Auf dem Balkon

Reinbekerin spielt jeden Tag ein Konzert für die Nachbarn

Ruth Carstensen spielt seit Wochen jeden Abend vom Balkon aus für ihre Nachbarn Posaune. (Jahnstraße Reinbek)

Ruth Carstensen spielt seit Wochen jeden Abend vom Balkon aus für ihre Nachbarn Posaune. (Jahnstraße Reinbek)

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Ruth Carstensen spielt seit Wochen für Nachbarn einen Posaunenkonzert vom Balkon aus. Bernd und Eva-Maria Kraske freuen sich darüber.

Reinbek. Für ihre Nachbarn Bernd und Eva-Maria Kraske ist es seit Wochen das Highlight des Tages: Jeden Abend um 18 und um 19 Uhr stellt sich Ruth Carstensen auf ihren Balkon, um ein kleines Posaunenkonzert zu spielen. Immer dann stehen auch die Bewohner der umliegenden Wohnhäuser an der Jahn- und der Schulstraße auf ihren Balkonen. Sie hören begeistert zu, wie die 63-Jährige musikalische Grüße versendet.

„Zuerst spielt sie immer die ,Ode an die Freude’“, weiß Bernd M. Kraske, der in Reinbek als jahrelanger Leiter des Kulturzentrums im Schloss bekannt ist. Seine Frau Eva-Maria lobt die Beständigkeit der ihr bis Donnerstag noch unbekannten Frau. „Seit Wochen steht sie jeden Tag um Punkt 18 Uhr auf dem Balkon. Ich warte immer schon darauf. Um 19 Uhr kommt sie noch einmal und spielt ,Der Mond ist aufgegangen’ oder ein Choralspiel“, sagt sie.

„Es ist ein Zeichen der Solidarität“

Das Ehepaar ist gerührt von dieser tollen Aktion und dankt regelmäßig mit Applaus. Die Zuschauer auf den umliegenden Balkonen tun es ihnen gleich. Und auch über ein Blümchen vor der Haustür durfte Ruth Carstensen sich neulich freuen. Das hatte Eva-Maria Kraske als Dankeschön bei ihr abgelegt. „Es ist wirklich schön, so ein tolles Feedback zu bekommen“, sagt die Hobbymusikerin.

Ruth Carstensen spielt bereits seit ihrem elften Lebensjahr Posaune. Kurz nachdem sie 1981 von der Ostsee nach Reinbek gezogen war, trat sie dem Glinder und Neuschönningstedter Posaunenchor der Kirchengemeinden bei. Da die Proben wegen der Coronapandemie derzeit ausfallen müssen, spielt sie fleißig zu Hause weiter und lässt ihre Nachbarn daran teilhaben. Die Idee, auf dem Balkon zu musizieren, beruht auf einem Aufruf durch die Posaunenmission der Nordkirche. Als Beispiel dienten Musiker aus Italien. „Auch andere Mitglieder des Posaunenchors spielen jetzt von ihrem Balkon aus. Es ist ein Zeichen der Solidarität“, sagt Carstensen. Doch wohl niemand sei so konsequent dabei wie sie.

Ehrenamt und Gartenarbeit beschäftigen sie

Zwei Wochen vor Ostern gab Ruth Carstensen ihr Debüt auf dem Balkon. In der Karwoche hörten die Nachbarn dann zur Abwechslung nicht Beethovens Vertonung von Schillers Gedicht „An die Freude“. Denn das schien der Reinbekerin in dieser Zeit unpassend. Stattdessen tönte ein Passionschoral über den Innenhof.

Carstensen will zumindest noch bis zum morgigen Sonntag auf ihrem Balkon musizieren. „Ich mache das gerne, aber es ist auch eine Einschränkung für mich“, erklärt sie. Sie und ihr Mann Jens Carstensen engagieren sich ehrenamtlich im Kleingärtnerverein Schönningstedt. Zudem ist auch allerhand in der eigenen Parzelle zu tun. Aber sicherlich wird sie hin und wieder einmal am Wochenende für ihre Nachbarn die „Ode an die Freude“ spielen. Bernd und Eva-Maria Kraske werden dann bestimmt wieder zuhören.