Elisabethschwestern

Reinbeker Nonnen beten und nähen fürs Krankenhaus

Schwester Myrta vom Orden der Heiligen Elisabeth schneidet den Spezialstoff für die Nase-Mundschutz-Masken zu und näht erste Produktionsmuster für   Krankenhausmitarbeiter.

Schwester Myrta vom Orden der Heiligen Elisabeth schneidet den Spezialstoff für die Nase-Mundschutz-Masken zu und näht erste Produktionsmuster für Krankenhausmitarbeiter.

Foto: Krankenhaus Reinbek / NEWS & ART

Die Elisabethschwestern unterstützen das Krankenhaus St. Adolf Stift bei der Anfertigung von Mundschutz.

Reinbek. Das Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift will mit einer ungewöhnlichen Aktion den Mangel an Schutzmasken lösen. Ordensschwestern und Krankenhausmitarbeiter nähen Mundschutzmasken nach einem einheitlichen Schnittmuster, die ausgekocht und wiederverwendet werden können.

Die Idee dazu hatte Krankenhausgeschäftsführer Björn Pestinger selbst: „Weil die Bestände und Lieferungen von Woche zu Woche stark schwankten, wollten wir einfach autark werden. Ziel ist es, unsere Belegschaft besser zu schützen, denn neben Corona ist auch der Influenza-Virus noch längst nicht durch.“

Genug Masken auf der Isolationstation

Pestinger betont, dass es in der Reinbeker Klinik derzeit ausreichend Einmal-Schutzmasken der Kategorie FFP2 für die Arbeit auf der Isolations- und Intensivstation gibt. Die selbstgefertigten Masken sollen vor allem Mitarbeiter ohne direkten Patientenkontakt, wie das Verwaltungspersonal, Boten oder Handwerker besser schützen.

„Für diese Kollegen gibt es laut RKI keine Maskenpflicht, gleichwohl fühlen sie sich aber oft wohler mit einer Maske“, sagt Björn Pestinger.

Serienproduktion aus Spezialstoff

Die Klinik hat für die Maskenproduktion einen Spezialstoff bestellt, der am Mittwoch eingetroffen ist. Er wird nun von den Ordensschwestern zugeschnitten und die benötigten Einzelteile, wie Bänder und Nasenklammern mit einer Nähanleitung und einer Mustermaske in Tütchen verpackt. Mitarbeiter und der Klinik Nahestehende übernehmen dann die eigentliche Serienproduktion für die Klinik.

Hannah Hinnenkamp, gelernte OP-Pflegerin und Trainee in der Pflegedienstleitung, war sofort dabei: „Ich bin momentan in Elternzeit und nähe gern für meine Kinder“, sagt sie: „Jetzt kann ich in dieser schwierigen Lage meine Kollegen von zu Hause unterstützen.“ Mitarbeiter bringen ihr das Material und holen die fertigen Masken wieder ab.

„Tapfere Schneiderlein“ des Krankenhauses

Die Maskenproduktion soll unbedingt im direkten Mitarbeiterumfeld verbleiben. „Das Krankenhaus ist für Besucher gesperrt“, betont Geschäftsführer Pestinger. Und: „Wir haben intern genug tapfere Schneiderlein“.

Er freut sich aber über die Unterstützung der Ordensschwestern. Die 77-jährige Schwester Myrta hat in den 1950er Jahren als junge Frau Hemden und Schlafanzüge im Akkord genäht: „Als die Oberin von der Aktion erzählte, habe ich sofort ‘hier’ gerufen.“

Koordination per WhatsApp-Gruppe

Gemeinsam mit Schwester Luise (49) schneidet sie den recht steifen Stoff auf dem Schrank in der Sakristei zu. Das Messbuch dient zur Beschwerung, damit die Stoffrolle nicht abrutscht. Dann wird die sichtbar in die Jahre gekommene Nähmaschine angeworfen. Schwester Myrta: „Klappt! Der blaue Stoff ist schwer, aber man kann gut atmen.“ Per WhatsApp-Gruppe koordinieren sie sich mit den Krankenhausmitarbeitern. Die Masken sind bei 90 Grad waschbar und sterilisierbar oder können auf dem Herd ausgekocht werden.

Im Reinbeker Krankenhaus werden aktuell vier Corona-Patienten behandelt. Fünf Verdachtsfälle sind isoliert, schon drei Patienten konnten genesen entlassen werden.