Corona

Senioren finden keinen Heimplatz

Dr. Edith Ulferts, Fachbereichsleiterin Gesundheit, Kreis Stormarn.

Dr. Edith Ulferts, Fachbereichsleiterin Gesundheit, Kreis Stormarn.

Foto: René Soukup

Pandemie erschwert Suche – hohe Vorgaben der Gesundheitsämter, verunsicherte Heime und wenig Personal.

Reinbek. Der Seniorenbeirat in Reinbek hat viel auf dem Zettel. Das Gremium um den Vorsitzenden Dr. Heinz-Dieter Weigert setzt sich unter anderem für bezahlbaren Wohnraum, Barrierefreiheit und eine seniorengerechte Infrastruktur ein. Für Mai ist ein Treffen mit der Stadtverwaltung geplant, um Ideen zu diskutieren. Weigert erinnert in Zeiten von Corona auch an die prekäre Lage in der Pflege. „Auch jetzt gibt es Menschen, die heimpflichtig werden, und Heime nehmen sie nicht auf“, so der Vorsitzende.

Erfahren musste er das zuletzt selbst. Seine 94 Jahre alte Schwiegermutter Anni war pflegebedürftig geworden. Die Heimsuche für die in Lübeck lebende Frau war nicht von Erfolg gekrönt. „Vielleicht in drei Monaten“, hätte man ihm geantwortet. In Sachen Tagespflege sei die Resonanz nicht besser ausgefallen. „Sie haben einfach zu wenig Personal“, weiß Heinz-Dieter Weigert. Er fordert, Pflegebedürftige in dieser Zeit nicht aus dem Blick zu verlieren.

Patienten werden in Pflegeeinrichtungen verlegt

Auch Patienten des St. Adolf-Stifts in Reinbek müssen dieser Tage in Pflegeeinrichtungen verlegt werden. Entweder kommen sie bereits aus einem Heim in die Klinik, oder sie werden nach ihrem Aufenthalt zum Pflegefall. Mit der Verlegung hat der Sozialdienst des Hauses derzeit eine Menge zu tun. Mitarbeiterin Annett Arndt spricht von dreimal so hohem Aufwand wie üblich. Grund dafür seien hohe Vorgaben der Gesundheitsämter und verunsicherte Heimeinrichtungsleitungen.

Die Mitarbeiter müssen sich an Vorgaben der Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg sowie des Landes Hamburg halten. „Hier würde ich mir einheitliche Vorgaben wünschen, was bei dieser oder jenen Konstellation gilt – statt des Föderalismus in der Praxis“, erklärt Annette Arndt. Die Vermittlung an Hamburger Heime klappe derzeit am besten. Trotz des Aufwands erklärt die Klinik, die Maßnahmen zum Schutz der Heime vor Corona zu begrüßen.

Schutzkleidung und Personal fehlen in Heimen

Zu den Maßnahmen zählt, dass die Mitarbeiter des Sozialdienstes vor einer Verlegung gegenüber dem Gesundheitsamt und dem Heimbetreiber nachweisen müssen, dass der Patient keinen Kontakt zu Corona-Positiven hatte, nicht auf einer Verdachtstation lag und in den letzten 48 Stunden symptomfrei gewesen ist. „Zusätzlich müssen zwei negative Abstriche im Abstand von 24 Stunden vorliegen. Denn nur dann ist eine Quarantäne nicht notwendig und die Aufnahme nicht so kompliziert“, sagt Katrin Soares vom Sozialdienst.

Covid-Positive hätten jedoch „faktisch keine Chance, aus dem Krankenhaus in eine stationäre Einrichtung verlegt zu werden“, sagt Soares. „Auch Patienten, die offiziell als geheilt von der Lungenerkrankung gelten, finden in der Regel keine Einrichtung, die sie aufnimmt.“ Für solche Fälle gibt es Ausweicheinrichtungen. Doch davon müsse es mehr geben, sagt Soares.

Die Situation in der Reinbeker Klinik lässt die Vermittlungslage für Pflegebedürftige gut nachvollziehen. Annette Arndt erklärt: „Bereits vor der Coronapandemie war es schwierig, für pflegebedürftige Patienten einen Heimplatz zu organisieren. Nun ist es oft aussichtslos, da Pflegeheime aufgrund der Quarantäne-Vorkehrungen weniger Plätze zur Verfügung haben.“ Häufige Ablehnungsgründe seien auch Mangel an Schutzkleidung und Personal. Die Klinik bemüht sich dennoch, Pflegebedürftigen zu helfen. „Wir organisieren für unsere Patienten eine ambulante Versorgung zu Hause, beispielsweise durch Pflegedienste“, sagt Arndt.

Pflegedienste haben noch Kapazitäten

Dr. Edith Ulferts, Fachbereichsleiterin für Soziales und Gesundheit der Kreisverwaltung Stormarn, bestätigt, dass bei Pflegediensten „durchaus noch Kapazitäten vorhanden sind“. Generell sei die Versorgung jedoch in einigen Regionen schwierig. „Dies ist nicht der aktuellen Situation geschuldet, sondern dem schon vorher bestehenden Personalmangel in der Pflege.“

Es zeigt sich indes eine sehr hohe Nachfrage nach Kurzzeitpflegeplätzen im Kreis, so Ulferts. „Die kann vom aktuellen Angebot nicht bedient werden – weder in Bezug auf kurzfristig, noch in Bezug auf langfristig geplante Anfragen.“ Tagespflegen seien bemüht, individuelle Lösung zu finden. Weitere Infos: 04531/160 15 04 und pflegestu etzpunkt@kreis-stormarn.de