Vorwerksbusch

Vater und Tochter setzen sich für ihr „Baumhaus“ ein

Frank Tiedemann und Tochter Teresa am selbst aufgebauten „Baumhaus“ im Vorwerksbusch. Eine kleine Leiter führt auf die Plattform. Bis auf Bretter, Nägel und Hanfseile seien alle Materialien, etwa Äste und Zweige, aus dem Wald entnommen worden.

Frank Tiedemann und Tochter Teresa am selbst aufgebauten „Baumhaus“ im Vorwerksbusch. Eine kleine Leiter führt auf die Plattform. Bis auf Bretter, Nägel und Hanfseile seien alle Materialien, etwa Äste und Zweige, aus dem Wald entnommen worden.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Im Vorwerksbusch – unweit der Bismarckstraße – steht ein „Baumhaus“. Zwei Väter hatten das für ihre Kinder gebaut und sollen es nun abreißen.

Reinbek. So ziemlich jedes Kind träumt wohl von seinem eigenen Baumhaus. Frank Tiedemanns Tochter Teresa (7) und ihre Freunde Harder (8) und Minna (9) sind da keine Ausnahme. Kurz vor Ostern erfüllten die beiden Väter ihren Kindern den Wunsch und errichteten liebevoll eine kleine Plattform im Vorwerksbusch – unweit vom Parkplatz an der Bismarckstraße. Drumherum ist ein Paradies zum Toben mit einem Parcours und kleinen und größeren Wald-Skulpturen entstanden.

„Die Kinder konnten ihrer Kreativität freien Lauf lassen, und alle Spaziergänger waren begeistert“, erklärt Tiedemann. Auch erste Theateraufführungen mit Holz-Handpuppen habe es hier schon gegeben. Das Problem: Der Vorwerksbusch wird durch die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten betreut – und der zuständige Förster für Reinbek Fritz Ole Wolter forderte den Familienvater dazu auf, die Plattform zurückzubauen.

Verantwortung für die Sicherheit

„Denn ich bin dafür verantwortlich, dass die Einrichtung sicher ist. Herr Tiedemann kann das nicht gewährleisten, und ich auch nicht“, sagt Wolter. Dass sein Mini-Baumhaus unsicher sein soll, will Frank Tiedemann so nicht stehen lassen. Schließlich sei Harder und Minnas Vater Tobias Heeschen Architekt und könne „für die Sicherheit und Tragfähigkeit garantieren“, sagt Frank Tiedemann.

Kein einziger Nagel sei dabei in einen der vier Bäume, zwischen denen die Plattform errichtet ist, geschlagen worden. Zum Befestigen dienten vor allem Seile aus Hanf. Nur die Bretter, die Frank Tiedemann und Tobias Heeschen in den Wald gebracht hatten, wurden mit Nägeln gesichert. Alle weiteren Äste und Tannenzweige stammen aus dem Vorwerksbusch, sagt Tiedemann. „Wir haben keinen Baum dafür gefällt oder beschädigt.“

Waldfremde Materialien bemängelt

Fritz Ole Wolter sieht jedoch in der Art des Baus das nächste Problem. Waldfremde Materialien gehören nicht in den Vorwerksbusch, sagt er. Dass lackierte Holzbretter früher oder später hier verrotten werden und den Waldboden verschmutzen, bemängelt er. „Außerdem wurde hier der Waldboden komplett zerstört. Hier wächst keine Pflanze mehr“, sagt er. Der Förster weiß, dass die Familienväter monieren, dass doch auch weitere Pfahl-Bauten im Vorwerksbusch stehen. „Aber ich messe da nicht mit zweierlei Maß“, sagt er. Auch die werden auf kurz oder lang aus dem Wald verschwinden.

„Entgegen der Meinung von Frank Tiedemann haben die übrigens keine Pfadfinder gebaut. Die fragen nämlich vorher bei uns nach“, sagt er. „Und sie hinterlassen den Wald so, wie sie ihn vorgefunden haben.“ Vielmehr vermutet er, dass Obdachlose sich hier einen Unterschlupf gebaut haben könnten. „Letztes Jahr mussten wir schon einmal so einen Bau abreißen.“ Der sei durch Plastikfolie abgedeckt gewesen.

Gegen Tipis im Wald nichts einzuwenden

Verständnis für die Motivation der Väter, diese Plattform zu bauen, hat Fritz Ole Wolter. Frank Tiedemann erklärt: „Das Baumhaus hilft den Kindern, die Corona-Zeit zu überstehen. Und sie kommen raus in die Natur. Wir wohnen in der Nähe, in einer Wohnung an der Lindenstraße, haben aber keinen Garten.“ Der Reinbeker hofft deshalb, dass die Plattform zumindest so lange stehen bleiben kann, bis die Kinder wieder zurück in die Schule können. Raus in die Natur zu gehen, sei allemal besser, als in der Wohnung vor dem Fernseher zu sitzen.

Doch das Ausmaß dieses zweistöckigen Baus ist für Fritz Ole Wolter einfach zu groß. Zumal mittlerweile auch viele andere Kinder hier spielen würden. Immerhin ist der Holzbau unweit vom Hauptweg entfernt. Für etwaige Unfälle wolle er nicht haften. „Wenn Eltern und Kinder in unseren Wäldern kleine Tipis aus Ästen bauen, dann sagt niemand etwas“, erklärt Fritz Ole Wolter. Doch hier könne er kein Auge zudrücken: „Das hier ist eine bauliche Anlage auf einem Fremdgrundstück.“

Abriss soll zeitnah erfolgen – Entsorgung übernimmt der Kreis

Generell gelte das Betretungsrecht im Wald und der Förster freut sich über die vielen Besucher, die die aktuelle Corona-Krise den Landesforsten beschert. „Es sind auffällig mehr Leute im Wald unterwegs“, sagt er. „Und da habe ich nichts gegen, solange ein Miteinander zwischen Mensch und Natur herrscht.“ Denn trotz Betretungsrecht gebe es im Wald eben auch Regeln.

Das Mini-Baumhaus von Teresa, Harder und Minna wird Fritz Ole Wolter „zeitnah“ abreißen, sollte Frank Tiedemann ihm nicht zuvorkommen. Ebenso die Pfahl-Bauten, die nur wenige Hundert Meter von dem kleinen Baumhaus entfernt stehen, sollen verschwinden, so der Förster.

Für die Entsorgung ist der Kreis Stormarn zuständig. Ebenso für die des Unrats und des Grünschnitts, den Anwohner derzeit vermehrt an Waldeingängen abladen würden, erklärt Wolter. Dies sei wohl der Tatsache geschuldet, dass auch Recyclinghöfe aufgrund der Corona-Pandemie kurzzeitig schließen mussten. „Wer seinen Unrat hier hinterlässt, sollte auch bedenken, dass die Entsorgung durch den Kreis über Steuergelder finanziert wird.“