Friedrichsruh

Jagdgatter: Freiheit für die Bismarckschen Wildsauen

Begegnung mit einem Wildschwein.

Begegnung mit einem Wildschwein.

Foto: Andrea Warnecke / dpa-tmn

Bismarcks Jagdgatter werden jetzt geöffnet. Die Anlieger des Sauparks sind nicht sehr erfreut, sie fürchten Schäden in ihren Gärten.

Friedrichsruh/Dassendorf. Laut Jagdgesetz beginnt heute ihre große Freiheit: Für Sauen und Rotwild aus den Jagdgattern der Bismarckschen Forstverwaltungen müssen nach 140 Jahren die Gatter geöffnet werden. „Wir müssen die Tore öffnen – mit allen Vor- und Nachteilen“, sagte Gerhard Rosenthal, Oberforstmeister und Unternehmensberater Maximilian von Bismarcks, am Dienstag.

Die Nachteile sind bekannt und in der Nachbarschaft nahe der Landesstraße 317 gefürchtet: Werden die Tore geöffnet, ist vermehrt mit Wildschäden und Wildwechsel zu rechnen. Schon jetzt gibt es auf den Straßen L 314, B 404 sowie auf der A 24 häufig Wildunfälle. Auf den Bundesstraßen reagiert man auf die neue Situation jetzt daher mit Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Tierschutz verlangt Öffnung der beiden Gatter

Die Zäune schützten bisher auch die Gärten, Felder und angrenzenden Golfplätze in Dassendorf und Brunstorf vor Wildschäden. Der Streit darüber schwelt schon seit Jahrzehnten. Dennoch muss die Untere Jagdbehörde des Kreises Herzogtum Lauenburg das Gesetz jetzt umsetzen. Um die Schäden zu minimieren, hat sie im Vorfeld von den Eigentümern gefordert, die Wildbestände zu reduzieren.

Diese Auflagen seien auch erfüllt worden, und der Wildbestand sei an den im knapp 6000 Hektar großen, umliegenden Sachsenwald angepasst worden, bestätigt Rosenthal. Er berichtet von konstruktiven Gesprächen mit dem Landrat und bedauert, dass man sich nicht auf eine Genehmigung für ein Tiergehege einigen konnte.

Wie berichtet, verlangt der Tierschutz seit 1999, dass die Bismarcks ihre beiden Gatter öffnen und das Wild freilassen. Sowohl Maximilian als auch Gregor von Bismarck hatten eine Frist von 15 Jahren verstreichen lassen, bevor sie 2015 dagegen klagten. Doch sämtliche Versuche der von Bismarcks, die Öffnung gerichtlich zu unterbinden, sind bisher fehlgeschlagen. Eine Klage von Maximilian von Bismark ist zwar noch anhängig, hat aber laut Rosenthal keine aufschiebende Wirkung.

Areal ist eine historische Kulturlandschaft

Allein im Bereich des 450 Hektar großen Sauparks muss der Zaun nun an acht Stellen geöffnet werden. Der Kreis hat angekündigt, dies auch unmittelbar zu kontrollieren. Im Oktober muss die Einfriedung ganz abgebaut sein. „Die Schweine dürfen in dieser Zeit raus, die Besucher dürfen aber nicht hinein“, sagt Gerhard Rosenthal.

Letzteres sieht der Kreis indes anders. „Es gilt das Landeswaldgesetz. Damit dürfen die Wege betreten werden“, sagt Sprecher Karsten Steffen. Er äußert sich auch zu den befürchteten Wildschäden. Die könnten seines Wissens nur Landwirte bei den Jagdpächtern geltend machen, sagte er. „Bei Verkehrsunfällen mit Wild, wird der Schaden in der Regel von der Teilkasko-Versicherung beglichen.“

Ein Sachverständiger hatte 2016 festgestellt, dass das etwa 450 Hektar große Areal, teils mit über 300 Jahre alten Bäumenschützenswerte eine historische Kulturlandschaft sei und es sich somit um einen Denkmalbereich und eine Schutzzone gemäß Denkmalschutzgesetz des Landes Schleswig-Holstein handele. Den Forst habe der dänische König 1841 für seine Jagd anlegen lassen.

Laufende Klage gegen den Kreis Herzogtum Lauenburg

Die laufende Klage vor dem Verwaltungsgericht Schleswig gegen den Kreis Herzogtum Lauenburg soll feststellen, dass der Saupark im Sachsenwald bei Dassendorf ein Kulturdenkmal ist. Anders als es das Jagdgesetz vorschreibt, dürfte das Gatter demnach nicht verändert werden. „Sollte es doch ein Denkmal werden, werden die Tore wieder geschlossen“, sagte Rosenthal gestern. Bis gestern gab es allerdings noch keinen Gerichtstermin.

Landrat Dr. Christoph Mager (CDU) rechnet indes nicht damit, dass der Saupark als Denkmal einzustufen ist. Dies habe das Landesamt für Denkmalpflege bereits 2016 im Rahmen des Verwaltungsgerichtsverfahrens um die Anordnung des Kreises Herzogtum Lauenburg auf Öffnung des Jagdgatters signalisiert.