Nach Wiederöffnung

Fahrradläden erleben jetzt einen „richtigen Hype“

Margret Rißmann (links) und Sabine Löscher im Fahrradshop Hanold freuen sich über den Zuspruch der Kunden. Aber sie haben auch gerade jetzt allerhand zu tun.

Margret Rißmann (links) und Sabine Löscher im Fahrradshop Hanold freuen sich über den Zuspruch der Kunden. Aber sie haben auch gerade jetzt allerhand zu tun.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Geschäften wie Hanold in Reinbek rennen die Kunden den Laden ein. Reparaturen werden schon gar nicht mehr angenommen, der Platz fehlt.

Reinbek/Wentorf. Eigentlich hat Sabine Löscher mittwochs frei, denn ihr Fahrradshop Hanold an der Schönningstedter Straße 104 ist dann geschlossen. Doch momentan nutzt die Fahrradmechanikerin wohl jede freie Sekunde, um an Rädern zu schrauben. Denn die Inhaberin und ihre Mitarbeiterin Margret Rißmann können sich vor Kundschaft kaum retten. Gut 50 Fahrräder warten noch darauf, in Sabine Löschers Werkstatt wieder auf Vordermann gebracht zu werden. „Wir erleben gerade einen richtigen Hype, sowohl was die Reparatur, als auch den Verkauf von Fahrrädern angeht“, sagt Mitarbeiterin Margret Rißmann.

Die Geesthachterin erklärt sich das so: „Die Leute dürfen nicht in den Urlaub, sie haben mehr Zeit im Homeoffice und sie möchten nicht mit den Öffis fahren.“ Besonders vergangene Woche, als der Laden wieder für den Verkauf von Rädern öffnen konnte, war der Ansturm groß. 15 Räder hatten Sabine Löscher und Margret Rißmann in nur vier Tagen verkauft. „Für uns ist das ungewöhnlich“, sagt sie.

Kaum ein Durchkommen: Reparaturstopp im Radladen

Doch auch am Donnerstagvormittag folgte Kunde auf Kunde – natürlich nur mit Schutzmaske. „Gott sei Dank geht wieder ein Rad raus“, seufzte Margret Rißmann, als eine Frau sich für ein Modell entschieden hatte. Denn der Platz in dem Laden ist knapp und an dem Tag war eine Lieferung mit acht Neurädern eingetroffen, von denen bereits sechs verkauft sind. Die 50 Fahrräder, die noch repariert werden müssen, stehen deshalb tagsüber draußen. Wenn sie abends wieder ins Geschäft gerollt werden, gibt es kaum ein Durchkommen. Ende kommender Woche könne sie erst wieder Reparaturen annehmen, erklärt die Inhaberin.

Kaum vorzustellen, dass ihre Angestellte Margret Rißmann am 18. März erst einmal schlucken musste, nämlich an dem Tag der Schließung des knapp 100 Quadratmeter großen Ladens auf Landesanordnung. „Ich dachte, ich verliere jetzt meinen Job“, sagt sie. Und das, nachdem sie bereits 15 Jahre lang als eingespieltes Team gemeinsam mit Sabine Löscher den Laden geschmissen hatte. Die Sorgen sind nun dank des Aufschwungs erst einmal vergessen.

Bis zu 40 Prozent mehr Zulauf in Wentorf

Dass der Zwei-Frauen-Betrieb nun als Gewinner aus der Krise hervorgeht, das mag Rißmann nicht unterschreiben. Sie schaut besonnen auf die Zukunft: „Ich denke, der Ansturm wird auch wieder weniger werden.“ Und immerhin müssen die Einnahmen der warmen Monate Ausfälle im Winter kompensieren. Gewinner, das könnten vielmehr Verkäufer von E-Bikes sein. „Denn da sind die Margen viel höher.“ Tatsächlich erklärt eine Mitarbeiterin von E-motion E-Bike Welt am Wentorfer Südring, derzeit 30 bis 40 Prozent mehr Zulauf zu haben. Geschätzt sei dieser Wert im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Fahrradläden in Schleswig-Holstein dürfen erst seit dem 20. April wieder öffnen. Sabine Löscher hatte das Glück, zumindest ihren Reparaturservice nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt weiter anbieten zu können. Der Wentorfer Laden, in dem E-Bikes, Pedelecs, E-Dreiräder und E-Lastenräder angeboten werden, war komplett geschlossen. Ob durch den aktuellen Andrang etwaige Verluste aufgefangen werden? Das kann die Verkäuferin derzeit noch nicht sagen. Außerdem hat sie es eilig, die Kundschaft wartet.

Rabattaktion bei Ingo Sobischs E-Bike-Verleih

Ingo Sobisch auf der anderen Seite scheint recht gelassen. Zumindest rennen ihm keine Kunden den Laden ein. Sein E-Bike-Verleih läuft online. Ein Tourismusbüro, zentral am Reinbeker Schloss, hätte er gerne im Februar eröffnet. Nun ist er froh, dass die Immobilienfrage noch nicht geklärt werden konnte, er nicht auf Mietkosten sitzen bleibt. Bitter genug, dass sein Kanuverleih pausieren muss. Und auch der E-Bike-Verleih sollte bereits im April starten. „Aber Corona hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht.“

Wie berichtet, hatte Sobisch für den Aufbau seines E-Bike-Verleihs Fördermittel von der AktivRegion Sieker Land erhalten. Nun soll es ab Montag losgehen. Für den Start hat er sich auch eine Rabattaktion überlegt: Familien oder Paare, die online unter heimaat.de E-Bikes für Sonntag, 10. Mai, buchen, erhalten unter Angabe des Gutscheincodes „Frische Luft!“ 20 Prozent auf ihre Buchung. Zurzeit sind 24 E-Bikes im Angebot sowie ein E-Tandem.

Tour durch Sachsenwald oder Sieker Land

Am Sonntag wird Ingo Sobisch die Bikes dann an den Startpunkt am Reinbeker Schloss liefern. Inklusive ist auch ein Navigationsgerät, auf dem eine gut 30 Kilometer lange Tour eingespeichert sein wird. „Sie führt über ungefähr drei Stunden durch den Sachsenwald oder durchs Sieker Land“, erklärt Ingo Sobisch.