mai um 9.30 Uhr hält dann Pastor Stephan Ritthaler der Gethsemane-Gemeinde unter den gleichen Bedingungen einen Gottesdienst in Ohe. Mit Pastor Ritthaler hält Siaquiyah Davis schon jetzt engen Kontakt. Der wird sich wohl in den kommenden Monaten und Jahren noch vertiefen. Für 2021 ist angedacht, die Konfirmanden zusammenzuführen. Auf lange Sicht werden die Gemeinden sicherlich fusionieren, vermutet Davis. „Das ist vielleicht die Zukunft. Die Nordkirche muss neue Wege gehen, denn Gemeinden werden immer kleiner. Aber ich bin hoffnungsvoll.“

Davis studierte in Liberia (Westafrika) Theologie und absolvierte dort über vier Jahre sein Vikariat. Für sein Aufbaustudium führte es ihn an ein ökumenisches Institut nach Bossey in der Nähe von Genf in die Schweiz. Seinen Master in Theologie absolvierte Davis dann an der Universität Birmingham in England. Zuletzt arbeitete er für acht Monate als Elternzeitvertretung in der Kirchengemeinde Harksheide in Norderstedt.

Lesen, Krimis schauen und Schach spielen

Wenn er nicht gerade für seine Kirchengemeinde da ist oder mit dem Hausunterricht seiner Kinder beschäftigt ist, liest Siaquiyah Davis viel, schaut einen Krimi oder spielt Schach. „Eigentlich jogge ich auch dreimal in der Woche, aber momentan fehlt die Zeit“, sagt er.