Sachsenwald

Ortstermin in Bismarcks Saupark - ein Denkmal?

Denkmalpfleger Dr. Geerd Dahms (links) und Revierförster Henrik Banaszak zeigen den historischen Hutewald, eine einzigartige historische Kulturlandschaft mit bis zu 200 Jahre alten Eichen.

Denkmalpfleger Dr. Geerd Dahms (links) und Revierförster Henrik Banaszak zeigen den historischen Hutewald, eine einzigartige historische Kulturlandschaft mit bis zu 200 Jahre alten Eichen.

Foto: Susanne Tamm

Für Gutachter Dr. Geerd Dahms steht es außer Frage. Der Wald in dem umstrittenen Jagdgatter ist ein wertvolles Kulturdenkmal.

Friedrichsruh. Für Dr. Geerd Dahms, Denkmalgutachter, gibt es da keine zwei Meinungen: „Der Saupark ist ein Kulturdenkmal par excellence.“ Eine Landschaft wie den darin enthaltenen mehr als 200 Jahre alten Hutewald gebe es in Deutschland andernorts nicht mehr. Doch der Kreis Herzogtum Lauenburg zweifelt seine Expertise an, dass es sich bei dem Saupark Maximilian von Bismarcks sowie dem Rotwildgatter Gregor von Bismarcks um ein Kulturdenkmal handelt. Die von Bismarcks klagen noch vor dem Verwaltungsgericht in Schleswig auf Anerkennung des Denkmals.

Der Kreis hat aus tierschutzrechtlichen Gründen seit Anfang April die schrittweise Öffnung der Gatter bis Ende Oktober angeordnet. Gegen die Durchsetzung des Gesetzes von 1999, das Jagdgatter untersagt, haben sich die Bismarcks stets gewehrt, seit 2015 gerichtlich. Aber nicht, um sich feudale Rechte für ein sinnloses Geballer zu erhalten, wie Maximilian von Bismarcks Revierförster Henrik Banaszak betont. „Das hat es hier nämlich nie gegeben.“ Es gehe vielmehr um das Wahren einer Kulturlandschaft und eines Wildbestandes, die sich nicht getrennt voneinander betrachten ließen.

Keine Scheu vor Autos

Schon auf der historischen Königsallee, auf der der dänische König Christian als Landesherr seit 1841 mit dem Grafen Bernstorff vom Gut Wotersen zur Jagd in seiner Kutsche angefahren kam, kreuzen zwei Wildschweine mit ihren Frischlingen unser Auto. Sie haben keine Scheu.

„Das sind meine“, ist Henrik Banaszak sicher und meint, dass sie aus dem Saupark kommen. Auf dem 430 Hektar großen Areal leben im Frühjahr 100 bis 120 Wildschweine, 30 bis 40 Stück Rotwild, 70 bis 80 Damwild sowie etwa 20 Muffelwild, das sind wilde Schafe. Der Revierförster ist mit ihnen quasi per Du. Die bisher behütet lebenden Wildtiere haben keine Scheu vor Autos – „Leider“, bestätigt Banaszak.

Im Gatter hätten sie nichts zu fürchten gehabt. „Sie wurden höchstens zwei Tage pro Jahr bejagt“, erklärt er. „Dabei ging es allein darum, den Bestand zu pflegen. Erfahrene Jäger achteten darauf, dass nur Jung-, nicht Muttertiere geschossen wurden. Wir erlebten, wie Tiere hier alt werden.“

Teil des landesherrschaftlichen Jagdareals

Geerd Dahms erläutert: „Der Hutewald ist eine alte Kulturlandschaft, die es seit den Anfängen der Schweinemast gab.“ Die Bauern trieben ihre Schweine zum Fressen in den Wald. Das Vieh hielt den Jungwuchs der Bäume zurück, so dass zwischen den Bäumen mehr Platz und Licht bleibt. Im 19. Jahrhundert, noch unter dänischer Herrschaft, wurde der Hutewald Teil des landesherrschaftlichen Jagdareals.

Die Königsallee führt noch heute direkt an den Gattern entlang. Begrenzt wird sie durch dieselben alten Erdwälle, auf denen früher ein Holzzaun die Tiere einpferchte. Heute steht dahinter ein Drahtzaun. Die Gattertore, die auf die Straßen, die schnurgeraden „Linien“ führen, sehen teils noch genauso aus wie die alten Holztore damals. Sieben Tore wurden bisher geöffnet. Die Polizei verzeichnete noch keinen signifikanten Anstieg der Wildunfälle. Die „Linien“ genannten Straßen sind tatsächlich auf die Vermessung der Dänen im Jahr 1842 zurückzuführen. Auch die Entwässerungsgräben stammen laut Dahms aus dieser Zeit.

Ein Geschenk des Reichskanzlers

„Nur durch die Gatterhaltung hat sich der noch ältere Hutewald hier erhalten“, betont Henrik Banaszak. Die Tiere sind im Gatter so geschützt, dass sie ihrem natürlichen Rhythmus folgend, abwechselnd tagsüber dort weiden. Außerhalb des Gatters trauen sie sich aus Furcht vor Menschen meist nur nachts oder in der Dämmerung hervor. „Wenn ab Ende Oktober Unruhe durch Besucher in den Wald kommt, wird diese Landschaft im Laufe der Jahre durchwachsen und verschwinden“, warnt Banaszak.

Ein weiteres strukturierendes Element der alten Kulturlandschaft ist der Frühstücks-Platz, der früher den Blick auf den Hutewald freigab. Dort sollen König und Gefolge das Jagdfrühstück genossen haben. Gegen den Wind war der Platz von Fichten eingefasst. Noch heute sind dort Fundamente zu sehen.

Ein Geschenk von Kaiser Wilhelm I.

1871 schenkte Kaiser Wilhelm I. Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck den Sachsenwald – samt Saupark und Rotwildgatter. Bis die Jagd 1905 verpachtet wurde, war dies das Revier der Bismarck-Söhne Wilhelm und Herbert. Alle Pächter mussten sich vertraglich verpflichten, das Wild zu hegen – und Parkwächter Otto Brandt zu übernehmen.

Er und seine Nachkommen bewohnten fast 100 Jahre das Parkwächterhaus, das samt Scheune und Stall im Nordosten des Sauparks ebenfalls bis heute – allerdings modernisiert – erhalten blieb. Ebenso wie das Haus des Forstbediensteten von 1910. Der aktuelle Mitarbeiter lebt dort seit mehr als 65 Jahren. „Er gehört eigentlich mit zum Denkmal“, sagt Banaszak und meint dies durchaus liebevoll. Er und Dahms setzen darauf, dass der Richter sich vor Ort selbst ein Bild von der Denkmalwürdigkeit der Landschaft macht. Die spreche für sich, so Banaszak.