Reinbek

Trockene Becken und leere Kassen im Freizeitbad

Leere Schwimmbecken im Freizeitbad in Reinbek: Für Geschäftsführer Holger Kehl befremdlich, dass gerade bei so schönem Wetter keine Badegäste da sind.

Leere Schwimmbecken im Freizeitbad in Reinbek: Für Geschäftsführer Holger Kehl befremdlich, dass gerade bei so schönem Wetter keine Badegäste da sind.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Durch die angeordnete Schließung stand das Freizeitbad von einem auf den anderen Tag ohne Einnahmen da. So läuft der Betrieb weiter.

Reinbek/Wohltorf. „Ein seltener Anblick, und das bei so schönem Wetter“, sagt Holger Kehl und schaut hinab in das ausgepumpte Außenbecken des Freizeitbads. Seit das Bad am 14. März auf Anordnung des Landes Schleswig-Holstein schließen musste, ist es hier an der Hermann-Körner-Straße befremdlich leer. Eine wirtschaftlich enorm schwierige Zeit ist das für alle Badbetreiber bundesweit, weiß der Geschäftsführer. Doch zumindest keimt in ihm die Hoffnung, im Juni wieder Besucher empfangen zu können.

Von einem auf den anderen Tag waren alle Einnahmen weggebrochen – und das in den starken Monaten März und April. Neben den Badegästen kommen auch die Vereine und Schulen nicht mehr, es werden keine Schwimmkurse mehr belegt und auch die Pacht für das kleine Bistro bleibt aus. An die 60.000 Euro an monatlichen Einnahmen gehen laut Holger Kehl flöten.

Fixkosten um gut 70 Prozent gesenkt

So war er gezwungen, die Sparschraube anzuziehen: Die Fixkosten in Höhe von bis zu 100.000 Euro konnten um 70 Prozent gesenkt werden, wie Kehl erklärt. Einen großen Teil macht das Abpumpen der Schwimmbecken aus, die nicht nur durchgehend beheizt werden, sondern auch an eine Filteranlage angeschlossen sind. Das eine Million Liter fassende Becken in der Halle wird jedoch befüllt bleiben, um Spannungsrisse und Schäden an den Dichtungen der Leuchten zu verhindern. Holger Kehl hat aber die Heizung von 29 auf 18 Grad heruntergedreht. Die Wasseraufbereitungsanlage läuft auf unterster Stufe weiter, damit das Wasser nicht umkippt und die Anlage nicht verkeimt.

Um die 15 Mitarbeiter trotz Krise noch möglichst zu beschäftigen, wurden Reinigungs- und Revisionsarbeiten, die für Ende November geplant waren, vorverlegt. Das Ergebnis sind unter anderem saubere Fugen im Außenbecken, ein frisch lackierter Wasserpilz, neue Kleiderhaken und geölte Spindschlösser. Ein großes Projekt, nämlich die abschließende Renovierung der Umkleiden, kann wegen Lieferengpässen nicht in Angriff genommen werden.

Keine guten Aussichten im Tonteichbad

Und obwohl die Mitarbeiter Überstunden abbauten, Urlaub nahmen und im Schichtdienst arbeiteten, ist das ausgedünnte Team nur noch bis Ende des Monats beschäftigt. Ab Mai ist dann Kurzarbeit angesagt. Vier Mitarbeiter, darunter ein Azubi und die Geschäftsführung, halten dann die Stellung.

Still ruht auch der Tonteich in Wohltorf. Der Geschäftsführer des betreibenden Vereins Bernd Wyrwinski wird regelmäßig auf eine Öffnung angesprochen, muss immer vertrösten. Die beiden Schwimmmeister, die über Zeitverträge eingestellt sind, fürchten um ihren Job. Noch sind sie im Dienst, verrichten Grundstückspflege und Schönheitsarbeiten. Beispielsweise erhalten die Außenfassaden einen neuen Anstrich. Ob die Besucher das in diesem Jahr noch zu Gesicht bekommen, darauf mag Wyrwinski keine Antwort geben. „Es sind keine guten Aussichten“, sagt er. Die Bäderschließung ist vorerst bis zum 3. Mai durch die Landesregierung angekündigt.

Wie eine Öffnung des Freizeitbads aussehen kann

Doch wie kann eine Badöffnung in Zeiten von Corona überhaupt aussehen? Die leer gepumpten Becken sind laut Holger Kehl in gut fünf Tagen wieder betriebsbereit. Und in Sachen Hygiene muss sich der Betreiber wohl nichts vormachen lassen. Neben den ohnehin eingehaltenen Standards steht im Eingangsbereich bereits ein neuer Desinfektionsmittelspender. Für die Mitarbeiter am Empfang ist ein Spuckschutz angebracht.

Vielmehr ist es die Einhaltung des Sicherheitsabstands die sein Team umtreibt. Der Pandemieplan der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen macht hier klare Vorgaben. So sollte das Freizeitbad Reinbek nur 25 bis 30 Gäste gleichzeitig einlassen. Deshalb ist für Holger Kehl schon nun klar, dass eine Wiederöffnung nicht gleich eine finanzielle Erholung mit sich bringt. Denn durchschnittlich 1000 Besucher pro Tag lassen sich so nicht verzeichnen. Kehls vorsichtige Vermutung ist, dass auch nach der Öffnung nur 50 Prozent der sonstigen Einnahmen eingefahren werden können. Denn dass die Kunden ihm in den kommenden Monaten die Bude einrennen werden, das mag er nicht so ganz glauben.

Holger Kehl hofft auf Hilfe durch die Stadt

Und eins ist für Holger Kehl sicher: Diese Krise kann das Freizeitbad nicht allein durchstehen. „Wir sind abhängig von den Einnahmen“, sagt er. Da der Betrieb mehrheitlich in städtischer Hand liegt, kann er Soforthilfe vom Land nicht in Anspruch nehmen. Er hofft, dass die Stadt Einnahmeverluste auffängt. „Ich bin ganz optimistisch, weil wir zehn Jahre so einen guten Job gemacht haben“, sagt Kehl.