Menschenkette

Reinbeker gedenken der Mordopfer von Hanau

Reinbek. 450 Reinbeker gedenken mit Menschenkette und Schweigeminute den Opfern von Hanau

Reinbek. 450 Reinbeker gedenken mit Menschenkette und Schweigeminute den Opfern von Hanau

Foto: Carsten Neff

Rund 450 Menschen folgen Aufruf einer Flüchtlingsinitiative. Mittels einer Menschenkette erinnern sie an rassistisch motivierte Morde.

Reinbek. Neun Trommelschläge hallen am späten Sonnabendnachmittag durch die Klosterbergenstraße – ein Schlag für jedes der neun Opfer der fremdenfeindlichen Morde von Hanau. 450 Reinbeker sind dem Aufruf der Flüchtlingsinitiative gefolgt, um der Opfern zu gedenken und mit einer Menschenkette vor rassistischem Gedankengut zu warnen.

Spaziergänger gliedern sich spontan in die Kette ein

„Wir können es nicht zulassen, dass ein Rechter unsere Mitmenschen ermordet. Dieser Mensch war kein Einzeltäter. Er wurde beeinflusst durch rechtes Gedankengut, das man an ihn herangetragen hat“, sprach Organisator Roderich Ziehm sichtlich bewegt in sein rotes Megafon. „Wir möchten allen Menschen in unserem Land, in unserer Stadt – egal welcher Herkunft und Religion – das Gefühl geben: sie sind bei uns sicher und willkommen.“ Und der 69-jährige Bürgerpreisträger ergänzte: „Wir leben hier seit mehr als 70 Jahren in Frieden. Ein rechter Mob und rechter Terror haben in unserem Land keinen Platz. Wehret den Anfängen! Rassismus und Antisemitisches sowie Hass und Hetze dürfen wir nicht dulden. Reinbek ist nicht braun, Reinbek ist bunt!“

Das r dann auch eindrucksvoll, indem sie eine Menschenkette bildeten. Diese reichte vom Feuerwehrhaus die gesamte Bergstraße hinunter in die Hamburger Straße bis über das Rathaus hinaus. Die mehr als 450 Teilnehmer waren dem spontanen Aufruf der Flüchtlingsinitiative über soziale Medien gefolgt. Die Reinbeker Grünen hatten ein Plakat entworfen und im Netz geteilt. Aber auch Politiker der SPD und CDU nahmen an der Menschenkette teil, ebenso Bürgermeister Björn Warmer und Bürgervorsteher Christoph Kölsch. Einige Spaziergänger gliederten sich spontan in die Kette ein.

Eine Gruppe an der Bergstraße stimmte Beethovens „Ode an die Freude“ an: „Alle Menschen werden Brüder...“ – angesichts der Taten von Hanau ein Gänsehaut-Moment. Spruchbänder und Plakate gab es nur vereinzelt. „Das Gedenken und die Anteilnahme am Leid der Angehörigen stehen im Mittelpunkt“, so die Reinbekerin Johanna Siems (48). Als sich die Menschenkette schloss, hielten die Teilnehmer zwei Gedenkminuten in Stille ab.