Coronapandemie

Krise trifft Händler in Reinbek verschieden stark

Buchhändlerin Ina Skorka-Müller hat Erfolg mit ihrem Aufruf im Schaufenster.

Buchhändlerin Ina Skorka-Müller hat Erfolg mit ihrem Aufruf im Schaufenster.

Foto: Elvira Nickmann

Reporterin Elvira Nickmann unterwegs in der Bahnhofstraße in Reinbek. Zu Corona-Zeiten wirkt die Einkaufsmeile fast wie ausgestorben.

Reinbek. Freitagmittag in der Bahnhofstraße, sonst Mittelpunkt im Herzen Reinbeks: Die Einkaufsmeile wirkt wie ausgestorben, nur vereinzelt spazieren Menschen an den Läden vorbei. Aushänge weisen auf geänderte Öffnungszeiten, telefonische Erreichbarkeit oder im schlimmsten Fall Schließung hin. „Diese Filiale ist vorübergehend wegen der Coronapandemie geschlossen!“, heißt es am Schuhgeschäft Eggers. Der Zettel mit „Wir sind hier!“ am Tapetenhaus wirkt hingegen fast wie ein Hilferuf.

Die Buchhandlung Erdmann toppt alle Hinweisschilder mit einem riesigen Aufruf, im Schaufenster: „Bitte unterstützen Sie uns!“ Und: „Wir liefern täglich kostenfrei!“

Buchhandlung Erdmann hat glücklicherweise sehr viel Arbeit

Die Tür ist verschlossen. Drinnen sind drei Angestellte damit beschäftigt, Anrufe entgegen- und Bestellungen aufzunehmen, Bücher und Spiele herauszusuchen und zu verpacken. Kurz nach zwölf Uhr kommt Inhaberin Ina Skorka-Müller von einer Auslieferungstour zurück. Den Waren, die sie vor Türen oder in Briefkästen deponiert, liegen Rechnungen bei. An einem Ablegeplätze hat Skorka-Müller eine neue Bestellung vorgefunden.

Eine Mitarbeiterin trägt die nächste vollgepackte Bücherwanne ins Auto, wenig später ist sie schon unterwegs auf einer neuen Tour. Zur derzeitigen Situation sagt Ina Skorka-Müller: „Wir beklagen uns null, denn tatsächlich haben wir viel Arbeit.“ Sie sei dankbar und glücklich über die Unterstützung der Kunden. „Wir honorieren, was sie für uns tun“, betont die Buchhändlerin. Trotz positiver Entwicklung sei ihr bewusst, dass „der April noch richtig hart werden kann“. Der weithin sichtbare Aufruf habe spürbar zum guten Geschäft beigetragen, sei über WhatsApp und soziale Medien verbreitet worden. „Unter den Anrufern sind Menschen, die uns bisher gar nicht kannten.“

Im Feinkostgeschäft sorgen Stammkunden für Umsatz

Beim Feinkostgeschäft H. Rathmann sind es vor allem Stammkunden, die für Umsätze sorgen. „Die Laufkundschaft hat stark abgenommen, aber unsere Stammkunden haben sogar für ein kleines Plus gesorgt“, sagt Heinrich Rathmann, Der kostenfreie Lieferservice, den das Familienunternehmen schon lang anbietet, werde jetzt besonders nachgefragt. Derzeit seien Trockenfrüchte, Reis und Nudeln begehrt, aber nicht immer leicht zu bekommen. Einiges bestellt Rathmann vor: „Wir sind anpassungsfähig.“

Birgit Hintze betreibt ein Optikergeschäft: „Ich darf arbeiten, aber keine Kontaktlinsen anpassen und keine Augenüberprüfung vornehmen.“ Nur nach Terminabsprache darf jeweils ein Kunde das Geschäft betreten. Hintze: „Das ist reine Notfallversorgung.“ Für ihre drei Mitarbeiter beantragt sie zum 1. April Kurzarbeitergeld.

Wegen eines Wasserschadens hat sie Handwerker im Laden. „Bis letzten Mittwoch haben wir so gut zu tun gehabt, dass ich sogar neu eingestellt habe“, sagt Hintze. „Wenn ich zu Hause sitze und anfange, über die Situation nachzudenken, verbiete ich mir das.“

Reinigung in Reinbek wartet auf Kundschaft

Die Tür der Reinigung auf der anderen Straßenseite ist weit geöffnet. Najib Yousufi wartet auf Kundschaft,. „Seit zwei Wochen kommen kaum Kunden – es ist eine Katastrophe“, beklagt er. „Wir haben geöffnet, damit die Kunden ihre Sachen abholen können.“ Die Frage, ob das denn geschieht, erübrigt sich –die übervollen Kleiderständer sprechen für sich. Die Reinigung ist ein Familienbetrieb, Yousufi Vater des Inhabers.

Ein Teppichreinigungsgerät wurde angeschafft, das sich Kunden ausleihen können. Inhaber Hodjat Yousufi: „Wenn sich die Situation nicht bald bessert, benötigen wir die Hilfen der Bundesregierung für Kleinunternehmer.“